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Personalie Audi: Warum Dürheimer gehen musste

| Autor / Redakteur: Jens Meiners / Thomas Günnel

Audi ist nervös. Zwei Tage vor dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans – aus dem sich die Marke übrigens wegen einer Reglementsänderung beinahe zurückgezogen hätte – wurde überraschend bekannt, dass Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer seinen Posten räumen müsse.

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(Foto: Audi)

Der frühere Porsche-Entwicklungschef sowie Bentley- und Bugatti-Chef hatte keine zehn Monate amtiert. Am 1. September hatte er seinen einst ebenso unerwartet geschassten Vorgänger Michael Dick beerbt. Dürheimer werde eine andere Funktion im Volkswagen-Konzern bekleiden, heißt es nun. Gefunden war sie bei der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht.

Zahlreiche Spekulationen

Warum Dürheimer bei Audi gehen musste, ist Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Die vom „Spiegel“ verbreitete Variante, man habe ihm den Ausstieg aus Elektroauto-Projekten wie dem A1 e-tron oder dem R8 e-tron vorgeworfen, dürfte dem Reich der Fabel entstammen. Dürheimers Skepsis, was die Batterietechnik und die Elektromobilität insgesamt angeht, wird von Konzernchef Martin Winterkorn und Audi-Chef Rupert Stadler geteilt. Man wird nicht davon ausgehen können, dass Audi auf einmal die Elektro-Strategie seines Hauptwettbewerbers BMW kopiert, der mit der kostspieligen Sub-Marke „i“ in die vollen geht.

Fehlende Sensibilität?

Eher dürfte zutreffen, dass Dürheimer bei seinem Amtsantritt nicht sensibel genug vorgegangen ist. Der sehr prozessorientiert und analytisch arbeitende Manager hat es nicht immer geschafft, seine Mitarbeiter zu motivieren - und bei seiner Kritik die über Jahrzehnte gewachsenen Seilschaften in Ingolstadt unterschätzt. Seine Zusammenarbeit mit der experimentierfreudigen Designabteilung war nicht immer harmonisch. Und der Unmut der Entwicklungsmannschaft wurde – so berichtet es der „Donaukurier“ – Konzernchef Winterkorn zuletzt massiv persönlich vorgetragen. Die nunmehr gestreute Version, Dürheimer sei nicht in der Lage gewesen, der „Komplexität“ seiner Aufgabe gerecht zu werden, dürfte dem erfahrenen Manager kaum gefallen. Und obwohl er weiterhin die Motorsportaktivitäten des Volkswagen-Konzerns leiten soll, wurde eine seiner jüngsten Entscheidungen – die Verlagerung der Rennmotorenentwicklung von Neckarsulm nach Neuburg an der Donau – umgehend kassiert.

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