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VW Jetta Auf eigenen Füßen

| Autor / Redakteur: SP-X / Andreas Wehner

Mit einer völlig neu gezeichneten Karosserie, die mit dem aktuellen Golf kein Blechteil mehr gemein hat, setzt Volkswagen nun auf einen eigenständigen Auftritt der Stufenhecklimousine.

Seit über dreißig Jahren gehört der VW Jetta zum deutschen Straßenbild - in die Herzen einer autoverliebten Nation konnte sich die allzu brave Stufenheck-Limousine bislang nicht fahren. Da half auch der Wechsel der Modellbezeichnungen nicht weiter: Weder der dritten Modellgeneration, die auf vielen Märkten als Vento auftrat, noch dem vierte Aufguss als Bora gelang es, das Image des Rucksack-Golf abzustreifen.

Mit einer völlig neu gezeichneten Karosserie, die mit dem aktuellen Golf kein Blechteil mehr gemein hat, setzt VW nun auf einen eigenständigen Auftritt der Baureihe. In der Länge ist der Jetta um neun Zentimeter auf 4,64 Meter gewachsen und rückt damit nahe an den Passat heran. Die Differenzierung zum Golf darf als gelungen bezeichnet werden: Mit dem kompakten Hecktürer bringt den Jetta jetzt wirklich niemand mehr in Verbindung. Besonders gewagt ist die Formgebung der Stufenheck-Limousine allerdings nicht. Irgendwie hat man als Betrachter schon ein halbes Jahr vor der Deutschlandpremiere das Gefühl, einen alten Bekannten vor sich zu haben.

Neu ist indes das Interieur: War der Vorgänger mit seiner flächigen, allen Passagieren gleichermaßen zugewandten Mittelkonsole nach Aussage von Interieur-Designer Tomasz Bachorski noch „demokratisch“ gestaltet, so zeichnet sich das neue Cockpit durch klare Präferenz für den Fahrer aus. Beschweren können sich die Passagiere jedoch nicht: Das Platzangebot ist nochmals deutlich gewachsen und erreicht jetzt das Niveau des von außen deutlich größeren Passat.

Wir sind den Jetta mit der 147 kW/200 PS starken Spitzenmotorisierung und dem aufpreispflichtigen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe gefahren. In dieser Variante genügen die Fahrleistungen gehobenen Ansprüchen: Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 7,5 Sekunden, die Spitze liegt bei 236 km/h. Die Leistungsentfaltung geht so diskret und kontinuierlich vor sich, dass man die gefahrene Geschwindigkeit leicht unterschätzt.

Sportliche GLI-Variante kommt 2011

Das Getriebe schaltet blitzschnell. Ein Sechsgang-Schaltgetriebe ist weiterhin lieferbar und für sportliche Fahrer vermutlich die bessere Wahl. Diese sollten sich im übrigen gedulden, bis im Laufe des Jahres 2011 die GLI-Variante nachgereicht wird, die analog zum Golf GTI deutlich sportlicher aufgemacht ist und vielleicht auch noch ein paar PS mehr erhält.

Die Fahrwerksabstimmung ist straff, jedoch ausreichend komfortabel. Die Radführung der vom Golf VI übernommenen Vierlenker-Hinterachse genügt sportlichen Ansprüchen, die elektrische Servolenkung ist direkt und keineswegs übertrieben leichtgängig ausgeführt.

Kampfpreis in den USA - bessere Ausstattung in Europa

In den USA tritt der Jetta zum Kampfpreis von 15.995 Dollar an - umgerechnet rund 12.400 Euro (ohne Mehrwertsteuer). In Deutschland dürfte sich der Einstandspreis hingegen bei den rund 20.000 Euro des Vorgängermodells orientieren. Die US-Variante ist allerdings erheblich einfacher ausgeführt.

So gibt es in Nordamerika anstatt der in Europa eingesetzten Turbomotoren betagte Saugmotoren, die Innenausstattung ist deutlich weniger hochwertig gehalten, die aufwendige Vierlenker-Hinterachse weicht einer einfacheren Koppellenker-Achse, und die Kraft wird nicht per Doppelkupplungsgetriebe, sondern per Wandlerautomat auf die Straße übertragen. Es wird, mit anderen Worten, das Niveau etlicher Konkurrenzmodelle geboten. Der für Europa vorgesehene Jetta legt die Latte hingegen etwas höher.

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