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Kältemittel Auf Eis gelegt

| Redakteur: Gerald Scheffels

Die deutschen OEM bleiben mit ihrer Entscheidung pro CO2 als Kältemittel weiterhin isoliert: Auf dem „SAE Alternative Refrigerant Symposium“ in Phoenix (USA) wurde die Entscheidung der anderen Automobilhersteller mal wieder vertagt.

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Fast schien die Debatte ums Kältemittel der Zukunft schon entschieden: Der VDA (Verband der Automobilindustrie) verkündete im September 2007, dass die deutschen Automobilhersteller ab dem Jahr 2011 R 744 (CO2) in ihren Klimaanlagen einsetzen werden. Die „First-tier“ wie Behr, Delphi, Valeo und Visteon haben bereits dreistellige Millionenbeträge in die Entwicklung entsprechender Klimaanlagen investiert.

Angesichts des Zeitrahmes von gut drei Jahren bis zum Stichtag 1.1.2011 schien man also auf dem richtigen Weg zu sein, und der VDA gab mit seiner Festlegung ein klares Signal an die Zulieferer. Das Problem: Andere Autohersteller und Verbände mochten diesem Vorstoß nicht folgen. Faktisch also ein Alleingang der deutschen Automobilhersteller.

Fiat, GM und Ford Co prüften hingegen alternative, fluorhaltige Kältemittel in der Hoffnung, die „Hardware“ der Klimaanlagen nicht verändern zu müssen. Diese Mittel erwiesen sich allerdings als unzulänglich: Behr prüfte allein 2007 drei chemische Alternativen und verwarf sie als ungeeignet. Nun stellten die Chemie-Konzene DuPont und Honeywell, bildlich gesprochen in allerletzter Sekunde, ein neues fluorhaltiges Fluid mit der Bezeichnung R 1234-yf vor – und das Rennen scheint wieder offen.

Einheitliche Lösung scheint in weite Ferne gerückt

Mit Spannung wurde daher die aktuelle SAE-Konferenz im Juni dieses Jahres zum Thema Fahrzeugklimatisierung erwartet, die wie in den Vorjahren in Phoenix (USA) stattfand. Bei diesem internationalen Expertenmeeting gab es allerdings, wie schon beim VDA-Wintermeeting in Saalfelden im Februar 2008, keine klare Festlegung. Allerdings stand R 1234-yf im Zentrum vieler Vorträge. Für General Motors betonte ein Referent, dass man sich zwischen R 744 und R 1234-yf entscheiden werde und auf jeden Fall eine global einheitliche Lösung wünsche. Die aber scheint in die Ferne gerückt, denn auch in Japan und Südkorea mag man sich nicht auf R 744 festlegen und testet ebenfalls R 1234-yf.

Fest steht, dass die neue Substanz vergleichbare Kühlleistungen ermöglicht wie R 134a. Zudem würde auch der GWP-Wert (Global Warming Potential) auf lange Sicht den Umweltvorschriften entsprechen. Aber das Fluid ist brennbar, und Toxizitätstests stehen noch aus. Die „CO2-Fraktion“ wirft zudem in die Wagschale, dass als Abbauprodukt des neuen Fluids Trifluoroacetat-Säure entstehen kann: ein Herbizid, das sich in Oberflächengewässern ansammelt. Auch der Preis wird natürlich eine Rolle spielen: Es kursieren Gerüchte, nach denen R 1234-yf rund zehnmal so teuer sein wird wie R 134a.

Es bleibt also spannend, und die First Tier müssen weiter zweigleisig entwickeln. Wenn es auf R 1234-yf hinausläuft, ist der verbleibende Zeitplan allerdings eng: Das neue Fluid steht erst im November 2010 zur Verfügung – und am 1.1.2011 läuft die Frist für R 134a aus.

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