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ElringKlinger Aufbruch zu neuen Ufern

| Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy/Hartmut Hammer / Bernd Otterbach

Wenn die Redewendung „Gestärkt aus der Krise“ auf einen Zulieferer zutrifft, dann auf Elring Klinger. Mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen will das Unternehmen mit Komponeten für Brennstoffzellen, Lithium-Ionen-Batterien, einer neuen Beschichtung für Diesel-Partikelfilter und einer Expansion in andere Branchen durchstarten.

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Natürlich hat der Motorkomponenten-Spezialist am Fuße der Schwäbischen Alb 2009 auch Umsatzeinbußen (minus zwölf Prozent) erlitten und beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (minus elf Prozent) Federn lassen müssen. Mit einer EBIT-Marge von elf Prozent schnitt man aber wie gewohnt weit besser als die gesamte Automobilbranche ab – nicht zuletzt durch rechtzeitiges Gegensteuern bei den Sach- und Personalkosten sowie krisenbedingt moderaten Materialpreisen. Schon 2012 will man die sonst üblichen 16 bis 18 Prozent EBIT-Marge wieder erreichen.

Investition in neue Werke

Im Zuge der Krise hat es die Vorstandschaft um Stefan Wolf aber auch verstanden, die Eigenkapitalquote von 38 auf 41 Prozent zu erhöhen und kräftig zu investieren. Etwa in ein neues Werk für Kunststoffprodukte in Bietigheim-Bissingen sowie in die mehrheitliche Übernahme des türkischen Automobilzulieferers Ompas. 2010 werden ein neues Logistikzentrum am Stammsitz Dettingen, eine neue Produktionsanlage für Kunststoffkomponenten und zwei Werkserweiterungen in China folgen. Diese Investitionen sollen zum einen die innerbetrieblichen Prozesse verbessern sowie neue Märkte schneller (Türkei) und tief greifender (China) erschließen.

Expansion in andere Branchen

Zum anderen sieht sich Elring Klinger als Konsequenz der Automobilkrise verstärkt nach neuen Geschäftsfeldern um, die mit dem vorhandenen Auto-Know-how erschlossen werden können. Dieses Ziel verfolgt der Geschäftsbereich „Kunststofftechnik“ schon seit geraumer Zeit. Aktuell erwirtschaftet der Bereich noch 40 Prozent des Umsatzes mit der Automobilindustrie, weitere 40 Prozent mit Kunden aus dem Maschinenbau und der Anlagentechnik sowie etwa 20 Prozent mit Produkten für die Medizintechnik. Schon in fünf bis sieben Jahren sollen die Kunden außerhalb der Automobilindustrie etwa 20 bis 25 Prozent zum gesamten Konzernumsatz beitragen.

Komponenten für mobile und stationäre Brenstoffzellen

Neuland betritt Elring Klinger auch mit Komponenten für mobile und stationäre Brenstoffzellen. So entwickelt der Zulieferer federführend zusammen mit Behr und Eberspächer Brennstoffzellen, die Energie zur Standklimatisierung von Lkw erzeugen. Hintergrund ist, dass die US-Regierung verboten hat, Lkw-Motoren in Standzeiten laufen zu lassen, um die Fahrerkabinen und -schlafplätze zu heizen oder zu kühlen. ElringKlinger ist ebenso in die Entwicklung von stationären Kraft-Wärme-Koppelungs-Systemen mit Brennstoffzellen für Ein- und Mehrfamilienhäuser involviert.

Mehr Umsatzpotenzial bei Batterien

Neben weiteren Komponenten für Brennstoffzellen entwickelt das Unternehmen auch Teile für Lithium-Ionen-Batterien. Zum Jahreswechsel 2010/2011 will ElringKlinger mit der Serienlieferung von Zell- und Modulverbindern für Lithium-Ionen-Akkus eines europäischen Automobilherstellers beginnen. Weitere Batteriekomponenten sowie Teile zur Abschirmung und für das Temperaturmanagement sind in der Pipeline. Das aufsummierte Umsatzpotenzial dieser Teile ist mit etwa 100 Euro pro Auto nicht zu unterschätzen. Zum Vergleich: Alle herkömmlichen Komponenten (Dichtungen etc.) für einen Verbrennungsmotor bringen Elring Klinger nur etwa 60 bis 70 Euro Umsatz pro Motor.

Daneben ist Elring Klinger auch entschlossen, sein Projekt mit einer neuartigen katalytischen Beschichtung für Diesel-Partikelfilter bis zur Serienreife zu führen. Mit Filter, Brennstoffzellen- und Batterietechnik will man schon in fünf Jahren etwa 50 bis 100 Millionen Euro Umsatz generieren.

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