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Nissan Micra 1.2 DIG-S Aufgeladen durch die Stadt

| Autor / Redakteur: SP-X / Bernd Otterbach

98 PS bei 4,1 Liter Durchschnittsverbrauch: Der neue Nissan Micra DIG-S weckt allein schon durch seine Daten Interesse. Allerdings ist der in Indien produzierte Japaner auch alles andere als ein Sonderangebot.

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Den Nissan Micra gibt es mit zwei Motoren, der eine gehört in die Kategorie „normal“, ein 1,2-Liter-Dreizylinder mit 59 kW/80 PS. Das andere, jetzt neue Aggregat lässt aufhorchen: Es ist der gleiche Dreizylinder, aber mit Benzindirekteinspritzung und Kompressorunterstützung. Damit leistet er 18 PS mehr als der Basisantrieb. Den daraus resultierenden Fahrspaß und den um knapp einen Liter niedrigeren Normverbrauch lässt sich Nissan mit einem Aufpreis von 2.700 Euro teuer bezahlen. Unter 13.440 Euro ist der Kleinwagen mit dem agilen Motörchen nicht zu haben.

Start-Stopp stottert

Der Verbrauchsvorteil von 0,9 Litern im Vergleich zum Ottomotor ohne Kompressor ist zwar gewaltig, wenn man die Mehrleistung des Motors jedoch in Fahrspaß umsetzt, bleibt davon nicht mehr allzu viel übrig. Die 4,1 Liter Normverbrauch und der daraus resultierende sehr gute CO2-Ausstoß von nur 95 Gramm je Kilometer waren in der Praxis Makulatur. Bei unserer ausgiebigen Testfahrt über Stadt, Land und Autobahn, standen am Ende 6,6 Liter zu Buche. Und dies trotz serienmäßigem Start-Stopp-System, das bei warmen Temperaturen und eingeschalteter Klimaanlage überwiegend auf ein Abschalten des Motors verzichtete. Gut so, denn das System ist relativ langsam und springt zudem ziemlich unharmonisch an.

Allerweltsinterieur

Der Micra wird in Indien produziert und ist ein sogenanntes „Weltauto“. Da erschrickt man schon mal im Voraus, denn das heißt letztlich ja nur, dass man zugunsten vieler Geschmäcker auf eine eindeutige Positionierung verzichtet. Dies genau ist dann auch die Schwäche des Micra. Das Allerweltsinterieur mit teilweise speckigen Materialien fällt hinter dem des Vorgängers zurück. Zwar ist alles am richtigen Platz, die Sitze sind sogar richtig gut, doch Emotionen weckt der kleine Nissan so nicht.

Das soll dagegen der aufgeladene Motor. Aber auch hier hat mal selten das Gefühl, tatsächlich 98 PS unter der Haube zu haben. Wer das Gaspedal beherzt durchtritt, hat zwar beim Ampelstart gute Chancen. Aber schon beim Überholen auf der Landstraße oder auf der Autobahn enttäuscht das Aggregat. Weitere Schwächen des Micra DIG-S (steht für Direct Injection Gasoline – Supercharged) sind die gefühllose Lenkung und die für den durchschnittlichen Europäer zu hohe Sitzposition. Leider fehlt auch ein sechster Gang, mit dessen Hilfe Verbrauch und Geräuschniveau bei schnellerer Fahrt gesenkt werden könnte.

Teuer erkaufte Innovationen

Es sind diese kleinen Schwächen, die den kleinen Micra mit starkem Motor im Wettbewerbsvergleich nicht immer gut aussehen lassen. Wer sparen will, wäre mit einem (nicht angebotenen) Diesel besser bedient, wer die Leistung nicht ständig abruft, kann es auch beim deutlich günstigeren Basis-Ottomotor belassen. Gerade im Segment der Kleinwagen, wo es seit einigen Jahren gute Angebote zuhauf gibt, ist das Konzept eines in Indien gebauten „Weltautos“ problematisch. Im Fall des Micra DIG-S wird das Besondere zudem auch noch (zu) teuer erkauft.

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