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Karmann Auftragssuche bleibt erfolglos

| Redakteur: Bernd Otterbach

Die Suche des Autobauers Karmann nach einem Auftraggeber zur Rettung des angeschlagenen Komplettfahrzeugbaues ist erfolglos verlaufen. Nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen mit Automobilherstellern werde es für Karmann keinen Anschlussauftrag für die im Herbst 2009 auslaufende Produktion des Mercedes CLK geben, teilte die Karmann-Geschäftsführung am Mittwoch in Osnabrück mit.

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Karmann hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres die Streichung von 1.770 Stellen bekanntgeben. Nun sollen erneut Gespräche mit Gewerkschaft und Betriebsrat aufgenommen werden. Sollte der Fahrzeugbau weitgehend geschlossen werden, sind nach Angaben aus dem Arbeitnehmerlager weitere bis zu 1.000 der weltweit 7.000 Stellen in Gefahr.

Fahrzeugbau soll erhalten bleiben

Karmann werde den Fokus jetzt auf andere, besser ausgelastete Unternehmensbereiche lenken, kündigte die Geschäftsführung weiter an. Gleichwohl sei das Unternehmen auch weiter bereit, kurzfristig einen Produktionsauftrag für ein Komplettfahrzeug - allerdings ohne eigene Entwicklung - anzunehmen. Karmann werde nicht nachlassen, für den Erhalt des Fahrzeugbaus, der das Familienunternehmen einst bekanntgemacht hatte, kämpfen, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Harbig, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am Donnerstag. Gewerkschaft und Betriebsrat begrüßten diese Haltung.

Ab Herbst 2009 stehen die Bänder still

Karmann hatte in den 1960er Jahren den legendären „Ghia“ unter eigenem Markennamen gebaut. Später liefen in großen Stückzahlen das VW Käfer Cabriolet und das VW Golf Cabriolet von den Bändern der Werke in Osnabrück und Rheine. Ohne Anschlussauftrag wird diese Tradition im Herbst 2009 auslaufen. 2007 waren nur noch 41.000 Komplettfahrzeuge bei Karmann gebaut worden, 2006 waren es noch 48.000, im Jahr 2004 doppelt so viele.

Ein Karmann-Sprecher hatte zuvor Gespräche mit dem Traktorenhersteller Fendt aus Marktoberdorf im Allgäu bestätigt. Dabei geht es um die Zusammenarbeit in der technischen Entwicklung und Montage gehen. Die Gespräche befänden sich jedoch in einem frühen Stadium und beträfen den krisengeschüttelten Fahrzeugbau nur indirekt, hieß es.

Hoffnung auf Dachsysteme

Karmann will sich nun verstärkt um den Ausbau der florierenden Geschäftsbereiche, beispielsweise die Fertigung von Cabriolet-Dächern kümmern. Bereits 2007 sei mit Dachsystemen ein Umsatz von 300 Millionen Euro erzielt worden. Die Zahl der ausgelieferten Dachsysteme von 175.000 soll in den kommenden fünf Jahren annähernd verdoppelt werden. Der Geschäftsbereiche Technische Entwicklung werde aufgrund bestehender Aufträge in den nächsten Jahren mit einem Umsatzbeitrag von rund 100 Millionen Euro pro Jahr weitgehend stabil bleiben. Insgesamt setzte das Unternehmen 2007 etwa 1,5 Milliarden Euro um.

dpa

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