Abgasregeln Aus für den A1: Audi will keine Kleinwagen mehr bauen

Autor: Christoph Seyerlein

Margenträchtig waren Kleinwagen für OEMs nie. Immer strengere Abgasregeln schmälern die Verdienstmöglichkeiten in jenem Segment weiter. Audi zieht daraus nun Konsequenzen.

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Die zweite Generation wird die letzte des Audi A1 bleiben.
Die zweite Generation wird die letzte des Audi A1 bleiben.
(Bild: Audi)

Vermutet wurde es schon länger, jetzt ist es Gewissheit: Die zweite Generation des Audi A1 wird die letzte bleiben. Audi-CEO Markus Duesmann sagte der Fachzeitschrift „Automotive News Europe“: „Wir werden keinen Nachfolger für den A1 haben.“ In Zukunft werde es aus Kostengründen immer schwieriger, Kleinwagen mit Verbrennungsmotor anzubieten. „Deshalb werden wir das Segment verlassen“, so Duesmann weiter.

Heißt auch: Einen rein elektrischen Nachfolger wird es für das Auto ebenfalls nicht geben. Stattdessen sollen sich im Volkswagen-Konzern andere Marken um elektrische Einstiegsfahrzeuge kümmern. Entsprechende Pläne gibt es beispielsweise bei VW.

Kleine SUVs soll es weiter geben

Audi wiederum kann sich zumindest ein kompaktes E-Auto für die Zukunft vorstellen. Kleine SUVs wie den Q2 soll es auch künftig von den Ingolstädtern geben, kündigte Duesmann an. Vorstellbar ist auch ein rein elektrischer A3-Nachfolger.

Erst vor wenigen Wochen hatte Audi bekannt gegeben, ab 2026 keine neuen Verbrenner mehr entwickeln zu wollen. Komplett aus dem Geschäft mit Verbrennungsmotoren will die Marke dann 2033 aussteigen – mit Ausnahme von China. Dort soll es noch für einige Zeit weiterhin Audi-Benziner geben.

Noch kein Bekenntnis zum VW Polo

Auch bei anderen Marken stehen kleinere Autos auf der Kippe. Beispielsweise vermeidet VW bislang ein Bekenntnis dazu, dass es eine weitere Polo-Generation geben wird. Derartige Fahrzeuge dürften immer mehr den immer strengeren Abgasregeln der Politik zum Opfer fallen. Zum Beispiel werden mit der kommenden EU-Regelung Euro 7 die Kosten für die Abgasreinigung weiter steigen.

Für Kleinwagen dürften die Gesamtkosten in einigen Fällen dann zu teuer werden. Auch der Einsatz von Plug-in-Hybriden ist in dem Segment kostspielig. Schließlich lässt sich mit kleineren Fahrzeugen weniger Geld verdienen als mit größeren. Dort fallen höhere Komponentenkosten nicht ganz so stark ins Gewicht.

Nichtsdestotrotz ist das Kleinwagen-Segment eines der zulassungsstärksten in Deutschland und Europa. Zuletzt war mehr als jeder fünfte Neuwagen hierzulande ein Kleinst- oder Kleinwagen. Aussterben dürften jene Fahrzeugklassen also nicht. Es stellt sich aber die Frage, wer künftig mit welchen Antrieben ausreichend Masse verkauft, damit sich die Produktion lohnt.

A1 lieferte zuletzt keine guten Absatzzahlen

Audi wird es nicht sein. Bis der A1 vom Markt verschwindet, wird aber zumindest noch etwas Zeit vergehen. Die aktuelle Generation gibt es seit 2018. Nach regulärem Produktionszyklus dürften die Ingolstädter ihn noch bis etwa 2025 anbieten.

Betrachtet man nur den deutschen Markt, kann man konstatieren, dass das Modell nicht nur Probleme mit der Abgasreinigung hat. Generation zwei kann bei den Verkaufszahlen hierzulande längst nicht mit denen des ersten A1 mithalten. Kam das Auto in Deutschland 2012 noch auf fast 30.000 Neuzulassungen, waren es zuletzt – auch coronabedingt – nicht einmal mehr 14.000. Nach dem ersten Halbjahr 2021 sieht es nicht danach aus, als könne der A1 den Abwärtstrend stoppen. Auch weltweit hatte das Fahrzeug zuletzt geschwächelt: Nach knapp 81.000 Einheiten 2019 erreichte der A1 vergangenes Jahr nur noch einen Absatz von knapp 63.500 Stück.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility / Entwicklungsredakteur