Suchen

Getrag Aus für Ludwigsburg

| Redakteur: Bernd Otterbach

Getrag schließt das werk in Ludwigsburg bis Ende 2011. Im Rahmen der am Dienstag angekündigtenen Kostensenkungen will der Getriebehersteller bis Ende 2012 700 Stellen in Deutschland streichen. Da sich die europäischen Automärkte langsamer erholten als angenommen, sei das Unternehmen gezwungen, die Kapazitäten zu senken, begründetet Getrag den Schritt.

Mihir Kotecha, Vorsitzender der Geschäftsführung der Getrag Group, erklärte im Rahmen von Mitarbeiterversammlungen am Dienstag: „Die Produktionszahlen sowie die Entwicklungserlöse in Europa werden das Niveau von 2007 auf lange Sicht nicht mehr erreichen. Dadurch bestehen Überkapazitäten in unseren Standorten, die zu enormen Kostenbelastungen führen.“ Kotecha betonte jedoch, dass sich die Auswirkungen des schwachen Marktumfeldes nur auf Europa beziehen: „Unsere Tochter- und Gemeinschaftsunternehmen in Asien und auf dem amerikanischen Kontinent tragen durch hohe Abrufzahlen positiv zum Unternehmensergebnis bei.“

Die geplanten Maßnahmen betreffen vor allem die Standorte in Ludwigsburg, Neuenstein, Untergruppenbach und Bad Windsheim. Das Werk Ludwigsburg könne nach einem Rückgang bei den für 2010 ursprünglich geplanten Abrufzahlen um fast die Hälfte auf Dauer nicht mehr gehalten werden, so Getrag weiter. Die Planung sehe vor, die Produktion in Ludwigsburg mit derzeit 90 Mitarbeitern spätestens zum 31.12.2011 aufzugeben.

Auch Neuenstein betroffen

Auch im Werk Neuenstein will Getrag die Kapazitäten senken. Der Standort soll umstrukturiert und das Produktportfolio umgestaltet werden. Im Zuliefererwerk von Neuenstein, Bad Windsheim, will das Unternehmen deshalb ebenfalls Arbeitsplätze streichen. Am Stammsitz Untergruppenbach bereiten dem Unternehmen die Rückgäng bei den Entwicklungaufträgen Sorgen. Keine Informationen gab es darüber, wie viele Jobs in Untergruppenbach und in Neuenstein und Bad Windsheim wegfallen sollen.

Die Geschäftsführung will in den nächsten Wochen mit dem Betriebsrat und der IG Metall ein Konzept diskutieren. Die etwa 2.700 Beschäftigten im Inland sollen in diesem und im nächsten Jahr auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Die Tariferhöhungen für beide Jahre will Getrag komplett aussetzen. Das Management rechnet mit einer Einigung im April.

Scharfe Kritik der Gewerkschaft

Die IG Metall am Dienstag kritisierte inzwischen die geplanten Stellenstreichungen. „Wir stehen für so einen Kahlschlag nicht zur Verfügung“, betonte Frank Iwer, zuständiger Tarifsekretär der IG-Metall-Bezirksleitung Baden-Württemberg. Er bezeichnete die Pläne der Geschäftsleitung als „eine Zumutung für die Belegschaft“, hinter denen nicht der Hauch eines industriellen Zukunftskonzeptes erkennbar sei. Als „Frechheit“ bezeichnete er es, dass die Belegschaft die geplanten Entlassungen und die Schließung von Ludwigsburg durch den Verzicht auf die Sonderzahlungen auch noch selbst bezahlen solle.

Erst Anfang 2009 hatten sich Gewerkschaft und Geschäftsleitung auf eine Restrukturierung des Unternehmens verständigt. Darin sind der Erhalt der Standorte und eine Beschäftigungssicherung bis 31. Dezember 2011, für Ludwigsburg sogar bis 2012, geregelt. Iwer forderte deshalb das Unternehmen auf, sich auch an geschlossene Verträge zu halten. Die Belegschaften hätten ihren Teil beigetragen, um das Unternehmen zu restrukturieren und wieder nach vorne zu bringen.

(ID:339492)