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Fahrzeugtechnik Auto-Rückrufaktionen steigen: „Das Produkt reift beim Kunden“

| Autor / Redakteur: Mario Hommen/SP-X / Svenja Gelowicz

Der Trend zu größeren Rückrufaktionen der Autoindustrie setzt sich fort. Die Gründe dafür liegen auch bei den Zulieferern. Das zeigt eine Studie des Center of Automotive Management.

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Toyota musste im Mai knapp 500.000 Prius-Modelle zurückrufen wegen Problemen mit dem Gurtschloss.
Toyota musste im Mai knapp 500.000 Prius-Modelle zurückrufen wegen Problemen mit dem Gurtschloss.
(Bild: Toyota)

Die Rückrufquoten der Autohersteller haben 2019 und 2020 erneut ein hohes Niveau erreicht. Das Center of Automotive Management (CAM) hat die USA als Referenzmarkt untersucht: 2019 und im ersten Halbjahr 2020 wurden etwa 55 Millionen Pkw in die Werkstätten beordert. Damit sind die Rückrufquoten – also die Zahl zurückgerufener Fahrzeuge relativ zur Zahl der Neuzulassungen – wieder besonders hoch.

Rückrufquoten (Zahl der Rückrufe/Neuwagenabsatz) im US-Markt von 2005 – 2020 (in Prozent).
Rückrufquoten (Zahl der Rückrufe/Neuwagenabsatz) im US-Markt von 2005 – 2020 (in Prozent).
(Bild: CAM)

Für das Jahr 2019 berechneten die Analysten eine Quote von 219 Prozent. Im Jahr zuvor waren es 159 Prozent. Das erste Halbjahr dieses Jahres lag mit 266 Prozent nochmals deutlich höher. In den Jahren von 2014 und 2019 kam es zu einem Allzeit-Negativrekord von über 250 Millionen zurückgerufenen Fahrzeugen allein in den USA. Das entspricht einer Rückrufquote von 243 Prozent. Damit wurden fast zweieinhalb Mal mehr Fahrzeuge in Werkstätten zurückbeordert als im gleichen Zeitraum verkauft wurden.

Subaru und Volkswagen führen Rückruf-Ranking an

Im vergangenen Jahr wiesen die Hersteller Subaru (473 %), Volkswagen (403 %), Daimler (400 %), Ford (292 %) und BMW (286 %) die höchsten sicherheitstechnischen Rückrufquoten in den USA auf. Im ersten Halbjahr 2020 führen Toyota (555 %), Nissan (488 %) und Honda (467 %) sowie Ford (341 %) und BMW (304 %) mit den höchsten Quoten vorne. Bei der Rückrufmenge belegen die Negativ-Spitzenplätze Ford mit sieben Millionen, GM mit fast sechseinhalb Millionen sowie Fiat-Chrysler mit knapp fünf Millionen zurückgerufenen Pkw. Die Mängel betreffen im Einzelfall sehr unterschiedliche sicherheitsrelevante Bauteile. Hier nennt das CAM unter anderem Automatikgetriebe, Bremslicht oder Airbags.

Als Gründe für die wachsenden Qualitätsprobleme sieht das CAM die steigende technische Komplexität der Fahrzeuge, eine Zunahme des Entwicklungsgeschwindigkeit angesichts steigenden Wettbewerbs und den damit einhergehenden Kostendruck. Außerdem wurden erhebliche Teile der Wertschöpfung Zulieferern übertragen, was nach einem unternehmensübergreifenden sowie internationalen und damit komplexeren Qualitätsmanagement verlange. Schließlich sorge auch die Gleichteilestrategie zu Mengeneffekten, welche bei spät entdeckten Fehlern zu millionenfachen Rückrufen führen.

Rückrufe: Teuer – und schlecht für das Image

Dazu Studienleiter Stefan Bratzel: „Die hohen Rückrufzahlen der letzten Jahre sind auch Kennzeichen des enormen Veränderungsdrucks, der auf der Branche lastet. Und die sicherheitstechnischen Rückrufe stellen dabei nur die Spitze des Eisbergs dar. Nicht selten gleicht die Produktherstellung mancher Automobilunternehmen einer „Bananenentwicklung“ an: Das Produkt reift erst beim Kunden. Das verärgert vielfach die Autokäufer und kann zu Personen- und Sachschäden führen. Außerdem kostet es die Hersteller mittel- und langfristig viel Geld und schadet ihrem Image.“

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