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Wirtschaft Autobranche warnt: Die Realität ist schlechter als die Stimmung

Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

VDA-Präsidentin Hildegard Müller sieht die Autobranche in der Corona-Krise noch längst nicht über dem Berg. Im Gegenteil: Eine neuerliche Verunsicherung der Konsumenten deuteten sich bereits an – und damit wohl auch neue Schwierigkeiten für den Fahrzeugsektor.

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Aktuell gebe es keinen Anlass, die Prognosen hochzusetzen, meint VDA-Präsidentin Hildegard Müller.
Aktuell gebe es keinen Anlass, die Prognosen hochzusetzen, meint VDA-Präsidentin Hildegard Müller.
(Bild: Peter Himsel/VDA)

Die oberste deutsche Autolobbyistin Hildegard Müller hat vor einem vorschnellen Abhaken der Corona-Krise für ihre Branche gewarnt. Angesichts wieder steigender Corona-Fallzahlen gibt es ihrer Ansicht nach auch für die deutsche Autoindustrie weiter keinen Grund zum Feiern.

„Da haben wir leider keinen Anlass, unsere Prognosen hochzusetzen“, sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) am Montagabend (9. November) vor Journalisten in Frankfurt. „Im Gegenteil, wenn die Corona-Entwicklung jetzt so weitergeht, merken wir eher, dass die Menschen doch wieder stark verunsichert sind. Und nicht nur wir merken das im Käuferverhalten, sondern andere Branchen ja auch.“

Derzeit rechnet der VDA für Europa mit einem Rückgang des Automarktes in diesem Jahr von 25 Prozent, in den USA von 18 Prozent und in China von 10 Prozent. Auch die Zulieferer stünden weiter vor Problemen. „Zwei Drittel glauben vor 2022 nicht an eine Erholung“, sagte Müller unter Verweis auf eine Verbandsumfrage. Jeder zehnte Zulieferer gehe sogar davon aus, dass es bis weit ins Jahr 2023 Belastungen geben werde.

Keine zu hohen Erwartungen an Biden

„Ich finde, momentan ist die Stimmung besser als die Lage“, schätzte Müller die wirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik ein. Unter anderem nannte sie steuerliche Rahmenbedingungen und Infrastrukturprobleme als Hemmschuh. „Wir glauben, dass all diese Steuereinnahmen, die all das möglich machen, was wir uns an gesellschaftlicher Transformation, an gesellschaftlichem Zusammenhalt und anderem wünschen, dass die vom Himmel fallen. Aber da steckt Arbeit und Wertschöpfung dahinter, und diese Wertschöpfung muss man auch erhalten können.“

Vom gewählten US-Präsidenten Joe Biden verspricht sich Müller zumindest neue Verhandlungen. „Der VDA setzt darauf, dass die EU-Kommission und der neue US-Präsident schnell Gespräche aufnehmen, um einen gemeinsamen Neustart in der Handelspolitik zu vereinbaren“, sagte sie. Ziel des VDA sei, Zölle auf beiden Seiten vollständig abzubauen. Die Verbandschefin warnte aber vor zu hohen Erwartungen. „Wir sollten uns nichts vormachen, die USA werden ihre Interessen durchsetzen.“

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