Studie

Autokonzerne investieren verstärkt in E-Mobilität

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Nachdem 2016 noch die USA das Top-Investitionsziel waren, schob sich 2017 Deutschland auf den ersten Platz im Investitionsranking.
Nachdem 2016 noch die USA das Top-Investitionsziel waren, schob sich 2017 Deutschland auf den ersten Platz im Investitionsranking. (Bild: Maxim Integrated)

Die führenden Autokonzerne bereiten sich auf den Durchbruch der Elektromobilität vor: Insgesamt haben die 16 größten Autokonzerne der Welt in den vergangenen zwei Jahren 25 Investitionsprojekte angestoßen, wie eine Analyse von Ernst & Young ergab.

Der anstehende Durchbruch der Elektromobilität sorgt für massive Investitionen der Autoindustrie. Insgesamt haben die 16 größten Autokonzerne der Welt in den vergangenen zwei Jahren 25 konkrete – also auf einen bestimmten Standort bezogene – Investitionsprojekte im Zusammenhang mit Elektromobilität im Volumen von insgesamt 5,2 Milliarden Euro angestoßen, davon entfielen 22 Projekte mit einem Wert von 4,2 Milliarden Euro auf das Jahr 2017.

Drei deutsche Autokonzerne erweisen sich dabei als besonders aktive Investoren: 15 derartige Investitionsprojekte im Volumen von insgesamt 4,7 Milliarden Euro wurden seit Anfang 2016 von Volkswagen, BMW und Daimler gestartet. Auf den Standort Deutschland entfielen 3,2 Milliarden Euro. Im Standort-Ranking folgen China (990 Millionen Euro) und die USA (890 Millionen Euro).

Insgesamt – also einschließlich aller sonstigen Investitionen etwa in Werkserweiterungen, neue Lackierereien oder neue Entwicklungszentren – haben die 16 größten Autokonzerne der Welt im vergangenen Jahr Projekte im Wert von 27,4 Milliarden Euro angekündigt, das waren 68 Prozent mehr als im Vorjahr, als das Volumen bei 16,3 Milliarden Euro gelegen hatte. Nachdem im Jahr 2016 noch die USA das Top-Investitionsziel waren, schob sich 2017 Deutschland auf den ersten Platz im Investitionsranking: Projekte im Volumen von insgesamt 12,3 Milliarden Euro wurden in Deutschland angekündigt. Die USA belegen mit 8,3 Milliarden Euro den zweiten Platz im Länderranking, gefolgt von China (2,0 Milliarden Euro) und Spanien (0,8 Milliarden Euro).

Das meiste Geld für neue Fabriken oder Modernisierungsmaßnahmen floss seit 2010 in die USA (38,1 Mrd. Euro), nach Deutschland (35,3 Mrd. Euro) und nach China (27,2 Mrd. Euro).
Das meiste Geld für neue Fabriken oder Modernisierungsmaßnahmen floss seit 2010 in die USA (38,1 Mrd. Euro), nach Deutschland (35,3 Mrd. Euro) und nach China (27,2 Mrd. Euro). (Bild: Ernst & Young)

Finanzielle Herausforderungen durch neue Antriebe

Die aktuelle Neuausrichtung der Branche auf neue Antriebstechnologien stelle die Autokonzerne vor erhebliche finanzielle Herausforderungen, sagt Peter Fuß, Partner bei EY: „Die Entwicklungsabteilungen arbeiten intensiv an neuen Technologien in den Bereichen Elektrifizierung, Vernetzung und autonomes Fahren – und sie betreten dabei vielfach Neuland. Wir erleben daher eine Phase des Übergangs. Das Hauptgeschäft wird weiter mit traditionellen Antriebstechnologien gemacht – gleichzeitig zwingen gesetzliche Vorgaben etwa in Europa und China die Unternehmen, den Absatz von Elektroautos schnellstmöglich massiv zu steigern. Dazu sind erhebliche finanzielle Anstrengungen nötig.“

Elektromobilität: Große Investitionen in Deutschland

„Der Elektroantrieb wird mittelfristig massiv an Bedeutung gewinnen“, betont Fuß. „Ab 2019 gilt in China eine Zehn-Prozent-Quote für Elektroautos. Um auf diesem Markt – dem größten für die deutschen Autokonzerne – weiter eine Rolle spielen zu können, muss das Angebot an Elektroautos erheblich ausgeweitet werden.“ So gut wie alle großen Autokonzerne haben angekündigt, in den kommenden Jahren im großen Stil neue Elektromodelle auf den Markt zu bringen.

Heute würden die Weichen gestellt, welche Standorte zukünftig in den Produktionsnetzwerken für Elektrofahrzeuge eine wichtige Rolle spielen werden – und offenbar setzen zumindest die deutschen Autokonzerne dabei stark auf den Heimatstandort. So hat Volkswagen die Umrüstung des Standorts Zwickau zum reinen E-Mobilitäts-Werk angekündigt und dafür ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro genannt. BMW investiert 200 Millionen Euro in ein Kompetenzzentrum Batteriezelle in München, und Daimler gibt 500 Millionen Euro für die Weiterentwicklung des Hamburger Werks zu einem Standort für Antriebskomponenten der Elektromobilität aus. Weitere 500 Millionen Euro investiert die Daimler-Tochter Accumotive in eine weitere Fabrik für Lithium-Ionen Batterien in Kamenz.

„Die Produktion von Batteriezellen wird nach aktuellem Stand kaum in großem Stil in Deutschland stattfinden, immerhin aber verdichten sich die Zeichen, dass in Deutschland ein nicht unbedeutender Teil der daran anschließenden Fertigungsschritte aufgebaut wird – mit der Folge, dass wichtiges Know-how in Deutschland entsteht und gehalten werden kann,“ betont Fuß. Die steigende Bedeutung der Elektromobilität werde zu massiven Veränderungen der Wertschöpfungskette und bei den Investitionsplanungen führen, so Meyer. „Die Karten werden jetzt neu gemischt. Die aktuelle Elektrooffensive der deutschen Konzerne gibt Anlass zu der Hoffnung, dass Deutschland auch in Zukunft ein großes Stück vom Kuchen der weltweiten Autoproduktion behalten kann.“

Investitionen in Schwellenländern rückläufig

Das meiste Geld für neue Fabriken oder Modernisierungsmaßnahmen floss seit 2010 in die USA (38,1 Milliarden Euro), nach Deutschland (35,3 Milliarden Euro) und nach China (27,2 Milliarden Euro) – wobei im Fall Chinas zu berücksichtigen ist, dass Investitionen chinesischer Autokonzerne nicht Teil der Analyse sind. Bei den neu angestoßenen Projekten in den USA und Deutschland handelt es sich dabei ganz überwiegend um Modernisierungsmaßnahmen zur Erhöhung der Effizienz der zum Teil jahrzehntealten Produktionsanlagen. In Deutschland sind große Neuinvestitionen – wie etwa die von Porsche angekündigte Milliarden-Investition für Entwicklung und Bau des Elektro-Sportwagens Mission E – die Ausnahme.

Nachdem bis 2012 noch erhebliche Investitionen in den Schwellenländern getätigt worden waren, waren in den vergangenen Jahren eher die etablierten Industrieländer im Fokus der Autokonzerne: So entfielen auf die sogenannten BRIC-Länder – Brasilien, Russland, Indien und China – in den Jahren 2010 bis 2012 noch durchschnittlich 42 Prozent des weltweiten Investitionsvolumens, in den Jahren 2014 bis 2017 hingegen nur noch durchschnittlich 19 Prozent, im vergangenen Jahr sogar nur neun Prozent.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Next Mobility erschienen.

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