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Interview Autoneum: Wachstum aus dem Frankenraum

| Autor / Redakteur: Jens Meiners / Thomas Günnel

Der schweizerische Zulieferer Autoneum setzt auf Expansion – und sieht wachsende Nachfrage nach Produkten zur Verbesserung von Akustik und Effizienz.

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Der schweizerische Zulieferer Autoneum setzt auf Expansion. Im Interview erläutert Geschäftsführer Martin Hirzel die Strategie.
Der schweizerische Zulieferer Autoneum setzt auf Expansion. Im Interview erläutert Geschäftsführer Martin Hirzel die Strategie.
(Foto: Autoneum)

Herr Hirzel, wie hat sich Autoneum in den vergangenen Jahren entwickelt?

Wir sind auf automobiles Akustik- und Wärmemanagement spezialisiert: Unsere Produkte schützen vor Lärm und Hitze. Die weltweite Marktführerschaft von Autoneum liegt in innovativen, multifunktionalen Lösungen, bei denen zum Beispiel Motorkapselungen, Teppichsysteme oder Unterbodenschilder Fahrzeuge leiser, leichter, sicherer und komfortabler machen.

Welche Wachstumspläne verfolgen Sie, und planen Sie eine Erweiterung Ihres Portfolios?

Wir wollen strategiekonform weiter profitabel wachsen, in erster Linie organisch, zukünftig aber auch über Zukäufe. Unsere solide finanzielle Basis gibt uns heute die Möglichkeit in Unternehmen, die interessante Technologien oder einen optimierten Kundenzugang bieten, zu investieren.

Welche Rolle spielt die Expansion auf dem nordamerikanischen Markt?

Der Dynamik dieses Marktes entsprechend eine sehr wichtige. Wir sind seit Jahren mit zahlreichen Werken in den USA, Kanada und Mexiko präsent. Vor kurzem haben wir die Produktion an zwei weiteren Standorten – in Jeffersonville, Indiana, und bei einem Werk unserer Tochter UGN in Monroe, Ohio – hochgefahren. In Mexiko werden wir mit weiteren Produktionskapazitäten an diesem Wachstumsmarkt partizipieren.

Leiden Sie unter der Entwicklung des schweizerischen Wechselkurses? Wie gehen Sie vor, um die negativen Effekte zu minimieren?

Der Kurs des Frankens hat nur bedingt Auswirkungen auf unser Geschäft, denn wir sind weltweit an rund 50 Standorten in mehr als 20 Ländern aktiv. Am unserem einzigen Schweizer Produktionsstandort fertigen wir Komponenten und Systeme für Automobilhersteller im Euroraum in Höhe von unter sieben Prozent des Konzernumsatzes. Dort werden wir allerdings Maßnahmen wie eine zeitlich begrenzte Erhöhung der Arbeitszeit umsetzen, um auch aus der Schweiz heraus wettbewerbsfähig produzieren zu können.

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Zur Person Martin Hirzel

Martin Hirzel ist seit April 2011 Geschäftsführer von Autoneum. Er war von 2007 bis 2011 als Leiter der Business Group SAMEA (Südamerika, Mittlerer Osten und Afrika) Geschäftsleitungsmitglied der Division Automotive Systems der Rieter Holding, aus der Autoneum im Jahr 2011 hervorging.

Davor war Hirzel von 2005 bis 2007 Leiter der Geschäftseinheit China bei Rieter Automotive Systems und von 2000 bis 2005 General Manager von Rieter Textile Systems China in Schanghai. Im Jahr 1997 begann er bei Rieter Textile Systems als Chief Controller International; zuvor arbeitete er von 1989 bis 1994 als Controller bei IBM (Schweiz).

Der Diplom-Betriebsökonom studierte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Im jahr 2010 absolvierte er das General Management Program der Harvard Business School.

Welches Potential bieten Ihre Produkte beim Leichtbau?

Leichtbau und smarte Effizienz – also multifunktionale Produkte und Materialien, die in verschiedenen Bereichen Verbesserungen erzielen – bieten ein enormes Potenzial. Gegenüber traditionellen Kunststoffteilen bieten z.B. unsere Motorkapselungen aus Theta-FiberCell neben Hitzeschutz und Lärmreduktion eine Gewichtsersparnis von bis zu 60 Prozent.

Welches Potential bieten Ihre Produkte bei der Effizienzsteigerung – über den Leichtbau hinaus?

Bleiben wir beim Beispiel Theta-FiberCell: Durch die Ummantelung des Motors mit diesem hoch-innovativen Material wird Wärme im Motor gespeichert. Dadurch erreicht der Motor beim nächsten Kaltstart schneller seine Betriebstemperatur, was einen geringeren Treibstoffverbrauch und entsprechend reduzierte Fahrzeugemissionen zur Folge hat. Noch ein Beispiel: Unterbodenschilder aus Ultra-Silent sind nicht nur leichter als herkömmliche Kunststoffschilder, sondern verringern auch den Luftwiderstand und verbessern so die Aerodynamik eines Autos – beides bewirkt außerdem einen geringeren Kraftstoffverbrauch.

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