FU Berlin

Autos mit Gedankenkraft lenken

18.02.2011 | Redakteur: Bernd Otterbach

Informatiker der Freien Universität Berlin koppeln Gehirnströme mit Fahrtechnik um so Autofahrten rein mittels Gedanken zu lenken. Erste Testfahrten zeigen den Stand des Projekts.

Mit den Gedanken abschweifen sollte man nicht, wenn man mit der neuen Technik des Innovationslabors AutoNOMOS der Freien Universität Berlin fährt. Die Informatiker haben ein System entwickelt, das es ermöglicht, kraft eigener Gedanken ein Auto zu lenken. Mit neuen handelsüblichen Sensoren zur Messung von Gehirnströmen - Sensoren für ein sogenanntes Elektroenzephalogramm (EEG) - haben die Wissenschaftler bei einer Testperson gemessen, welche bioelektrischen Wellenmuster für Steuerbefehle wie „links“, „rechts“, „beschleunigen“ oder „bremsen“ unterschieden werden können.

Virtueller Würfel

Den Wissenschaftlern gelang es, eine Schnittstelle zu entwickeln, um die Sensoren an ihr sonst rein computergesteuertes Fahrzeug anzubinden, sodass dieses nun auch per Gedanken „gesteuert“ werden kann. Getestet wurde das Fahren per Gedankensteuerung auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

Die Wissenschaftler der FU haben die Sensoren zur Messung der Gehirnströme zunächst so genutzt, dass ein Mensch mit der Kraft seiner Gedanken einen virtuellen Würfel in verschiedene Richtungen bewegen kann. Die Testperson denkt dabei an vier Situationen, die klar mit einer Fahraktion assoziiert sind, zum Beispiel „nach links fahren“ oder „beschleunigen“. Auf diese Weise trainiert der Mensch den Computer, die von seinem Gehirn ausgesandten bioelektrische Wellenmuster zu interpretieren und mit einem Befehl zu verbinden, mit dem später das Auto gesteuert werden kann.

Das Messgerät haben die Informatiker mit der Lenkung, dem Gaspedal und der Bremse eines computergesteuerten Fahrzeugs gekoppelt. Damit wurde ermöglicht, dass die Testperson die Bewegung des Autos allein durch seine Gedanken beeinflussen kann.

„Gedankenübertragung“ noch mit leichter Verzögerung

„Bei unseren Testfahrten konnte ein mit EEG-Sensoren ausgestatteter Fahrer das Auto problemlos kontrollieren - es gab lediglich eine leichte Verzögerung zwischen den angedachten Befehlen und der Reaktion des Autos“, sagt Prof. Raúl Rojas, der das Autonomos-Projekt leitet. Bei einer zweiten Testvariante fuhr das Auto weitgehend automatisch - der Fahrer konnte jedoch über die EEG-Sensoren an Kreuzungen die gewünschte Abbiege-Richtung vorgeben.

Das Autonomos-Projekt untersucht die Technologie für die autonomen Fahrzeuge der Zukunft. Die EEG-Experimente sollen hybride Steuerungsansätze überprüfen, also solche, bei denen Menschen mit Maschinen zusammenarbeiten.

Ein Film von Testfahrten auf dem ehemaligen Flughafengelände Tempelhof zeigt den aktuellen Stand des Projekts. Der Link ist im Anhang.

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