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BMW M3 Bayerischer Kraftprotz

| Redakteur: Cornelia Truckenbrodt

Mit Doppelkupplungsgetriebe setzt sich der BMW M3 gegen die Konkurrenz von Lexus (IS-F) und Mercedes (C63 AMG) zur Wehr. Fahreindrücke mit dem Coupé.

Schön rot steht er da, mit seiner aufwändig ins Blech gepreßten, erhabenen Hutze (Kostverächter nennen es platt eine „Beule“) auf der Motorhaube - fast ein bisschen halbstark, von der Seite und von hinten wieder sehr filigran, leicht und hübsch.

Kleine, feine Design-Liebhaber-Details wie die vornehme Schwärze des Carbondaches (Serie, sofern kein Schiebedach bestellt wird) wiederholen sich in den beiden Streben der Seitespiegel - sie machen den „match“ komplett. Das Dach mit dem Kohlenstoff leistet aber auch einen technischen Beitrag: Es senkt den Schwerpunkt des Fahrzeuges wie auch das Gewicht herab. Letzteres hat sich allerdings gegenüber dem Vorgänger erhöht - auf stolze 1.655 kg.

Nach dem ersten Blickkontakt: Schlüssel (ohne Bart) in den Zündschacht, Start-Knopf drücken. Antwort: Ein heiser brüllender 8-Zylinder - nicht aufgeladen, aber hochdrehend - mit 420 PS. Los geht’s! Auf regennasser Strasse ist die gesamte Kraft fast nicht auf die Strasse zu bringen – trotz der elektronischen Stabilisierungsprogramme.

Das manuelle Sechsganggetriebe ist so etwas wie die Achillesverse bei der Schaltversion: Es bietet zwar kurze Schaltwege, die aber nicht ohne „Knorpel“ durchziehen lassen. Und die Kupplung kommt außergewöhnlich früh zum Zug.

Im Vergleich dazu bringt das neue BMW Drivelogic Doppelkupplungsgetriebe die Power einfach souveräner auf die Straße. Es schaltet vor allem viel weicher als das automatisierte SMG-Schaltgetriebe des Vorgängermodells. Beim M5 und M6 ist SMG (hier mit sieben Gängen) zwar noch Serie, nach Auslauf dieser Modelle wird es jedoch kein Fahrzeug mit SMG mehr geben.

Rennerprobte Technik

Die Compound-Scheibenbremsen leisten eine exzellente Arbeit – geräusch- und ruckfrei. Auch sonst bedient sich der M3 aus der Werkzeugkiste rennerprobter, feinster BMW-Technik: Mit ABS, DSC (Stabilitätsprogramm), CBC (asymmetrische Bremsdruckregelung bei Kurvenfahrt) und einer variablen M Differentialsperre (für sauberes Driften) ist Freude am Fahren garantiert.

Im Alltag erfreut ein grosszügig bemessenes Kofferraumangebot sowie die gute Rundumsicht. Hier macht sich positiv bemerkbar, daß der M3 auf dem 3er Coupé basiert. Reine Sportwagen wie der Porsche 911, denen der M3 leistungsmäßig ebenbürtig ist, sind deutlich enger geschnitten.

Die vorderen Sitze sind langstreckentauglich - in BMW-typischer Qualität. Ein paar angenehme Details: Der gute alte Gurtbringer (erstmals 1981 im Mercedes SEC gesichtet) leistet auch hier gute Dienste. Die ergonomisch gut angeordneten Türgriffe dienen gleichzeitig als Armablage, sehr entspannend bei längeren Fahrten. Die hinteren Plätze sind eher die „billigen“ – die Sitzbank ist eine feste Schale, die nicht viel Komfort bietet. Für einen Alltags-Sportler allerdings auch nicht das wichtigste Kriterium, dafür bieten sich die Viertürer aus der BMW-Palette an.

Zwar auf den Nürburgring, nicht aber zum Tourenbetrieb passend: In unserem Testfahrzeug gab es keinen Cup- bzw. Flaschenhalter und überhaupt recht wenig Ablagefläche. Am lästigsten aber: Ein mit 63 Litern Fassungsvermögen viel zu klein bemessener Tank. Nach etwa 380 im „zügigen“ Mischbetrieb (Stadt, Landstrasse, Autobahn) gefahrenen Kilometern muss ein „Boxenstopp“ eingelegt werden.

Der Technologieträger M3 ist auch als viertürige Limousine lieferbar. Eine Kombi-Variante gibt es indessen nicht - anders als bei der Stuttgarter Konkurrenz.

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