Suchen

IAA Nutzfahrzeuge 2016

Bernhard: „Wer zu spät kommt, verliert den Markt.“

Seite: 2/2

Herstellerübergreifende Ansätze

Mit Vernetzungslösungen wie Uptime wird Daimler vom Lkw-Hersteller auch zum Mobilitätsdienstleister. Warum ist dieser Wandel notwendig?

Ich glaube, dass wir um den Lkw herum eine ganze Reihe von Dienstleistungen angliedern können, die sich nur mit der IT und mit dem Internet umsetzen lassen. Die werden kritisch und notwendig sein, um den Lkw weiterhin verkaufen zu können.

Inwieweit kann ein solcher Dienst auch herstellerübergreifend kommunizieren?

In Zukunft werden Stand-alone-Lösungen zu Left-alone-Lösungen. Wenn sie heutzutage keine offenen Systeme und Plattformen anbieten, gehören Sie der Vergangenheit an. Wir werden dieses System selbstverständlich auch freigeben für einen Scania oder einen Volvo, weil unsere Kunden nicht nur reinrassige Mercedes-Flotten fahren. Es wird jede Menge Grundanwendungen geben - wo ist der Lkw, wie ist der Ladezustand, Fahrweise - eine ganze Menge Daten, die unabhängig von den Motordaten sind.

Auch das Platooning setzt voraus, dass alle Lkw untereinander kommunizieren können. Wie ist denn da die zeitliche Perspektive?

Platooning wird nur möglich sein, wenn Lkw auf herstellerübergreifende Art und Weise kommunizieren. Die Ingenieure sitzen derzeit zusammen und versuchen einen technischen Standard zu finden, der herstellerübergreifend gleich ist. Ohne eine gemeinsame Sprache geht es nicht.

Auch von gesetzgeberischer Seite muss es neue Regeln geben.

Ich freue mich, dass die Öffentlichkeit und die Politik diese Initiativen nicht wie in der Vergangenheit mit größtem Argwohn und Misstrauen beäugen und neben den Risiken auch die Chancen erkennen. Ich bin an dieser Stelle vorsichtig optimistisch, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen rechtzeitig passieren. Die EU hat da eigentlich ein großes Interesse dran, dass diese Innovationen nicht als erstes in den USA oder in Fernost passieren.

Damit internetbasierte Dienstleistungen funktionieren, ist eine flächendeckende Internetverbindung auf den Autobahnen notwendig – die es heute noch nicht gibt.

Ich habe den Eindruck, dass die Telekommunikations-Unternehmen dieser Welt noch nicht verstanden haben, dass sich auch auf den Autobahnen intelligentes Leben abspielt. Und dass es Menschen und Maschinen gibt, die auch dort dauerhaft mit der Gesamtwelt verbunden sein wollen. Wir brauchen dazu ganz einfach eine stabile 3G-Leitung auf allen Bundesautobahnen. Für mich ist es das Geschäftsmodell, das noch nicht begriffen worden ist.

Der Feldversuch zum Thema Lang-Lkw endet Ende des Jahres. Wie sehen Sie die Aussichten, dass es zu einem dauerhaften Einsatz kommt?

Bisher stehen alle Zeichen dafür, dass alle Befürchtungen, die man hatte, durch den Feldversuch der letzten Jahre ausgeräumt werden konnten. Wir brauchen den Regelbetrieb dringend, um einerseits das Verkehrsaufkommen, andererseits die Klimaziele zu erreichen. Wenn wir an 20 Prozent CO2-Einsparung durch den Lang-Lkw einfach achtlos vorübergehen, kann es uns mit den Klimazielen nicht so ernst sein. Der Verkehrsminister hat deshalb ja auch einen Regelbetrieb in Aussicht gestellt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44281179)