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Instrumente Berührung erwünscht

| Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy/Hartmut Hammer / Bernd Otterbach

Eine Funktion = ein Schalter – diese Gleichung geht bei der Funktionsfülle aktueller Fahrzeuge nicht mehr auf. Frei programmierbare Displays und situationsabhängige Informationssysteme sollen für Durchblick sorgen.

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Anzeige- und Bedienfunktionen müssen getrennt sein! Nach dieser Devise waren bisher die Instrumente konstruiert. Doch sie lässt sich nicht halten. Beispiel VW: Die Wolfsburger statten ihre Modelle sukzessive mit Touchscreen-Multimediageräten aus, die Continental liefert. Mit acht konventionellen Tasten links und rechts des Touchscreens wählt der Fahrer die übergeordneten Menüpunkte aus. Auf dem acht Zoll großen Display kann er untergeordnete Funktionen und Einstellungen per Fingertipp bedienen.

Cursor im Lexus

Eine ganz andere Art der Bedienung ist im Lexus RX 450 h vorgesehen, der seit Anfang Juni in den Verkaufsräumen steht. Mit einer Art Computermaus auf dem Mitteltunnel steuert der Fahrer einen Cursor auf dem zentralen 8-Zoll-Bildschirm. Dort sind Audio-, Navigations-, Klimatisierungs- und Freisprechfunktionen sowie das Fahrzeug-Setup als Icons abgebildet, die ähnlich wie beim PC angeklickt werden können.

Als zusätzliche Anzeigeebene verfügt der Lexus RX 450 h über ein Head-Up-Display, ähnlich wie der 5er und 7er BMW. Während beim 5er noch Siemens VDO die Technik lieferte, ist BMW beim 7er auf ein Head-Up-Display von Nippon Seiki umgestiegen. Inzwischen hat auch Delphi auf dem Genfer Autosalon ein Head-Up-Display präsentiert. Anders als die bisherigen Lösungen mit Spiegeln baut Delphi das Bild auf der Windschutzscheibe mit einem Laser auf. Das bedeutet weniger Platz- und Energiebedarf. In zwei bis drei Jahren rechnet das Unternehmen mit der Serieneinführung.

BMW: Display ergänzt Rundinstrumente

Der neue 7er wartet auch mit einem außergewöhnlichen Cockpitdesign auf: Ein 9,2 Zoll breites, relativ flaches Display ergänzt die klassischen Rundinstrumente. Neu ist auch die Darstellung mittels einer Black-Panel-Oberfläche, sodass der Fahrer das Display nicht als solches wahrnimmt, sondern zusammen mit den Rundinstrumenten als homogene Fläche. Diese Wirkung ruft eine Folie hervor, die etwa drei Viertel des im Cockpit emittierten Lichts absorbiert und so die Unterschiede und Kanten zwischen Rundinstrumenten und Display verschwinden lässt. Ist das Kombiinstrument nicht aktiv, nimmt der Fahrer nur die Dekorringe der Rundinstrumente wahr.

S-Klasse: Unterschiedliche Bilder für Fahrer und Beifahrer

Ab Sommer dieses Jahres will Mercedes die S-Klasse neben dem Cockpit-Vollflächendisplay zusätzlich mit einem zentralen 8-Zoll-Display ausstatten. Das Besondere: Fahrer und Beifahrer können gleichzeitig zwei unterschiedliche Bilder auf der vollen Bildschirmoberfläche sehen. Die von Mercedes-Benz und Bosch gemeinsam entwickelte Technik blendet in nebeneinander liegenden Bildpunkten zeitgleich zwei unterschiedliche Motive ein. Eine vor dem Display angebrachte Maske teilt dieses Mischbild optisch so auf, dass abhängig von der Sitzposition nur die Pixel für das eine oder für das andere Bild erkennbar sind. Ergebnis: Fahrer und Beifahrer sehen auf einem einzigen Bildschirm gleichzeitig unterschiedliche Motive – der Fahrer zum Beispiel Navigationshinweise, der Beifahrer Video-DVDs oder Fernsehsendungen.

Touchscreens gewinnen an Bedeutung

Bei den Bedienelementen sehen Lieferanten wie Marquardt oder Preh den Trend hin zu immer engeren Spaltmaßen, exklusiveren (Hochglanz-)Oberflächen und Farben sowie zur spezifischen Ausleuchtung der Schalter. Außerdem fassen die Designer verstärkt einzelne Bedienelemente zu kompletten Bedienfeldern zusammen. So dürften Touchscreens weiter an Bedeutung gewinnen.

Marquardt erwartet mittelfristig auch kapazitive oder optisch aktivierte Schaltsysteme, die mit geringer oder keiner Berührung funktionieren und als Rückmeldung zum Beispiel ein akustisches Schaltgeräusch übermitteln. Unter der Oberfläche dürften sich Bedienfelder mit LIN- oder CAN-Anschluss durchsetzen. Sie verdrängen einfache Schalter mit Spannungscodierung oder Leistungsschalter, die sich nur noch bei preiswerten Elektronikarchitekturen behaupten dürften.

LIN- oder CAN-Anschluss

Vorteil des LIN- oder CAN-Anschlusses: Würde man jeden Schalter als eigenen Busknoten realisieren, ließe sich eine Bedienfunktion durch einfaches Aufstecken eines Schalters im Armaturenbrett aktivieren. Die Idee stammt von Marquardt und würde sich besonders für Lkw-Fahrer anbieten, um den Arbeitsplatz individuell einzurichten.

Fortschrittliche Elektronik bietet auch ein Konzept von Preh mit frei programmierbaren Tasten. Es kombiniert einfache Schalter mit einer ausgeklügelten Mehrfachbelegung. An beispielsweise sechs Schaltern sind Grundfunktionen wie Telefon, Klima oder ähnliches wählbar. 16 weitere, in einem Feld arrangierte Bedientasten bieten dann – je nach gewählter Grundfunktion – insgesamt 96 Einzelfunktionen.

Dreidimensionale Darstellung

Dass die Welt der Anzeige- und Bediensysteme bunter wird, hat auch die Cebit 2009 gezeigt. Dort präsentierte Continental Multimedia- und Cockpitstudien, die per Sprache, mit Tasten, mit einem multifunktionalen haptischen Drehsteller, einer Touchscreen-Bedienung und einer Handschrifterkennung per Touchpad gesteuert werden. Eine neue Sichtweise vermittelte das Fraunhofer Institut für Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut): Die Wissenschaftler stellten ein Display vor, das Informationen des Kombiinstruments dreidimensional darstellt.

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