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Die Generation 50 plus und das Automobil Best Ager im Blick

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Die silbernen Jahrgänge können bei den Herstellern für goldene Zeiten sorgen.

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Die silbernen Jahrgänge können bei den Herstellern für goldene Zeiten sorgen. Wichtig für den Erfolg bei reiferen Kunden ist ein altersgerechter Innenraum. Mit, vielseitig und flexibel – drei jugendliche Attribute charakterisieren immer häufiger ältere Menschen. Zudem sind Senioren zwischen 55 und 75 Jahren immer seltener von Armut und Krankheit betroffen. Stattdessen genießen sie ihr Leben. Das dazu nötige Geld haben die reiferen Jahrgängen – und geben es auch aus.

Für einen Neuwagen bezahlen ältere Kunden 20000 Euro, durchschnittlich 5000 Euro mehr als Konsumenten unter 60 Jahre. Dies ermittelte das Nürnberger Marktforschungsinstitut Puls im vergangenen Jahr. Angesichts dieser Konsumbereitschaft rücken Senioren immer häufiger in den Fokus der Marketing-Experten. Aber vom "Alten"- oder "Seniorenmobil" will niemand etwas hören. Angesprochen wird die Zielgruppe daher mit anderen Namen: Generation 50 plus, Generation Silber oder Best Ager.

DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hat die Bedeutung des Wandels zur älteren Gesellschaft begriffen und reagiert, indem er die Marke Mercedes-Benz neu positioniert: Komfort und Sicherheit lösen Sportlichkeit und Dynamik ab. Dies zeigt sich bereits an der neuen C-Klasse. "Insgesamt achtet DaimlerChrysler noch zu wenig auf das Thema Best Ager", kritisiert Prof. Stefan Bratzel. "Aber bei der neuen C-Klasse hat es Mercedes ganz gut gelöst."

Bratzel, der das Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach leitet, hat jüngst eine Studie zum Thema "Die Generation 50 plus und das Automobil" veröffentlicht. "Die älteren Käufer schätzen Komfort und Bequemlichkeit", erklärt Bratzel. Zudem seien für den Innenraum Übersichtlichkeit und Funktionalität entscheidende Faktoren. Merkmale wie Komfort und Bequemlichkeit betreffen alle Facetten des Innenraums: sowohl den leichten Ein- und Ausstieg als auch die Sitzsysteme. Dabei spielen Sitzhöhe, Sitzfläche und Sitztiefe eine entscheidende Rolle. Doch von altersgerechten Sitzen zu sprechen erscheint den Herstellern der falsche Weg. Im Marketing dominieren "ergonomische Sitzsysteme". Tatsächlich passt Grammer seine Sitze gemeinsam mit Wissenschaftlern an die Kundenbedürfnisse an.

Bereits seit den sechziger Jahren spielen Gesundheitseigenschaften der Sitzsysteme bei Recaro eine Rolle: seitliche Abstützung des Körpers, Sitzflächenverlängerung und Lordosestütze. "Für zukünftige Sitzkonzepte werden die F&E-Aktivitäten in dieser Hinsicht verstärkt", betont Frank Beermann, Designleiter bei Recaro.

Er ist überzeugt, dass der Stellenwert des Themas Best Ager in Zukunft an Wichtigkeit steigt: "Für unser künftiges Produktportfolio bedeutet dies eine konsequente Weiterentwicklung im Bereich der Ergonomie des Sitzens." Das Wohlbefinden beschränkt sich nicht auf Sitzsysteme. Orientierungshilfen und damit die Lichtverhältnisse im Fahrzeuginnern sind ebenfalls entscheidend. "Es fällt häufig bereits jüngeren Passagieren in einem dunklen Fahrzeug schwer, sich zu orientieren und zum Beispiel den Türgriff zu finden", erläutert Bernhard Kühner, Business Development Manager bei Schreiner Vario Light. Daran könne man ermessen, wie es älteren Menschen ergehe.

Mit seinen EL-Folien will der Hersteller von Elektrolumineszenzsystemen jene Stellen des Innenraums erleuchten, die andere Lichtquellen nicht erreichen. "In gemeinsamen Projekten mit OEM und Tier-1-Lieferanten sind Lösungen für die Best Ager natürlich ein Thema", stellt Kühner klar. Die leichte Bedienbarkeit steht bei zahlreichen Lieferanten im Zentrum ihrer Forschung. So sieht Preh keine Notwendigkeit, auf ältere Käufer besonders einzugehen. Beim bayerischen Hersteller von Bediensystemen hat Einfachheit allgemein oberste Priorität, "sodass ein Unterschied zwischen jungen Menschen und Senioren kaum sinnvoll sein dürfte", betont Preh-Entwicklungsleiter Rocco Mertsching.

Im Fokus der Entwicklung stehen Konzepte, die unerfahrene Nutzer besonders unterstützen und nur solchen Nutzern alle Funktionen anbieten, die mit dem System vertraut sind.