Alternative Kraftstoffe Biogas für Langstreckenbusse

Autor: Thomas Günnel

Biogas emittiert als Kraftstoff deutlich weniger CO2 als Diesel. Flixbus nutzt den Kraftstoff in Europa auf zwei Linien. In Deutschland dagegen fehlen dem Unternehmen sinnvolle Anreize.

Firmen zum Thema

Ein Flixbus beim Tanken von flüssigem Biogas in Skandinavien.
Ein Flixbus beim Tanken von flüssigem Biogas in Skandinavien.
(Bild: Scania)

Flixbus fährt seit Juli auf zwei Strecken mit Biogas: zwischen Amsterdam und Brüssel sowie Stockholm und Oslo. Das Fahrzeug in den Niederlanden und Belgien fährt mit komprimiertem Biogas (compressed natural gas, CNG), auf der skandinavischen Route fährt der Bus mit verflüssigtem Biogas (liquified biogas, LBG).

Kein Biogas-Fernbus in Deutschland

In Deutschland wird der Mobilitätsanbieter vorerst keine Biogas-Busse einsetzen, obwohl es geeignete Strecken gibt: zum Beispiel zwischen Marburg und Düsseldorf. Aber: politische und regulatorische Einschränkungen gegenüber Fernbussen in Deutschland sprachen dagegen. Laut Flixbus gilt für die mit Biogas betriebenen Fernbusse in Deutschland etwa eine höhere Mehrwertsteuer als für andere Verkehrsmittel.

Kein anderes europäisches Land geht diesen Weg.

André Schwämmlein

„Diese Diskriminierung ist nur in Deutschland zu finden, kein anderes europäisches Land geht diesen Weg. Für ökologische Fernbusfahrten gilt der volle Mehrwertsteuersatz, während für Fahrten mit Dieselloks eine geringere Mehrwertsteuer anfällt – und für einen Flug von Berlin nach Prag gar keine. Solche Rahmenbedingungen führen Deutschland in der Umweltdebatte vor“, kommentiert Flixmobility-Chef André Schwämmlein. Die Voraussetzungen in Skandinavien oder den BeNeLux-Ländern erwiesen sich demnach als deutlich moderner und unkomplizierter.

Flixmobility, zu der Flixbus gehört, setzt das Projekt mit der NGO Atmosfair um, damit die Herkunft des Biogases verifiziert ist. Atmosfair hat berechnet, dass die Biogas-Busse auf den Strecken rund 75 Prozent weniger CO2 emittieren, verglichen mit dieselbetriebenen Bussen. Das Gas liefern Orange Gas und Gasum. Die Busse stammen von Iveco und Scania. Die entsprechenden Technologien für CNG- und LBG-Antriebe sind laut Flixbus für den überwiegenden Teil der europäischen Fernbus-Strecken verfügbar. Zudem will die Europäische Union entlang der wichtigsten europäischen Straßennetze Erdgas-Tankstellen bauen.

Weitere alternativ angetriebene Busse unterwegs

Die Biogas-Busse ergänzen die alternativ angetriebene Flotte des Unternehmens: Bereits seit 2018 fahren in Pilotprojekten vollelektrische Fernbusse in Deutschland, Frankreich und den USA. Ende 2019 verkündete der Mobilitätsanbieter, mit Freudenberg zusammenzuarbeiten. Das Ziel: der Bau des ersten Wasserstoff-Fernbusses.

Eine andere Idee: Einen Bus der zwischen London und Dortmund verkehrt hat Flixbus mit Solarpanelen ausgestattet. Sie versorgen USB-Ports, Steckdosen, Klimaanlage, Wi-Fi und das Entertainmentsystem mit Solarenergie. Durchschnittlich 1,7 Liter Diesel pro 100 Kilometern verbraucht der Bus laut Unternehmen so weniger. Bei rund 600 Kilometern am Tag sind das täglich rund zehn Liter.

(ID:47489032)

Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE