Suchen

Elektromobilität Bis die Infrastruktur passt: E-Autos an modularen Stationen laden

| Autor: Thomas Günnel

Absurde Idee oder praktikable Übergangslösung? Ein niedersächsisches Unternehmen will netzunabhängige Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installieren – die ihre Energie teilweise von Verbrennungsmotoren beziehen.

Firmen zum Thema

Modulare Ladestationen für Elektrofahrzeuge sollen die noch bestehenden Versorgungslücken füllen.
Modulare Ladestationen für Elektrofahrzeuge sollen die noch bestehenden Versorgungslücken füllen.
(Bild: Hyb Energy)

Das Netz von Ladestationen für Elektrofahrzeuge wächst, hat aber noch etliche Lücken. Die will das Unternehmen Hyb Energy füllen: mit modularen Ladestationen. Gewöhnungsbedürftig daran: Der Strom den die Stationen an die E-Fahrzeuge weiterreichen stammt teilweise aus Verbrennungsmotoren, die als Generatoren fungieren. Außerdem sollen die Ladepunkte Energie von Solaranlagen oder Windkraftanlagen beziehen können, vorhandene Netzanschlüsse lassen sich zudem nutzen.

Ladestation mit 80 kW Dauerleistung

Die Speicher der Stationen speichern 500 Kilowattstunden, in der einfachsten Ausführung können drei Fahrzeuge mit einer Dauerleistung von 80 Kilowatt laden. Die Energie erzeugen bei Bedarf „zwei 150 Kilovoltampere-Aggregate neuester Abgasnorm und Partikelfilter-Technologie“, Gasmotoren sind ebenfalls möglich – und mit Blick auf die CO2-Emissionen wohl die einzig sinnvolle Variante, wenn es schon ein verbrennungsmotorisch betriebener Generator sein muss. Mögliche Einsatzgebiete der Stationen sieht der Hersteller an Bundesstraßen- und Autobahnparkplätzen, Raststätten, Tankstellen oder im ländlichen Raum. Ladestationen für Nutzfahrzeuge, Busse und Baumaschinen sollen folgen.

Modul als Fundament für Windrad

Die Stationen sind modular aufgebaut. „Durch das Eigengewicht stellen zum Beispiel ein Lade- und ein Batterie-Speicher Modul das Fundament für eine vertikale Windkraftanlage oder in Kombination einen 5G-Funkmast“, sagt der Hersteller. Das soll einen von der Netz-Infrastruktur unabhängigen Betrieb ermöglichen. Die Produktion der Module soll im kommenden Jahr zwischen Aurich und Emden beginnen.

Hyb Energy will mit den Modulen eine Übergangstechnik stellen, bis ein flächendeckendes, belastbares Netz aus Ladestationen vorhanden ist. Und weil das noch dauern kann, wird es die modularen Stationen auch in einer Ausbaustufe als „Lounge Modul“ geben, ähnlich den heutigen Tankstellenshops.

Laut Bundesnetzagentur sind in Deutschland mit Stand 13. November 2019 rund 10.900 Ladesäulen vorhanden. Das Statistikportal Statista listet zu Anfang November rund 17.000 Stationen. Die Differenz resultiert aus der Ladesäulenverordnung, nach der nur die Ladesäulen meldepflichtig sind, die bestimmten technischen Mindestanforderungen entsprechen. Herkömmliche Tankstellen gab es in Deutschland im August 2019 ebenfalls laut Statista rund 14.500 – direkt vergleichbar sind die Werte jedoch nicht, weil an Tankstellen meist mindestens vier Tank-Punkte vorhanden sind und diese nicht von der Netzleistung limitiert werden.

Über Hyb Energy

Das Unternehmen beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit 30 Jahren mit mobiler Energieversorgung, Notstromtechnik, Telemetrie-Antennentechnik, Entwicklung und Konstruktion, unter anderem für die Luft- und Raumfahrt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46271006)

Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE