Neue Modelle BMW 216d Active Tourer: der Maßanzug

Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Jens Scheiner

Als 216d Active Tourer tritt BMW jetzt mit einem Dreizylinder-Diesel an. Neben sportlich kann er auch sparsam. Das belegte das Fahren im „Eco Pro“-Modus. Die City-Testfahrten zeigten, dass die Diesel-Konkurrenz sich anstrengen muss, um diesem Dreizylinder Paroli zu bieten.

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Der BMW 216d acvitve Tourer kommt mit Frontantrieb und in der Basis mit Dreizylinder-Motor.
Der BMW 216d acvitve Tourer kommt mit Frontantrieb und in der Basis mit Dreizylinder-Motor.
(Foto: BMW)

In der Golfklasse steckt so manches Modell, dass der Hersteller ebenso im Van-Segment hätte einordnen können. Doch der im letzten Herbst eingeführte BMW 2er Active Tourer zählt, wie sein stärkster Konkurrent VW Golf Sportsvan, zu den Kompaktwagen. Wettbewerber Ford C-Max, Opel Meriva, Mercedes B-Klasse und Renault Scénic firmieren unter Mini-Vans. Alle bieten dem Kunden das, was er an diesen Autos schätzt: die höhere Sitzposition, ein größeres Innenraumangebot sowie mehr Variabilität. Dass BMW die Erweiterung der Produktpalette durch den Van erst 2014 anschob, hat auch technische Gründe.

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Es geht auch ohne Heckantrieb

Der 2er Active Tourer hat Front- statt Heckantrieb und bricht mit der Tradition der Premiummarke, monieren eingefleischte Anhänger. Dennoch verliert der BMW nichts von seinem Markenkern, wobei das Attribut Active als ein Hinweis auf die Einsatzfähigkeiten des Fahrwerks und die offerierten Leistungen der Motoren zu verstehen ist. So bietet der Münchner Premium-Van Antriebsleistungen von 70 kW/95 PS bis 140 kW/190 PS. Die BMW-DNA steckt ebenso im jetzt zu ordernden Dreizylinder-Diesel des BMW Active Tourer 216d, wie die Testfahrten belegen.

Die Adjektive agil, dynamisch, schnell und komfortabel gehören zu Autos von BMW. Doch wie stets mit sparsam? Das sollte speziell in Testfahrten mit dem BMW Active Tourer 216d ermittelt werden. Der Dreizylinder-Dieselmotor des Van hat 1,5-Liter-Hubraum, leistet 85 kW/116 PS und stemmt das maximale Drehmoment von 270 Newtonmeter bei 1750/min auf die Kurbelwelle. Reicht die Power für den Einsatz als Packesel für Familie, Sport und Spiel? Ist der Dreizylinder spurtfreudig und gibt es genügend Innenraum?

Hochwertiges Interieur

Das Platznehmen im Active Tourer erinnert unwillkürlich an Kleidung. Ist sie zu eng oder zu weit, mindert das die Bewegungsfunktionen respektive schränkt Aktivitäten ein. In dem Sinne ist der Active Tourer für den Autofahrer perfekt: ein Maßanzug. Straff gepolsterte Sitze mit gutem Seitenhalt, die verwendeten Materialien im Innenraum, die ergonomische Bedienung sowie die schicke wie gut ablesbare Instrumentierung geben dem Fahrer sofort die positive Rückmeldung: hochwertig. Der satte Klang der ins Schloss fallenden Wagentür bestätigt dies.

Viel Platz

Der Frontantrieb mit quer liegendem Motor schafft Platz im Innenraum des 4,34 Meter langen Active Tourers. In der ersten Reihe gibt es nur Lob und das zufriedenstellende Raumangebot im Fond lässt selbst Passagiere mit 1,85 Meter Länge nicht meckern. Vier Personen reisen großzügig und verfügen über ein Kofferraumvolumen von 360 Litern bis zur Gepäckraum-Abdeckung und von 515 Litern bis zum Dach (ADAC-Messung).

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Agiles Fahren

Beim Fahren überrascht der Dreizylinder-Diesel mit Benziner-Qualitäten. Er ist sehr leise und sehr vibrationsarm. Die Sechsgang-Handschaltung ist präzise und überaus leichtgängig. Angenehm ist die elektromechanische und geschwindigkeitsabhängige Lenkkraftunterstützung. Mit den üblichen Fahrsicherheitssystemen ist das Hochdachmodell flott zu fahren und nimmt selbst scharfe Kurven sicher trotz des leicht höheren Fahrzeugschwerpunkts. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h schafft der Diesel in weniger als 11 Sekunden und, wenn gewünscht, als Höchstgeschwindigkeit die 195 km/h. Darüber hinaus nimmt die gut abgestimmte Federung Fahrbahnunebenheiten gelassen.

Verschiedene Modi

Der 216d Active Tourer gibt sich „Pro Aktiv“ in der „Sport“-Einstellung des Sechsgang-Schaltgetriebes, welche die Lenkung und die Motorsteuerung für die höhere Agilität des Fahrens anpasst. Doch wie wirkt der „Eco Pro“-Modus im Fahralltag, der neben „Komfort“ zur Wahl steht? Und was schluckt der Dreizylinder-Diesel in dem „Sparbetrieb“? Das Fahren im „Eco Pro“-Modus wird gelassener, speziell, wenn der Tempomat aktiviert ist. Die richtige Gangwahl signalisiert die Schaltpunktanzeige. So arbeitet in den jeweiligen Tempozonen der Stadt der Dreizylinder in niedrigen, verbrauchsarmen Drehzahlbereichen: 1200/min liegen im dritten Gang bei 35 km/h an und im vierten bei 50 km/h. Ab 65 km/h verlangt der Modus den fünften Gang (1400/min), der bis 75 km/h (1550/min) empfohlen wird und den sechsten Gang legt der Fahrer ab 75 km/h (1250/min) ein. Beim Außerortstempo von 100 km/h dreht die Kurbelwelle mit 1750/min und auf der Autobahn bei 130 km/h mit 2300/min. Damit lässt sich der Kraftstoffverbrauch senken, wie auf den Fahrten ermittelt.

Geringer Verbrauch

Im EU-Testzyklus NEFZ „insgesamt“ kommt der 216d Active Tourer auf den Verbrauch von 3,9 l/100 km, entsprechend 104 g/km CO2-Ausstoß. Im Fahrzeugtest überzeugte der Dreizylinder im „Eco Pro“-Modus mit geringem Verbrauch. Sein durchschnittlicher Diesel-Konsum je 100 km lag im Stadtverkehr bei sehr niedrigen 5,4 Litern. Minimal verbrauchte der BMW 5,0 Liter, maximal 5,7 Liter und kam insgesamt auf 5,3 Liter Durchschnittsverbrauch.

Den BMW 216d Active Tourer gibt’s als Basis-Modell für 29.150 Euro. Das Testauto in der Version Advantage zum Preis von 30.500 Euro kostet mit kleinen Sonderausstattungen für 2.250 Euro, etwa mit einfachem Navi, Sonderlackierung, Parkkontrolle vorn/hinten, CD-Laufwerk etc., 32.750 Euro. Mit Assistenzsystemen und Komfortdetails steigen freilich die Kosten des kompakten Vans von BMW kräftig weiter - Premium hat seinen Preis.

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