Elektromobilität BMW elektrisiert die Kompakt- und Mittelklasse

Autor / Redakteur: ampnet / Wolfgang Sievernich

Mit den neuen Volumenmodellen 225xe und 330e will der Automobilhersteller eine Plug-in-Hybrid-Alternative zu den Diesel-Fahrzeugen aufbauen.

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BMW macht das Volumensegment elektrisch: Mit dem 225xe und 330e wollen die Münchener zwei starke und sparsame Plug-in-Hybrid-Alternativen auf den Markt bringen.
BMW macht das Volumensegment elektrisch: Mit dem 225xe und 330e wollen die Münchener zwei starke und sparsame Plug-in-Hybrid-Alternativen auf den Markt bringen.
(Foto: BMW)

BMW lässt seinen Worten auch Taten folgen und elektrifiziert nach den Modellen i3 und i8, 5er-Hybrid-Limousine, 7er und X5 Plug-in nun auch den 2er und 3er. Neue Glanzlichter bilden dazu nun der 330e und der 225xe – mit der Leistung und der Fahrfreude starker Motoren, gleichzeitig aber mit sehr niedrigem Verbrauch und lokal emissionsfreiem Rollen in der Stadt.

Fast 30.000 i-Modelle hat BMW im vergangenen Jahr gebaut. Das sind zwar nur eineinhalb Promille der Gesamtproduktion von fast zwei Millionen Autos, hebt die Münchener aber auf Augenhöhe mit den Großen in der Branche wie Tesla, Renault oder Nissan. In diesem Jahr werden die Verkaufszahlen von elektrifizierten Modellen stark steigen: Mit dem 330e und dem 225xe stellt BMW in beiden Reihen interessante neue Plug-in-Hybride vor – Autos mit Verbrennungs- plus Elektromotor und Batterie. Letztere kann an der Steckdose geladen werden und reicht für einige Dutzend Kilometer. Damit rollen diese Autos in der Stadt leise und emissionsfrei, draußen bieten sie genug Power für Fahrspaß, wie man ihn mit dem Namen BMW verbindet.

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Mehr Drehmoment als im 330i

Der Grundgedanke ist bei beiden derselbe: Ein in der Leistung bürgerlicher Benzinmotor wird durch eine Elektromaschine so verstärkt, dass richtig Power zur Verfügung steht. Der Elektromotor kann den Antrieb auch allein übernehmen. Zuhause in der Garage und möglicherweise auch am Arbeitsplatz aufgeladen, schaffen 330e und 225xe die üblichen täglichen Wege elektrisch. Der Benzinmotor im 330e ist der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo aus dem 320i: 135 kW / 184 PS und 290 Newtonmeter Drehmoment. Die Elektromaschine sitzt anstelle des Drehmomentwandlers im Gehäuse des serienmäßigen automatischen Getriebes. Ihre 65 kW / 88 PS und 250 Newtonmeter ab der Drehzahl null ergeben 185 kW / 252 PS Systemleistung und 420 Newtonmeter – womit der 330e in der Leistung exakt zum stärksten Vierzylinder-Dreier 330i aufschließt und sogar über etwas mehr Drehmoment verfügt.

Beim Gas geben entwickelt der 330e trotz seines höheren Gewichts (1.735 kg) auf den ersten Metern mehr Temperament als der Benzingetriebene 330i. Der Elektromotor unterstützt den Verbrenner beim Gasgeben mit 100, beim Kickdown sogar kurz mit 250 Newtonmetern. Bei höherem Tempo setzt sich dann der leichtere 330i durch, die Werte für die Standard-Beschleunigung bis 100 Stundenkilometern sind fast gleich (6,3 und 5,9 Sekunden). In der Höchstgeschwindigkeit ist der 330e auf 225 statt auf 250 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Bis zu 120 Kilometer pro Stunde elektrisch

Die Lithiumionen-Batterie unter dem Kofferraumboden ermöglicht mit ihrer nutzbaren Kapazität von 5,7 Kilowattstunden bis zu 50 Kilometer elektrische Fahrt. Im Modus Auto eDrive bleibt der Verbrenner (bei sanftem Gasfuß) bis 80 Stundenkilometer ausgeschaltet, im Modus Max lassen sich sogar 120 Kilometer pro Stunde elektrisch erreichen. Sobald der Motor läuft, lädt die Elektromaschine den Akku wieder. Auch beim Gaswegnehmen und beim Bremsen wird rekuperiert, Strom für den Akku erzeugt. Der Modus Save schließlich sorgt für eine mindestens zur Hälfte geladene Batterie – um etwa nach einer Überlandfahrt in der Stadt elektrisch zu rollen. Der ganz entladene Akku lässt sich an der normalen Steckdose in drei Stunden, oder an der BMW Wallbox mit Drehstromanschluss in zwei Stunden wieder aufladen.

Der 225xe wird elektrisch zum Allradler

Im 225xe sitzt die E-Maschine an der Hinterachse – und sorgt damit ohne Kardanwelle für den Allradantrieb. Wie im 330e bringt sie 65 kW / 88 PS, aber mit 165 Newtonmetern ein niedrigeres Drehmoment. Beides addiert sich mit den 100 kW / 136 PS des 1,5- Liter Dreizylinder-Turbos zu 165 kW / 224 PS Systemleistung und zu 385 Newtonmetern – womit der 225xe fast mit dem stärksten Benzin-Modell 225i gleichzieht und wieder über ein höheres Drehmoment schon bei ganz niedriger Drehzahl verfügt.

In der Stadt rollt der 225xe bis zu 40 Kilometer elektrisch – bis zu 125 km/h schnell und mit Hinterradantrieb. Auf der Autobahn erreicht er mit Benzinmotor und Vorderradantrieb bis zu 202 Kilometer pro Stunde. Beim Drauftreten – und bei Bedarf im Gelände – arbeiten Benzin- und Elektromotor zusammen. Dann erreicht der 225xe in 6,7 Sekunden aus dem Stand Tempo 100 – ein Zehntel später als der 225i, auf den ersten Metern aber mit noch mehr Kraft. Fahrmodi und Ladezeiten entsprechen dem 330e.

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Spurtstark und leise

Die Beschleunigungszeiten geben den Charakter von E-Fahrzeugen nur sehr unvollkommen wieder. Die Elektromotoren ziehen aus dem Stand besonders kräftig an, die beiden Neuen können beim Spurt regelrecht begeistern. Und sie bringen auf Landstraße und Autobahn den Fahrspaß, den man an höher motorisierten Modellen schätzt. Oft sieht man nur am Drehzahlmesser, dass der Benzinmotor arbeitet. Beide Modelle sind in der Stadt, aber auch auf Landstraßen besonders leise, auch in den Abrollgeräuschen. Da der Verbrennungsmotor bei Stadtfahrten stillgesetzt wird, verbrauchen beide nur wenig. Die Norm geht mit zwei Litern und weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer allerdings an der Wirklichkeit weit vorbei. Auf Kurzstrecken verbrauchen 330e und 225xe im Elektromodus keinen herkömmlichen Treibstoff, bei Autobahntempo fallen die Unterschiede zu herkömmlichen Modellen moderat auf. Auf der Landstraße kann die Elektrik erheblich sparen.

Preislich auf Benziner-Niveau

Preislich orientiert sich BMW in der Nähe der gleich starken Benziner. Der 330e ist in der preiswerten Avantage-Ausstattung ab 43.500 Euro erhältlich. Er ist damit 3.450 Euro teurer als der gleich starke 330i, besitzt aber serienmäßig Automatik, die beim Benziner wieder 2.350 Euro extra kostet. Der allradgetriebene 225xe Avantage ist mit 38.700 nur 500 Euro teurer als der 225i mit Frontantrieb – und dabei sogar 1.500 Euro preiswerter als der 225i xDrive mit Allradantrieb.

BMW braucht elektrifizierte Modelle, um künftige CO2-Grenzwerte einhalten zu können. Dazu bereiten die Münchener sich – und die Kunden – geschickt auf die Zeiten vor, in denen Steuervorteile, die City-Maut oder befahrbare Busspuren Elektrofahrzeugbesitzer belohnen könnten. Großbritannien, die Niederlande und besonders Norwegen kennen solche Szenarien. Anzunehmen ist dazu, dass Elektroautos weiter rollen dürfen, wenn Städte dereinst zumindest bei Smog- oder Feinstaub-Alarm für normale Autos gesperrt werden.

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