Geschäftszahlen BMW: Große Pläne bei Marge und Antrieben

Autor / Redakteur: dpa / Nick Luhmann

Der Münchner Automobilhersteller geht trotz Corona-Unsicherheiten mit Zuversicht ins Jahr 2021. Mittelfristig zieht das Unternehmen das Tempo in der Elektromobilität an, mindestens jeder zweite Neuwagen soll 2030 elektrisch fahren.

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BMW rechnet wegen des Chipmangels nicht mit allzu großen Problemen.
BMW rechnet wegen des Chipmangels nicht mit allzu großen Problemen.
(Bild: BMW)

BMW-Vorstandschef Oliver Zipse rechnet wieder mit mehr Schwung in den Geschäften, die Gewinne sollen deutlich zulegen. Das hat der Hersteller am Mittwoch (17. März) in München mitgeteilt. In der Autosparte peilt der Autobauer wieder eine Marge wie zuletzt vor der Krise an – gleichzeitig schärft Zipse bei den Zielen für die Elektroantriebe in diesem Jahrzehnt nach.

Zipse will nun stärker ins Rampenlicht rücken, was BMW in Sachen Elektro das laufende Jahrzehnt über vorhat. Investoren honorieren in jüngster Zeit auch wegen des Höhenflugs des US-Elektropioniers Tesla Elektroambitionen von Autokonzernen stärker. In zehn Jahren soll jeder zweite BMW ein reines Elektroauto sein. Ein entsprechender Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ wurde am Dienstag (16. März) in Unternehmenskreisen bestätigt.

2030 mindestens die Hälfte Vollstromer

Dem Bericht zufolge hatte Vorstandschef Oliver Zipse am Montag (15. März) vor BMW-Managern das Ziel ausgegeben, 2030 weltweit mindestens 50 Prozent vollelektrische Fahrzeuge zu verkaufen. Sollte die Nachfrage nach Elektroautos rascher zunehmen, könnten es auch mehr sein. Bisher hatte BMW als Ziel genannt, dass 2023 20 Prozent aller verkauften Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb fahren sollen. Der Konzern will seine neuen Modelle ab 2025 auf einer neuen, vor allem auf den E-Antrieb ausgerichteten Plattform aufbauen.

Zielmarge bei sechs bis acht Prozent

Betriebswirtschaftlich will BMW vor Zinsen und Steuern bei Pkw wieder 6 bis 8 Prozent vom Umsatz als Gewinn behalten. Vergangenes Jahr war die Marge von zuvor schon ungewohnt schwachen 4,9 auf 2,7 Prozent eingebrochen, weil im Frühjahr in Europa wochenlang kaum Autos verkauft werden konnten.

In der zweiten Jahreshälfte hatte sich das Geschäft aber schon wieder deutlich gebessert, vor allem im größten Einzelmarkt China. Analysten hatten mit einer Prognose in dieser Größenordnung gerechnet. Auch Konkurrent Daimler hatte sich für das Pkw- und Van-Geschäft für dieses Jahr wieder spürbar mehr zugetraut.

Corona und Chipmangel

„Wir sind mit hoher Dynamik in das neue Jahr gestartet und wollen schnellstmöglich wieder an das Vorkrisenniveau anknüpfen – und darüber hinausgehen“, sagte Zipse laut der Mitteilung. Eigentlich strebt BMW in der Autosparte eine Marge von 8 bis 10 Prozent an, hatte aber schon vor der Corona-Krise wegen hoher Kosten für neue Modelle und neue Technik etwas weniger veranschlagt. Im Januar und Februar zusammen lag der Absatz weltweit rund ein Viertel über dem Vorjahreswert.

„2021 steht für uns im Zeichen des Wachstums. Gleichzeitig sind wir darauf vorbereitet, flexibel zu reagieren“, sagte Finanzchef Nicolas Peter. Der Manager sah zwar auch einige Wolken am Himmel neben Corona – so zum Beispiel die weitere Entwicklung rund um die Chipknappheit in der Branche. Bisher habe aber deswegen keinen Tag die Produktion gestanden, sagte Peter. Und er rechnet auch weiter damit, dass BMW keine allzu großen Probleme bekommen dürfte.

Mehr sparen, mehr Elektro

Dieses Jahr bringt BMW mehrere reine Batterieautos auf den hiesigen Markt, darunter das erste vollelektrische SUV i-X3 und später auch das noch größere Technologieflaggschiff „i-X“, ebenfalls ein SUV. 2023 will BMW in 90 Prozent seiner heutigen Marktsegmente mit einem vollelektrischen Modell vertreten sein. Ein konkretes Ausstiegsdatum aus dem Geschäft mit Verbrennern scheuen die Münchener aber ebenso wie die Konkurrenz aus Wolfsburg und Stuttgart.

Auch dank nochmal deutlich erhöhter staatlicher Förderung zog die Nachfrage nach den Strom- und Hybridautos schon 2020 spürbar an. Die Autohersteller hatten nicht zuletzt wegen schärferer EU-Abgasvorschriften beim klimaschädlichen Kohlendioxid auch ihr Angebot ausgeweitet.

BMW rechnet dieses Jahr insgesamt mit einem Absatz, der um fünf bis zehn Prozent über dem Vorjahreswert von 2,3 Millionen Fahrzeugen liegt. Das Konzernergebnis vor Steuern soll „deutlich“ zulegen – also um mindestens zehn Prozent. Vergangenes Jahr war es um ein gutes Viertel auf 5,2 Milliarden Euro gesunken.

Dabei will der Autohersteller weiter sparen und bis zu fünf Prozent weniger Mitarbeiter beschäftigen. Dazu setzt das Unternehmen weiter auf die laufenden Programme zur Frühverrentung und besetzt Stellen nicht nach. Bereits 2020 fiel die Mitarbeiterzahl um gut 5.000 auf 120.726. Fünf Prozent weniger würden dieses Jahr einen Entfall von bis zu weiteren 6.000 Stellen bedeuten.

Keine eigenen Batteriefabriken

In die eigene Fertigung von Batteriezellen will BMW im Gegensatz zu Volkswagen nicht einsteigen. Das Batteriezellgeschäft sei im nächsten Jahrzehnt zwar das Geschäft mit dem vermutlich höchsten Potenzial, sagte Entwicklungschef Frank Weber. Zum jetzigen Zeitpunkt halte es BMW aber für eindeutig falsch, sich auf eine bestimmte Batterietechnologie festzulegen. „Unser Ziel ist nicht nur die grünste Zelle zu haben, sondern auch die performanteste Zelle“, sagte Weber. Der Konzern habe entsprechende Batterievolumen in Europa, China und Korea eingekauft und sei für den Zeitraum bis 2030 gut aufgestellt.

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