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Wirtschaft BMW in den roten Zahlen

| Autor / Redakteur: dpa / Thomas Günnel

Der Autohersteller BMW hat sein zweites Quartal mit roten Zahlen abgeschlossen. Mit einer baldigen Erholung rechnet das Unternehmen nicht, ist aber „vorsichtig zuversichtlich“.

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Deutlich weniger verkaufte Fahrzeuge: BMW ist im zweiten Quartal 2020 in die roten Zahlen gerutscht.
Deutlich weniger verkaufte Fahrzeuge: BMW ist im zweiten Quartal 2020 in die roten Zahlen gerutscht.
(Bild: Marcus Buck/BMW)

BMW ist im zweiten Quartal wegen der Coronavirus-Pandemie wie erwartet in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Verlust von 212 Millionen Euro, wie das Dax-Unternehmen am Mittwoch (5. August) in München mitteilte. Vor einem Jahr hatte BMW noch 1,48 Milliarden Euro Gewinn verbucht. Der Automobilhersteller hatte bereits rote Zahlen für das zweite Vierteljahr angekündigt, weil das Quartal in Europa und Amerika am stärksten von Produktions- und Verkaufsstopps infolge der Pandemie betroffen war.

Der Umsatz ging dabei um 22,3 Prozent auf 19,97 Milliarden Euro zurück, weil das Unternehmen deutlich weniger Autos absetzte. Vor Zinsen und Steuern lag der Verlust bei 666 Millionen Euro, was etwas mehr war als von Analysten zuvor geschätzt. Die Autosparte fuhr einen operativen Milliardenverlust ein, der durch Verrechnungen innerhalb des Konzerns gemildert wurde. Die Finanzprognosen für das laufende Jahr bestätigte das Management, Vorstandschef Oliver Zipse sprach von „vorsichtiger Zuversicht“ für das zweite Halbjahr.

BMW: Mehr Absatz in China

Bereits das erste Quartal war schwierig. Die unter dem Corona-Eindruck ohnehin schon vorsichtig gewählte Prognose musste BMW noch einmal kappen. Zwar sahen die Zahlen im direkten Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum noch okay aus – das lag aber an einer 1,4 Milliarden Euro schweren Rückstellung für eine mögliche Kartellstrafe im Vorjahr.

Genau wie Daimler und Volkswagen kündigte auch BMW unter dem Eindruck der Krise einen Verlust für die Monate April bis Juni an. Die Marke BMW verkaufte im zweiten Quartal mit 430.397 Autos 23 Prozent weniger, inklusive der Kleinwagenmarke Mini stand ein Minus von einem Viertel zu Buche. In China allein, dem wichtigsten Einzelmarkt, hat BMW dagegen 17 Prozent mehr Autos verkauft als vor einem Jahr.

Konzernchef Oliver Zipse und Finanzchef Nicolas Peter wollen in diesem Jahr nun kräftig sparen, auch weil sich schon das erste Quartal tief in die finanziellen Reserven fraß. Im Autogeschäft verbrannte BMW in den ersten drei Jahresmonaten 2,2 Milliarden Euro. Rivale Daimler hatte überraschen einen Mittelzufluss vorweisen können.

Projekte verschieben, Stellen abbauen

Bei BMW sollen die Investitionen von 5,7 Milliarden Euro letztes Jahr auf unter vier Milliarden Euro fallen, einige Projekte sollten geprüft und verschoben werden. Es dürfte zudem zu einem bedeutenden Stellenabbau kommen. Interessant wird sein, wie Zipse die Erholungschancen auf den europäischen und amerikanischen Märkten einschätzt. China kann mit einer weitgehenden Normalisierung schon wieder Wachstum vor allem bei Premiummarken vorweisen. Doch das Beispiel China dürfte wohl nur bedingt als Blaupause für den Rest der Welt gelten, hatte Zipse im Mai zu rosige Hoffnungen zu dämpfen versucht.

Mit dem ersten vollelektrischen SUV iX3 präsentierte BMW vor kurzem das Modell, das sie mittelfristig wieder aus dem Sumpf ziehen soll. Die entsprechenden Konkurrenten, der Audi E-Tron und der Mercedes EQC sind bereits etwas länger am Markt.

Derzeit sorgt die ausgeweitete Förderung von Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos für einen Nachfrageboom nach elektrifizierten Antrieben. Problem: Der iX3 wird in China hergestellt und dürfte voraussichtlich erst Anfang kommenden Jahres hierzulande die ersten Kunden erreichen.

BMW: Prognose für das Gesamtjahr

BMW geht derzeit von einem deutlich sinkenden Absatz von Autos aus, 2019 hatte der Hersteller 2,54 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Vor Zinsen und Steuern schätzen die Münchener die Marge im Automobilbau auf 0 bis 3 Prozent Gewinn vom Umsatz; im Vorjahr waren es 4,9 Prozent. Bei den Finanzdienstleistungen rechnet das Unternehmen mit einer moderat sinkenden Eigenkapitalrendite. Das Konzernergebnis vor Steuern dürfte deutlich zurückgehen, das heißt um mehr als zehn Prozent ausgehend vom bereits schwachen Vorjahreswert 7,1 Milliarden Euro.

Nach dem schwachen ersten Jahresviertel ging BMW nicht mehr davon aus, im Gesamtjahr einen Zufluss bei den freien Mitteln aus dem Automobilbau zu erreichen – selbst wenn sich wie angenommen im dritten Quartal die Lage normalisieren sollte.

Blick an die Börse

Die im Dax notierte BMW-Stammaktie hatte zwar den Corona-Crash zwischenzeitlich fast wettgemacht. Das Minus im bisherigen Jahresverlauf liegt jedoch immer noch bei fast einem Viertel. Das ist ähnlich viel wie beim Rivalen Daimler und etwas weniger Minus als bei der Vorzugsaktie von Volkswagen. Auf Sicht von fünf Jahren haben BMW-Aktionäre rund 40 Prozent verloren, Daimler-Anteilseigner gar mehr als die Hälfte. Volkswagen hingegen liegt mit einem Minus von einem Drittel trotz des Dieselskandals noch am besten.

Im Umbruch der Autoindustrie zieht es Anleger mit Zukunftsausrichtung eher zu anderen Werten hinunter anderem zum Börsenstar Tesla. Der US-Elektroautopionier ist mit 276,7 Milliarden US-Dollar (235,4 Mrd Euro) deutlich mehr wert als die drei deutschen Autokonzerne zusammen: Volkswagen (69,1 Mrd Euro), Daimler (42,6 Mrd Euro) und BMW (36,3 Mrd Euro) kommen in Summe nur auf 148 Milliarden Euro.

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