Produktion BMW weiht drittes Werk in China ein

Von Thomas Günnel

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BMW hat sein drittes Produktionswerk in China eingeweiht. Das Werk wurde als erstes des Herstellers vollständig virtuell geplant; seit Mai rollt der BMW i3 vom Band.

BMW hat sein drittes Werk in China eingeweiht. Es ergänzt den Fertigungsverbund in Shenyang.
BMW hat sein drittes Werk in China eingeweiht. Es ergänzt den Fertigungsverbund in Shenyang.
(Bild: BMW )

BMW hat ein neues Werk im chinesischen Shenyang eingeweiht. Gemeinsam mit den benachbarten Werken in Tiexi und Dadong will der Automobilhersteller so mehr elektrifizierte Modelle in dem Land fertigen und auf den Markt bringen. Das Werk „Lydia“ ergänzt den Werkeverbund von BMW Brilliance Automotive und deckt alle Produktionsschritte ab: Presswerk, Karosseriebau, Lack und Montage. Bereits im Mai lief die Fertigung des vollelektrischen i3 an.

Im Werk setzt BMW die „iFactory“ um, eine Strategie, die der Autohersteller Ende April in seinem Stammwerk in München vorgestellt hat. Sie umfasst die Themen Lean. Green. und Digital. Das bedeutet zum Beispiel: Lydia wurde als erstes Werk des Herstellers vollständig in einer virtuellen Umgebung geplant und simuliert. Dabei entwarfen die Planer jedes Detail des gesamten Produktionsprozesses virtuell. Sie nutzten dafür laut BMW die 3D-Plattform Unreal Engine von Epic Games als Backbone.

Die anschließende Integration der virtuellen und der realen Welt verkürzte laut Autohersteller die Planungszeit, Teams konnten überregional und zeitenzonenübergreifend zusammenarbeiten – was vor allem während der Corona-Pandemie vorteilhaft war. Die Bauzeit der Anlage verkürzte sich so laut BMW um sechs Monate.

Eigenes Rechenzentrum für das Werk

Im Werk verbinden Cloud-basierte digitale Plattformen und das industrielle Internet der Dinge Produkte, Prozesse, Produktionsanlage und Menschen. In den Werken in Shenyang setzt der Automobilhersteller rund 100 Anwendungen für künstliche Intelligenz ein; mit hohen Anforderungen an Netzwerke und die Datenverarbeitung. Ein Beispiel: 1.600 Multifunktionskameras im Bereich der Qualitätsabsicherung erzeugen jedes Jahr mehr als zehn Petabyte Daten; also 1.024 Terabyte.

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Die gesamte Anlage verfügt über ein Gigabit-5G-Netzwerk. Es erfüllt die Bandbreitenanforderungen zum Beispiel für Augmented Reality und Echtzeit-Videoübertragung. Um die Datenmengen zu verarbeiten entstand mit dem Werk ein Rechenzentrum, im dem mehr als 1.200 Server arbeiten. BMW produziert damit nach eigenen Angaben effizienter, verbessert die Qualitätskontrolle und nutzt eine vorausschauende Wartung.

Mittels künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und Algorithmen werden die Entscheidungsfindung von „erfahrungsgetrieben“ zu „datengetrieben“ verlagert. Wie viele Beschäftigte konkret in dem Werk arbeiten kommentierte BMW nicht. „Es wurden Beschäftigte aus den beiden anderen Werken in Shenyang am neuen Standort angelernt und sind teilweise im neuen Werk geblieben“, erklärte eine Sprecherin. Insgesamt arbeiten für den Verbund BMW Brilliance Automotive rund 25.000 Menschen.

Smart Factory Day – Event zur digitalisierten Fertigung

Flexibel produzieren, Mitarbeiter motivieren, sinnvoll und zielführend vernetzen, Auslastung und Qualität verbessern, nachhaltig fertigen: Beim »Smart Factory Day« treffen sich Experten aus der Produktion; von Zulieferern, Automobilherstellern, Start-ups und Entwicklungsdienstleistern – und diskutieren praxisnah gemeinsame Ziele.

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BMWs größtes Einzelprojekt in China

Die jährliche Produktionskapazität im Joint Venture BMW Brilliance Automotive steigt mit der Neueröffnung auf 830.000 Einheiten. Im vergangenen Jahr entstanden in Tiexi und Dadong 700.000 Fahrzeuge. Bis zum Jahr 2025 will BMW mehr als ein Viertel seines Absatzes in China mit batterieelektrischen Modellen abdecken. Das Werk Lydia ist auf Elektromobilität ausgerichtet, kann aber auch andere Modelle produzieren. Insgesamt flossen 15 Milliarden RMB in das Werk, rund 2,1 Milliarden Euro. Es ist damit laut BMW das größte Einzelprojekt in der Geschichte der BMW Gruppe in China.

Jochen Goller, Präsident und CEO der BMW Group Region China, erklärte während der Eröffnung: „Die Ausweitung unserer Produktionspräsenz in China zeigt, dass wir uns auf weiteres Wachstum auf dem weltweit größten Elektroautomarkt vorbereiten und von den langfristigen Perspektiven Chinas überzeugt sind.“

Grünstrom, Photovoltaik, künstliche Seen und tausende Bäume

Der gesamte Werkeverbund von BMW Brilliance Automotive in Shenyang nutzt ausschließlich regenerativ erzeugten Strom. Mit über 290.000 Quadratmetern Sonnenkollektoren steht BBA damit an erster Stelle in der Provinz Liaoning. Diese Photovoltaik-Anlagen können jährlich 44.000 Megawattstunden Strom erzeugen; genug für ein Jahr und rund 9.000 Haushalte. Außerdem überwacht und analysiert ein intelligentes Energiemanagementsystem mittels künstlicher Intelligenz den Energie- und Ressourcenverbrauch in Echtzeit. So optimiert der Hersteller nach eigenen Angaben den Energieverbrauch und senkt ihn langfristig.

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Im kommenden Jahr will BMW die Solaranlagen erweitern, 120.000 Quadratmeter befinden sich laut BMW derzeit im Bau. Die Grünflächen am neuen Werk bestehen aus Gärten, künstlichen Seen, Pflanzen und 11.000 Bäumen, einer nachhaltigen Landschaftsgestaltung und einem Schwammsystem. Das sammelt Regenwasser, versorgt damit die Pflanzen und füllt das Grundwasser auf. Der Name des Werkes, Lydia, bezieht sich auf den Stadtteil von Shenyang, in dem das Werk steht, genau wie „Tiexi“ und „Dadong“.

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