Suchen

Produktion BMW-Werk München: E-Fahrzeuge statt Verbrennungsmotoren

Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Thomas Günnel

Die Ära des Motorenbaus im BMW-Werk München geht zu Ende. Dafür stärkt der Autokonzern sein Stammwerk mit einer neuen Montage für Elektroautos. Die Motorenproduktion konzentriert der Hersteller künftig außerhalb von Deutschland.

Firmen zum Thema

BMW verlagert den Motorenbau aus seinem Münchner Stammwerk. Stattdessen entstehen hier künftig Elektroautos.
BMW verlagert den Motorenbau aus seinem Münchner Stammwerk. Stattdessen entstehen hier künftig Elektroautos.
(Bild: BMW)

BMW baut weiter für die Elektromobilität um: „Bis Ende 2022 wird jedes unserer deutschen Werke mindestens ein vollelektrisches Fahrzeug produzieren“, sagte Produktionsvorstand Dr. Milan Nedeljković in einem Round-Table-Gespräch am Mittwoch (18. November). Langfristig soll jedes BMW-Werk bis zu 100 Prozent Elektroautos fertigen können.

Motorenproduktion verlässt München

Im Stammwerk München entsteht im Zuge der Transformation bis 2026 eine neue Fahrzeugmontage. Dafür wird die bestehende Motorenproduktion in München aufgelöst. BMW fertigt in Europa künftig Motoren nur noch im österreichischen Steyr und in Hams Hall in England. Laut Nedeljiković sei dies ohne aufwendigen Neubauten oder Erweiterungen realisierbar. So werde beispielsweise für die R6/V8-Produktion in Hams Hall eine bestehende Montagelinie „nicht ausgebaut, sondern nur umgebaut“.

Milan Nedeljković ist Produktionsvorstand bei BMW.
Milan Nedeljković ist Produktionsvorstand bei BMW.
(Bild: BMW)

Von der Verkleinerung des Motorenbau-Netzwerkes erhofft sich der Produktionschef höhere Effizienz und eine optimale Auslastung der Kapazitäten. Nedeljković bestätigte, dass Hams Hall wie auch Steyr derzeit „am Limit“ führen. Doch es ist absehbar: Je mehr reine Elektroautos von den Bändern rollen, desto weniger Verbrenner werden gebraucht.

Die Verlagerung des Münchner Motorenbaus erfolgt schrittweise bis spätestens 2024. Die Mitarbeiter werden künftig in anderen Planungs- und Fertigungsbereichen am Standort München oder an weiteren bayerischen Standorten tätig sein, unter anderem in Dingolfing. Dort baut BMW sein Kompetenzzentrum E-Antriebsproduktion von derzeit 1.000 auf bis zu 2.000 Mitarbeiter aus.

Ab 2026: Neue Fahrzeugmontage für Elektroautos

Für die neue Fahrzeugmontage im Werk München investiert BMW in den nächsten fünf Jahren rund 400 Millionen Euro. „Wir entwickeln das Werk kontinuierlich weiter in Richtung Elektromobilität und schaffen dafür effiziente und wettbewerbsfähige Produktionsstrukturen“, erläuterte Nedeljiković. Er setzt auf weitere Digitalisierung, vor allem bei der Logistik und in der Qualitätssicherung. Auch Mensch-Maschinen-Kooperationen werden zunehmen.

Die neue Montage und ihre Fertigungsprozesse werden für eine neue Cluster-Architektur ausgelegt, die auf elektrische Antriebe ausgerichtet ist. Diese hatte BMW-Chef Oliver Zipse bereits Anfang November angekündigt. Im künftigen BMW-Werk in Ungarn, das gerade gebaut wird, soll bereits 2025 die Produktion von Fahrzeuge auf der neuen Plattform anlaufen. Anschließend werde, so der Produktionschef, die neue Fahrzeugarchitektur „Schritt für Schritt im weltweiten Produktionsnetzwerk ausgerollt“.

Welche Modelle künftig in Debrecen produziert werden, dazu sagt Nedeljiković noch nichts, seine Erwartungen an das neue Green-Field-Werk sind jedoch mit Blick auf die „Potenziale bei innovativen Prozessstrukturen und den Investitionskosten“ hoch.

Mexiko unterstützt München bei der 3er-Fertigung

Wie Nedeljiković weiter ausführte, werde die bestehende Montage in München der Modelle der 3er- und der neuen 4er-Reihe sowie ab 2021 des reinen Stromers i4 voraussichtlich noch bis 2028 weiterlaufen. Da das Brown-Field-Werk München notorisch unter Platznot leidet, sind frei werdende Flächen dort immer willkommen. BMW will die heutigen Montageflächen dann zum Beispiel für Logistik und produktionsnahe Fertigungen nutzen.

Smart Factory Day

Der Smart Factory Day bringt die Produktionsexperten zusammen – dieses Jahr rein virtuell. Im Mittelpunkt stehen Themen, die die Digitalisierung und Effizienzsteigerung in der Automobilindustrie antreiben: das Senken der Herstell- und Anlaufkosten, eine höhere Flexibilität, Auslastung und Qualität.
Mitdiskutieren: In zwei Paneldiskussionen zu den Herausforderungen smarter Fabriken und den notwendigen Plattformen und Technologien.

Alle Informationen

Die 3er-Stückzahlen in München werden mit den Hochläufen der 4er-Modelle und des i4 indes schwinden. Das neue Werk in Mexiko soll sukzessive immer größere Anteile an dem 3er-Volumen übernehmen. Sondermodelle à la M3 blieben jedoch in München, sagte der Produktionsvorstand.

500 Millionen Euro weniger Fixkosten in 2021

„In der Covid-19-Krise haben wir bewiesen, dass wir selbst auf hochvolatile Marktentwicklungen schnell und effektiv reagieren und gleichzeitig unsere Kostenstruktur nachhaltig verbessern können“, betonte der Produktionsvorstand. Und so soll es auch weitergehen: Nedeljiković strebt in seinem Ressort 2021 um 500 Millionen Euro geringere Fixkosten an. Zugleich soll mit der Vermarktung der von BMW entwickelten, autonomen „Smart Transport Robots“ ein bisschen dazuverdient werden. BMW gründete dafür nun ein eigenes Unternehmen.

BMWs Elektro-Fahrplan

Seit diesem Jahr fertigt das chinesische Werk in Dadong den BMW iX3. Ab 2021 laufen der i4 in München und der iX in Dingolfing von den Bändern. Zudem stehen die vollelektrischen Varianten des neuen 7er und des künftigen 5er in Dingolfing in den Startlöchern.

Im Jahr 2022 startet im Werk Regensburg die Produktion des neuen X1, der sowohl als Verbrenner als auch mit E-Antrieb angeboten wird. Ab 2023 produziert das Werk Leipzig, in dem bereits seit 2013 der i3 gefertigt wird, den Nachfolger des Mini Countryman als Verbrenner und vollelektrische Variante.

Gleichzeitig baut die BMW Group ihre Kapazitäten für die Produktion elektrischer Antriebe aus. So investiert das Unternehmen in Dingolfing in Produktionsanlagen für den hochintegrierten E-Antriebe und Hochvoltbatterien der fünften Generation. Auch an den Standorten Leipzig und Regensburg werden derzeit Produktionsanlagen für Batteriemodule und Hochvoltbatterien zur Produktion ab 2021 aufgebaut. Parallel dazu erhöht das Unternehmen im Werk Steyr die Produktionskapazität für E-Antriebsgehäuse.

(ID:47000793)