Fahrbericht BMW X4 20d: Noch ohne Konkurrenz

Autor: Jens Scheiner

Als BMW den X6 vorstellte, haben ihm viele eine düstere Zukunft prophezeit und wurden eines Besseren belehrt. Mit dem X4 bieten die Bayern erneut ein X-Modell mit Coupé-Formen an. Wir durften den BMW X4 20d auf Herz und Nieren testen.

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Mit dem X4 bieten die Bayern erneut ein X-Modell mit Coupé-Formen an. Wir durften den BMW X4 20d auf Herz und Nieren testen.
Mit dem X4 bieten die Bayern erneut ein X-Modell mit Coupé-Formen an. Wir durften den BMW X4 20d auf Herz und Nieren testen.
(Foto: BMW)

Nach X1, X3, X5 und X6 schließt BMW mit dem X4 nicht nur eine Lücke in der Nomenklatur, sondern geht den Mitbewerbern wieder voran. Denn wie schon beim X6 war BMW in der Nische der „Sports Activity Coupés“ anfangs konkurrenzlos. Bei guten Verkaufszahlen von mehr als 300.000 Einheiten, war es letztendlich nur eine Frage der Zeit, wann die anderen Premiumhersteller nachziehen. Einer der ersten Verfolger des X6 ist Mercedes mit dem GLE Coupé. Stellt sich die Frage ob BMW eine ähnlich gute Performance mit dem X4 abliefert.

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Eine Mischung aus zwei Modellen

Rein optisch betrachtet ist der von uns getestete BMW X4 20d nicht ganz so voluminös wie der große Bruder. Das liegt wohl auch zum Teil daran, dass sich der X4 am X3 orientiert. Mit 4,67 Meter ist er nur unwesentlich länger (17 Millimeter) und nur vier Zentimeter niedriger als der kleine Bruder. Den gesamten Vorderbau bis zur B-Säule übernahmen die Designer ebenfalls vom Facegelifteten X3. Beim Heck hingegen lassen sich die X6-Gene erahnen – allerdings auch hier dezenter. Die Abrisskante ist provokant geformt. Die zwei Sicken in der Flanke betonen die Keilform. Und die schwungvolle Dachlinie fällt flach und elegant ab. Das Platzangebot im Fond ist für einen Coupé dennoch in Ordnung. Die Rücksitzbank wurde um drei Zentimeter abgesenkt, somit haben drei Fahrgäste genug Kopf- und Beinfreiheit. Diese sollten allerdings nicht größer als 1,80 Meter und auch etwas schlanker sein, sonst wird es hinten ziemlich eng. Der Einstieg auf die Rücksitze ist etwas unbequemer und man sollte bei entsprechender Körpergröße auf seinen Kopf aufpassen. Obwohl das Heck schräg abfällt, geht im Vergleich zum X3 relativ wenig Stauraum verloren. Das Ladevolumen beträgt 500 beziehungsweise 1.400 Liter bei komplett umgeklappter Rückbank (X3: 550/1.660 Liter). Die riesige Heckklappe lässt sich per Knopfdruck, oder mit einem angedeutetem Fußtritt (gegen Aufpreis) elektrisch (serienmäßig) öffnen.

Auch vorne hat BMW die Sitze abgesenkt, allerdings nur um zwei Zentimeter verglichen mit dem X3. Die Sicht nach vorne schränkt dies nicht ein. Nach wie vor thront der Fahrer SUV-typisch erhaben über der Straße. Coupé-typisch schlecht ist die Sicht nach hinten. Abhilfe schafft das Surround-View-System, mit Kameras in den Außenspiegeln, einer Weitwinkel-Frontkamera sowie einer Rückfahrkamera. Damit sollte das Einparken ohne weitere Zwischenfälle funktionieren. Sollte das Kamerasystem einmal ausfallen, stehen immer noch die serienmäßigen Parksensoren zur Verfügung. Assistenzsysteme gibt es im X4 ausreichend: Unter anderem eine Personen- und Auffahrwarnung, ein Spurverlassenswarner und eine aktive Geschwindigkeitsregelung.

Innenraum mit kleinen Mängeln

Die Qualität im Innenraum des X4 ist BMW-typisch gut. Die Sitze sind bequem und geben einen stabilen Seitenhalt. Das Lenkrad liegt gut in der Hand und hat die bekannten Funktionen inne. Insgesamt ist alles gut verarbeitet und wirkt harmonisch. Einzig die kratzanfällige Mittelkonsole trügt den Eindruck. In der Mittelkonsole befindet sich, wie auch bei anderen BMW-Modellen, der iDrive-Controller mit dem sich im Prinzip alle Funktionen steuern lassen. Links davon sind die „Fahrerlebnisschalter“ mit den verschiedenen Fahr-Modi: Comfort, Sport, Sport+ und Eco Pro. Die halten auch was sie versprechen. In Eco Pro ist das Fahrwerk weicher, das Getriebe schaltet schneller und Benzin wird gespart. In Sport+ wird der gesparte Kraftstoff direkt wieder verbraucht. Das Fahrwerk ist härter und die Gänge werden höher ausgedreht. Comfort ist in etwa eine Mischung aus den beiden Modi. Der Normverbrauch liegt nach BMW-Angaben zwischen 5,1 und 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Bei unseren Testfahrten haben wir durchschnittlich zwischen acht und neun Liter verbraucht.

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Obwohl wir ein fast zwei Tonnen schweres SUV fuhren, hat uns der X4 mit seiner direkten Lenkung überrascht. Bei schnellen Kurven oder abrupten Richtungswechseln war die Rückmeldung beinahe die eines Sportwagens. Die Münchner bieten ihr Nischenprodukt mit sechs verschiedenen Motorisierungen an: drei Diesel und drei Benziner. Die Leistung reicht von 135 kW (184 PS) bis 230 kW (313 PS). Mehr Power hat nur der M40i mit 240 kW (360 PS). Der von uns getestete BMW X4 20d leistet 140 kW (190 PS) mit einem Drehmoment von 400 Nm. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 212 km/h und der Sprint auf 100 km/h dauert nur acht Sekunden. Das „Sports Activity Coupé“ kostet in der Ausstattung „Advantage“ stolze 48.200 Euro, das sind 3.800 Euro mehr als der vergleichbare BMW X3. Mit zusätzlichen Extras ist man schnell über 50.000 Euro, was bei unserem Testfahrzeug der Fall war.

Mit dem BMW X4 wollen die Münchner eine ähnlich erfolgreiche Geschichte wie mit dem X6 schreiben. Die Zeichen stehen gut, denn bislang gibt es noch keine direkte Konkurrenz für dieses Segment. Diese wird bei guter Resonanz aber nicht lange auf sich warten lassen – denn Mercedes dürfte im Hebst 2016 sein GLC Coupé präsentieren.

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Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE