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Wirtschaft Borgward: Comeback vor unsicherer Zukunft

| Autor / Redakteur: ampnet/ww / Lena Bromberger

Eigentlich hatte Borgward große Pläne, doch seit zwei Jahren ist nichts mehr davon zu sehen. Die Option auf das Bremer Fabrikgelände ist verfallen und die Zentrale in Stuttgart ist nicht mehr erreichbar.

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Im Jahr 2017 hatte Borgward auf der IAA noch eine Coupé-Studie mit den Linien der legendären Isabella präsentiert.
Im Jahr 2017 hatte Borgward auf der IAA noch eine Coupé-Studie mit den Linien der legendären Isabella präsentiert.
(Bild: Auto-Medienportal.Net/Borgard)

Der Auftakt war noch vielversprechend. „Borgward“, so meldete das Unternehmen im Sommer vor zwei Jahren, „hat einen erfolgreichen Marktstart in Deutschland hingelegt“. Mehr als 500 Neugierige wollten damals in Stuttgart das Comeback der Anfang der 1960er Jahre von ihrem Gründer Carl F. W. Borgward in die Pleite gesteuerten Marke miterleben. Mit chinesischer Unterstützung plante damals der Enkel des Pleite-Unternehmers die Wiederauferstehung der Marke in Deutschland. Mit der Hansestadt Bremen, dem einstigen Standorts des Unternehmens, wurde sogar über den Bau einer Fabrik verhandelt.

Endlosschleife statt Hauptquartier

Zwei Jahre danach ist von den hochfliegenden Plänen nichts mehr vorhanden. Die Zentrale in Stuttgart ist nicht mehr erreichbar, am Telefon läuft eine Bandansage in Endlosschleife, und die letzte „aktuelle“ Meldung auf der Internetseite stammt aus dem Jahr 2018. Der Newsletter hat auch nichts Neues mehr zu vermelden. Schon vor zwei Jahren war bei einigen Beobachtern Skepsis aufgekommen. Das so genannte Brand Center in der Stuttgarter Innenstadt in Nachbarschaft des Tesla-Showrooms ähnelte mehr einer Baustelle, und statt der versprochenen Elektro-Fahrzeuge rollte mit dem BX7 TS ein konventionelles SUV auf den Markt. Ein Jahr zuvor hatte Borgward auf der IAA noch eine Coupé-Studie mit den Linien der legendären Isabella präsentiert. Zwei Jahre später verzichtete Borgward auf einen Auftritt in Frankfurt.

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Borgward: Werkstattkette zerrissen

Für den Vertrieb hatten die Verantwortlichen um den Aufsichtsrat-Chef Christian Borgward eine Online-Lösung geplant, die von mehreren Probefahrtzentren unterstützt werden sollte. Den Service übernahm, so die Pläne, die Werkstattkette ATU. Die Kette beendete allerdings inzwischen ihre Verbindung. Nachdem „die angekündigten Absatzzahlen nicht erreicht wurden, konnte die Kooperation nicht im geplanten Umfang realisiert werden“, teilte ATU Anfang des Jahres mit.

Wie viele Modelle der Marke tatsächlich in Deutschland abgesetzt wurden, ist nicht bekannt. Viele können es nicht sein. Der Bremer „Weserkurier“ berichtete bereits im vergangenen Herbst, dass viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben. Offensichtlich hatte sich das Arbeitsklima in Stuttgart nach der Euphorie der ersten Monate deutlich verschlechtert. Das lassen jedenfalls die Beurteilungen von Mitarbeitern im Netz vermuten: „Anfangs wurde noch im Team gearbeitet, zum Ende von Borgward war es eine reine Ellenbogenmentalität. Keine Kommunikation auf operativer Ebene. Der Geschäftsleitung wurde aus China diktiert, was sie zu machen hat.“

Option auf Bremer Fabrikgelände verfallen

Im Januar schließlich zogen die Verantwortlichen die Konsequenzen. Laut Stuttgarter Unternehmensregister verringerte die Borgward Group GmbH ihr Stammkapital von fünf Millionen Euro auf eine Million Euro. Auch die Borgward Trademark Holdings GmbH verringerte im Februar ihr Stammkapital: von 1,2 Millionen auf 240.000 Euro. In beiden Fällen wurden „die Gläubiger der Gesellschaft aufgefordert, sich bei der Gesellschaft zu melden.“ Auch die Option auf das Fabrikgelände in Bremen ließ das Unternehmen verfallen. In Stuttgart weist nur noch ein Klingelschild auf die Existenz des Unternehmens hin. Angeblich sollen in der Zentrale noch die Abteilungen Entwicklung und Design arbeiten.

Am Anfang stand noch die chinesische Nutzfahrzeugmarke Foton hinter den Aktivitäten. In China entstand eine Fabrik mit einer Kapazität von 350.000 Fahrzeugen. Doch bald verlor Foton die Lust am Borgward-Abenteuer. Das mag auch an den in China überschaubaren Zulassungszahlen gelegen haben. Im vergangenen Jahr, da gehörte Borgward schon zum chinesischen Fahrdienstunternehmen Ucar, kamen 54.500 neue Modelle auf die Straße. Ucar wiederum gehört zur Holding Luckin, die inzwischen in einen Finanzskandal verwickelt ist, der die Zukunft von Borgward gefährden kann. Luckin-Chef Lu Zhengyao plante ein landesweites Netz von Händlerbetrieben für Borgward.

Zahlungsschwierigkeiten der Mutter

Ucar hatte die Marke für umgerechnet 566 Millionen Dollar von Foton übernommen. Zusätzlich übernahm der Fahrdienstleister auch die Schulden des Unternehmens. Foton teilte jetzt nach einem Bericht der chinesischen Wirtschaftsnachrichtenagentur Caixin der chinesischen Börsenaufsicht mit, dass Ucar offensichtlich Probleme hat, die vereinbarten Summen zu zahlen.

Luxemburg ist Borgward-Land

Von allen Problemen unbeeindruckt, vertreibt unterdessen das Luxemburger Unternehmen Autodis in Esch sur Alzette Borgward-Modelle. „Wir verkaufen jeden Tag drei bis vier Autos. Seit 2018 haben wir insgesamt rund 100 Borgward verkauft“, erklärt Marco Graas. Nach dem Ausscheiden von ATU haben die Luxemburger den Vertrieb für Europa und die Ersatzteilversorgung übernommen und ihr Stammkapital entsprechend erhöht. „Wir haben eine Million Ersatzteile auf Lager. Wir kümmern uns auch um den Service und haben überall unsere Partner.“ Neben dem BX 7 sollen, erklärt Graas, demnächst noch ein kompakter SUV und der elektrisch angetriebene BX 7 mit einer Reichweite von 700 bis 800 Kilometern auf den Markt kommen.

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