Connectivity

Bosch-Bündnis will IoT sicherer machen

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner: „Die Blockchain und verwandte Technologien sind für uns von hoher strategischer Bedeutung.“
Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner: „Die Blockchain und verwandte Technologien sind für uns von hoher strategischer Bedeutung.“ (Bild: Bosch)

Bosch schmiedet mit rund 20 Unternehmen und Startups die „Trusted IoT Alliance“ – erklärtes Ziel der Partnerschaft ist ein transparentes, sicheres und effizientes Internet of Things.

Bosch, der US-amerikanische IT-Riese Cisco aus San José, Kalifornien, und die Blockchain- und IoT-Spezialisten von Chronicled, ebenfalls aus dem Silicon Valley: Nur drei Akteure des internationalen Bündnisses, das sich gestern (19. September) rund um die Blockchain-Technologie gegründet hat. Das Internet der Dinge ist ein Netz aus Milliarden internetfähigen Geräten. Schon heute sind diese Geräte fester Bestandteil des Alltags: Das Auto hilft bei der Parkplatzsuche, das Haus meldet dem Bewohner ein offenes Fenster.

Die Blockchain (Deutsch: Datenkette) wiederum kennt man bislang vor allem als Sicherheitstechnologie von vielen Kryptowährungen. Sie ist eine Art dezentrale Datenbank, die auf ihr hinterlegte Informationen auf tausende Rechner verteilt. Das macht Daten fälschungssicher und dadurch den Datenaustausch insgesamt sicherer.

Schutz vor Hackerangriffen

IoT-Anwendungen nehmen zu; und damit auch die Relevanz, IoT-Geräte zu schützen – zum Beispiel vor Hackerangriffen. „Für uns sind die Blockchain und verwandte Technologien von hoher strategischer Bedeutung“, sagte Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner zum offiziellen Start der „Trusted IoT Alliance“ am Dienstag. „Ohne das Zutun Dritter lassen sich mit Hilfe von Blockchain und technologisch ähnlicher Ansätze auf sichere Weise Daten online zwischen Nutzern austauschen, Vereinbarungen und Verträge anonymisiert abschließen und Zahlungen sicher durchführen“, benannte Denner die Chancen. Mögliche Einsatzgebiete sehe das Bündnis bei der sicheren Identifikation und Vernetzung von Gegenständen – vom Auto über Fertigungsanlagen und Drohnen bis hin zu Paketen oder Energiezählern. Weitere Potenziale liegen laut Unternehmen darin, Geschäftsprozesse zu automatisieren.

Vom Barcode zur Blockchain

Die Ausarbeitung eines einheitlichen Blockchain-Standards fürs IoT („internet of things“) könne als nächste Phase einer technischen Entwicklungslinie betrachtet werden, die beim Barcode – dem ersten digitalen Produktidentifikator – ihren Anfang nahm. Der Barcode hat im Einzelhandel und im Fertigungssektor enorme Verbesserungen ermöglicht. Doch auch der Strichcode berge Sicherheitslücken. Heute seien Produktfälschungen im Wert von Billionen Dollar im Umlauf. Die Blockchain als sichereres Identitätssystem, das sich durch Offenheit und Interoperabilität auszeichnet, könne ähnliche Umwälzungen bewirken wie seinerzeit der Barcode.

Tachobetrug bekämpfen

Bosch erforsche bereits zahlreiche Nutzungsansätze. Ein fortgeschrittenes Projekt dreht sich um Tachobetrug bei Fahrzeugen. Das Auto sendet in regelmäßigen Abständen den Tachostand an eine sichere und weltweit verfügbare dezentrale Datenbank. Die Echtheit der Angaben wird über ein Zertifikat nachgewiesen. Laut Bosch werden übertragenden Daten zudem kryptografisch verschlüsselt und können ausschließlich vom Fahrzeugbesitzer gelesen werden. Darüber hinaus sei der Blockchain-Einsatz in der Fertigungsindustrie sinnvoll, vor allem in der Lieferkettenlogistik. Dort könne mit kryptografischen Signaturen die Identität von Gegenständen in jeder Transport- und After-Sales-Phase bestätigt werden.

Hintergrund: Prinzip der Blockchain-Technologie

Die Blockkette besteht aus Datenbanken, in denen Datensätze über Transaktionen festgehalten werden. Sie ermöglicht es Anwendern aus dem privaten oder gewerblichen Umfeld, sensible Daten oder Werte zum Beispiel aus Verkäufen, Lieferungen oder Überweisungen auf vielen Rechnern verteilt zu speichern. Ein zentraler Server, etwa der einer Bank, ist nicht erforderlich.

Bei Blockchain werden digitale Informationen blockweise abgelegt. Die Art der „Information“ ist zweitrangig. Es kann ein Vertrag, Zertifikat oder Testament sein. Sämtliche Teilnehmer des Blockchain-Netzwerks können eigenständig prüfen, ob die an einem Austausch beteiligten Akteure mit der gleichen Blockchain-Version arbeiten. Alle Mitglieder verfügen also über eine komplette Kopie oder einen Ausschnitt der Informationskette. Informationen sind damit nicht oder nur mit enormem Aufwand manipulierbar.

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