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IAA 2011 Bosch und Conti elektrisch erfolgreich

| Redakteur: Jan Rosenow

In den neuesten französischen Hybrid- und Elektroautos arbeitet Antriebstechnik von deutschen Zulieferern. Bei Renault ist Conti-Technik unter der Haube. Für den Peugeot 3008 Hybrid 4 steuert Bosch die Komponenten des elektrischen Antriebs bei.

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Auf der IAA hat Renault die Elektro-Serienfahrzeuge Kangoo Z. E. und Fluence Z. E. gezeigt. Unter ihren Hauben steckt Technik aus Deutschland: Antriebsmotor, Leistungselektronik und weitere Komponenten steuert der Zulieferer Continental bei. Für die Elektromotoren hat Conti in Gifhorn eine neue Fertigungsstätte aufgebaut. Die jährliche Produktionskapazität ist auf zunächst bis zu 60.000 Elektromotoren ausgelegt, das Volumen soll jedoch voraussichtlich 2012 auf 75.000 Motoren steigen.

Bei Renault kommen Continental-Motoren bis zu 70 kW/95 PS und 226 Newtonmeter Drehmoment zum Einsatz. Elektromotor, Übersetzungsstufe und Differenzial sind in einem Gehäuse untergebracht. Beim Antriebsaggregat setzt Conti auf einen fremderregten Synchronmotor – der erste seiner Art, der in großen Stückzahlen für Autos gefertigt wird. Diese Technik bietet laut Unternehmensangaben beim Einsatz in Fahrzeugen einen besseren Wirkungsgrad als permanent erregte Elektromotoren. Insbesondere bei höheren Drehzahlen sei durch die Erregerstromregelung die Gegenkraft geringer, die aus der Induktion resultiert. Ein weiterer Vorteil ist, dass in der Produktion keine teuren Seltene-Erden-Metalle für den Magneten benötigt werden.

Conti fertigt alle Schlüsselkomponenten selbst

Die Leistungselektronik produziert Continental bereits in der zweiten Generation. Sie soll etwa 30 Prozent kompakter sein als die erste, die Continental für Hybridfahrzeuge herstellt. Auch der sogenannte Electric Vehicle Controller im Renault stammt von dem deutschen Zulieferer. Das Steuergerät ist für den Energiefluss und das Fahrverhalten des elektrischen Antriebs zuständig.

Damit fertigt das Unternehmen sämtliche Schlüsselkomponenten eines elektrifizierten Antriebsstrangs selbst. Neben den fremderregten Synchronmotoren liefert Conti auch andere Bauarten. Dazu zählen permanent erregte Synchronmotoren (PSM) und Asynchronmotoren (ASM). Derzeit betreuen die Ingenieure nach Unternehmensangaben rund 90 Serienprojekte bei 17 Herstellern weltweit.

Peugeot-Motor vorn, Bosch-Motor hinten

Auch im neuesten Hybridauto aus französischer Fertigung arbeiten deutsche Komponenten. Bosch hat den Elektromotor, die Leistungselektronik und den Hochspannungsgenerator für den Peugeot 3008 Hybrid 4 entwickelt. Der Crossover enthält gleich zwei Novitäten: Er ist der erste Dieselhybrid und gleichzeitig das erste Auto mit der sogenannten Axle-Split-Technik. Das bedeutet, dass der Verbrennungsmotor und der E-Antrieb beide Achsen getrennt voneinander antreiben.

Das Hinterachsmodul besteht aus einem 27 kW/37 PS starken Elektroaggregat und einem Differenzial. Beim starken Beschleunigen wirkt es als als Booster, in kritischen Fahrsituationen sorgt es für zusätzliche Traktion. Außerdem kann der E-Motor das Fahrzeug auch allein antreiben, wenn auch nur für maximal vier Kilometer und bei geringem Tempo. Bei hoher Geschwindigkeit wiederum treibt der starke Diesel den 3008 allein an und vermeidet so Wirkungsgradverluste, die konventionelle Vollhybride bei dieser Betriebsart aufweisen können.

Allradantrieb ist automatisch dabei

Neben dem Antriebsmotor im Heck liefert Bosch eine weitere Elektromaschine für den Peugeot 3008. Die sieben kW/10 PS starke Einheit dient als Generator und als Starter für das Start-Stopp-System. Darüber hinaus versorgt sie das Bordnetz und die Klimaanlage mit Energie. All diese Komponenten werden von der Leistungselektronik mit der jeweils richtigen Spannung und Stromstärke versorgt. Die gerade einmal zwölf Liter große Baugruppe muss Ströme von bis zu 340 Ampere und Spannungen von bis zu 300 Volt ertragen.

Abseits der allgemeinen Hybrid-Features besitzt der Axle-Split zwei gewichtige Vorteile. Zum einen bringt er quasi kostenlos einen Allradantrieb mit, zum anderen lässt er sich leicht an unterschiedliche Fahrzeuge anpassen. Neben dem Peugeot 3008 erhalten so zunächst der 508 sowie der Citroën DS 4 den kombinierten Antrieb. Darüber dürfte auch Bosch sich freuen.

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