Zulieferer

Branchenbericht: Rekordproduktion und Renditesorgen

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Bisheriger Renditehöhepunkt in 2014

Nach der Krise 2008/2009 waren sowohl bei der Automobil- als auch bei der Zuliefererindustrie überdurchschnittliche Renditen zu sehen, die ihren bisherigen Höhepunkt im Jahr 2014 fanden. Dieses Niveau dürfte sich in den nächsten Jahren eintrüben. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Das geringe Wachstum in den bisher eher profitablen Märkten China und Nordamerika, der Konkurrenzdruck chinesischer Hersteller in ihrem Heimatmarkt, die staatliche Reglementierung wie wie CO2-Ziele und Sicherheitsstandards, deren Kosten nur bedingt an den Endverbraucher weitergegeben werden können.

Die Commerzbank-Experten gehen davon aus, dass es keine einheitliche Renditeentwicklung unter den deutschen Zulieferern gibt. Wesentliche Kriterien für höhere Renditen seien die starke Teilnahme am Wachstum der Emerging Markets und in den richtigen Produktsegmenten sowie die stetige Weiterentwicklung von innovativen Produkten. Kleinere Zulieferer mit nicht zukunftsfähigen Kostenstrukturen sollten dem Margendruck mit Kooperationen begegnen.

Vor diesem Hintergrund ging VDA-Geschäftsführer Bräunig auch noch kurz auf die großen Übernahmen der Zuliefererbranche, wie zuletzt die von Getrag durch Magna, ein: „Die industrielle Logik erfordert neue Konzepte. Das ist auch eine Lernkurve aus der letzten Krise. Die Unternehmen wollen sich so wetterfest machen.“

Preissensible Emerging Markets

Die Kunden, vor allem in den Emerging Markets, verlangen eine stärkere Anpassung der Fahrzeuge an ihre Bedürfnisse. Sie haben länderspezifische Anforderungen sowohl an das Außendesign als auch an Interieur und die Technik. Dabei steht bei allen Käuferwünschen in den Emerging Markets die Bezahlbarkeit im Vordergrund.

Nach wie vor sind die deutschen Zulieferer bei der Qualität ihrer Produkte weltweit unter den führenden Unternehmen. Doch für technisch anspruchsvolle und damit hochpreisige Produkte ist im Massensegment der Emerging Markets die Nachfrage noch gering. Deswegen müssen Autohersteller (OEM) wie Zulieferer (Tier-1) vermehrt auch abgespeckte Versionen zu günstigen Preisen anbieten. Diese Herausforderung der länderspezifischen Produktanpassung für global agierende Zulieferer stellt zugleich eine große Chance dar. Laut der Commerzbank-Analysten besteht für die Zulieferer auch eine große Wachstumschance, wenn es ihnen gelingt, die eigenen Produkte flexibel und zügig auf die Anforderungen des jeweiligen Marktes auszurichten und zu produzieren.

Nachdem bereits nahezu alle größeren Zulieferer in den Wachstumsmärkten produzieren, wird das Beschaffen von Vorprodukten, Teilen und Komponenten in der Region immer bedeutender. Aufgrund der Local-Sourcing-Anforderungen erwarten sowohl OEM- als auch Tier-1-Zulieferer eine verstärkte Lokalisierung in der Beschaffungskette. Aus der bisherigen Option, den OEM ins Ausland zu begleiten, wird immer mehr ein Muss. Andererseits besteht für technologisch einfachere Produkte mit hoch automatisierter Herstellung und geringen Transportkosten noch Spielraum für eine zentrale Produktion. Trotzdem macht Dr. Olaf Labitzer, Senior Analyst bei der Commerzbank, klar: „Die Lokalisierung wird weiter zunehmen. Das hat auch Folgen für die deutschen Werke und Mitarbeiter der Zulieferer.“

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