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Wirtschaft

Brexit und Zölle zwingen BMW zur Vorsicht

| Autor/ Redakteur: dpa / Jens Rehberg

Die Münchner bleiben angesichts der Zollstreitigkeiten und des drohenden ungeregelten Brexits weiter vorsichtig bei den Geschäftsaussichten. Im Falle eines No-Deal-Brexits könnten die Preise steigen und das Volumen sinken, warnt Finanzchef Nicolas Peter.

BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter.
BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter.
( Bild: BMW )

BMW bleibt angesichts der Zollstreitigkeiten und des drohenden ungeregelten Brexits weiter vorsichtig bei den Geschäftsaussichten. Es sei zu früh, jetzt schon eine Prognose auf das kommende Jahr zu wagen, sagte Finanzchef Nicolas Peter am Dienstag (10. September) auf der Automesse IAA in Frankfurt. Die weiteren Gewinnaussichten hingen auch davon ab, ob Mitte Dezember die angekündigten zusätzlichen Zölle zwischen den USA und China zur Geltung kämen.

Ein ungeregelter Brexit würde zudem „eine Verschlechterung gegenüber dem heutigen Status“ bedeuten, sagte der Manager. „Das hätte die Konsequenz, dass wir in verschiedenen Märkten die Preise etwas anheben müssten.“ Das Volumen würde dann zurückgehen. „Und entsprechend würden wir die Produktion etwas zurücknehmen müssen in Oxford“, sagte Peter. In Großbritannien fertigt BMW im Stammwerk die Kleinwagenserie Mini. Erste konkrete Maßnahme sei, dass am 31. Oktober und am 1. November nicht produziert werde, um logistisch abgesichert zu sein. Nach aktuellem Stand tritt Großbritannien spätestens Ende Oktober aus der EU aus.

„Setzen nicht nur auf SUV“

Zum steigenden Anteil von SUVs bei den abgesetzten Autos sagte der Finanzvorstand, man sehe auch bei den flacheren Autos Wachstum und investiere „beidbeinig“ in Stadtgeländewagen und Limousinen. „Wir setzen überhaupt nicht, weder im Antriebsbereich noch im Konzeptbereich, also bei Karosseriekonzepten, auf eine Karte“, sagte Peter. Im August machten die Stadtgeländewagen fast die Hälfte aller verkauften BMW-Fahrzeuge aus: Das Unternehmen verkaufte davon gut ein Drittel mehr als im Vorjahresmonat.

Die Entscheidung zur Produktion eines weiteren Modells im wichtigsten Einzelmarkt China falle in den kommenden Monaten, sagte Peter. Auch der SUV X5 stehe nach anderen X-Modellen auf der Liste der dafür in Frage kommenden Autos.

Zipse will sich nicht auf eine Antriebsart festlegen

Der neue BMW-Chef Oliver Zipse bekräftigte ebenfalls die abwartende Haltung bezüglich der Entwicklung der Antriebsarten in dem Münchner Autokonzern. „Wir werden in der Lage sein, unseren Kunden alle relevanten Antriebsarten anzubieten: konventionelle Motoren, die Maßstäbe bei Effizienz setzen, batterieelektrische Antriebe sowie Plug-in-Hybride und in Zukunft auch die Wasserstoff-Brennstoffzelle“, sagte Zipse am Dienstag (10. September) auf der IAA in Frankfurt. Der seit Mitte August amtierende Vorstandschef will damit die Strategie seines Vorgängers Harald Krüger wie erwartet weiterführen. Krüger war unter anderem vorgeworfen worden, er setze die Elektrooffensive zu zaghaft um.

Zipse rechnet im kommenden Jahrzehnt mit einem weltweit stark unterschiedlichen Tempo bei der Entwicklung von Elektroantrieben. Vorreiter werde China sein, wo BMW 2030 bei den Zulassungen mit einem Anteil rein batteriebetriebener Fahrzeuge von über 50 Prozent ausgeht. In Europa und den USA dürfte der Anteil nur halb so hoch liegen.

Hohe Investitionen in Werke

BMW gibt derzeit viel Geld aus, um die eigenen Werke umzurüsten, damit der Konzern auf den gleichen Fertigungslinien sowohl Verbrenner als auch Elektroantriebe bauen kann. Damit will Zipse sich für den Fall rüsten, dass die Kundennachfrage nach E-Autos in verschiedenen Regionen nicht so ausfällt wie erwartet.

Der Hersteller will in den kommenden zwei Jahren beim Verkauf von Elektroautos deutlich zulegen. „Bis Ende 2021 wollen wir insgesamt eine Million elektrifizierte Fahrzeuge auf die Straße gebracht haben“, bekräftigte Zipse. Bis Ende dieses Jahres hatte sich BMW das Ziel gesetzt, mindestens 500.000 Autos mit Misch- oder reinem Elektroantrieb verkauft zu haben. Dazu müssen in diesem Jahr noch gut 140.000 Autos an die Kunden gehen – ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Bis 2023 will BMW 25 elektrifizierte Modelle im Programm haben, mehr als die Hälfte davon vollelektrisch.

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