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Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell: Der ferngesteuerte Edel-Kombi

Autor / Redakteur: Peter Maahn/SP-X / Michael Ziegler

Kurz nach dem Start der Limousine schiebt Mercedes die Kombiversion der C-Klasse nach. Das gewachsene, betont sportliche T-Modell legt besonderen Fokus auf die Kommunikation zwischen Fahrer und Auto.

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Kurz nach dem Start der Limousine schiebt Mercedes die Kombiversion der C-Klasse nach.
Kurz nach dem Start der Limousine schiebt Mercedes die Kombiversion der C-Klasse nach.
(Foto: Daimler)

Alle sind an Bord, gleich werden die Tür des Airbus geschlossen. Plötzlich schießt dem Passagier in Reihe 4 die Frage durch den Kopf. „Hab ich eigentlich mein Auto abgeschlossen?“ Ein Griff in die Innentasche des Saccos nach dem Smartphone, kurzes Antippen einer App mit dem Zeigefinger – und die Befürchtung des Mercedes-Fahrers bestätigt sich nach einem schnellen Blick aufs Handy-Display. Die Türen seiner C-Klasse sind nicht verriegelt. Ärgerlich, aber unser Herr Mustermann bleibt gelassen. Ein weiterer Tastendruck schafft das Problem aus der Welt.

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Das ab September lieferbare neue T-Modell der bereits im Frühjahr gestarteten C-Klasse ist der erste Mercedes, der mit dem hauseigenen neuen System „Connect me“ ausgerüstet werden kann. Eine Art Fernsteuerung fürs Auto, die zunächst eben jenes Verschließen der Türen per Smartphone ermöglicht. Zudem kann man sich jederzeit mit dem Auto „verbinden“, zum Beispiel den Treibstoffvorrat und die verbleibende Reichweite abfragen. Auch der Standort kann wiedergefunden werden, wenn man sich in einer fremden Stadt nicht mehr daran erinnert, wo man denn nun geparkt hat.

Fast zehn Zentimeter Längenzuwachs

Diese Tele-Kommunikation ist aber nicht das einzige Highlight der Kombiversion des meistverkauften Mercedes. Wie sein viertüriges Pendant ist der elegante Schnelllaster gewachsen. Die fast zehn Zentimeter Längenzuwachs strecken ihn auf nunmehr 4,70 Meter. Der Radstand legte um acht Zentimeter zu, die Breite um vier. Damit bietet das einst wegen der nicht gerade üppigen Maße gescholtene T-Modell jetzt deutlich mehr Komfort und Platz für die Hinterbänkler. Dagegen steigerte sich das Ladevolumen um eher bescheidene zehn auf jetzt 1510 Liter bei umgeklappten Sitzlehnen. Ist die fünftürige C-Klasse voll besetzt, passen 490 Liter hinter die Rücksitze 490 Liter, fünf mehr als bisher – nicht wirklich rekordverdächtig.

Entwicklungschef Thomas Weber verweist bei der Weltpremiere am Produktionsstandort Bremen auf die gesteigerte Variabilität. „Unser neues T-Modell ist extrem praktisch“, sagt er und nennt als Beispiel die Rückbank. Sie ist jetzt im Verhältnis 40:20:40 teilbar. „Damit kann der Innenraum als Fünf-, Vier, Drei- oder Zweisitzer genutzt werden“, zählt Weber auf. „Unser Kombi passt sich also jeder Transportaufgabe bequem an“. Als weitere praktische Helfer sind elektrische Betätigungen für die Entriegelung der Fondlehnen und der Heckklappe bestellbar. Die C-Klasse-Fahrer können bald auch mit dem Fuß unter dem hinteren Stoßfänger wackeln, um ein berührungsloses „Sesam öffne dich“ zu ermöglichen. Hilfreich, wenn man keine Hand frei hat und den teuren Designkoffer nicht in eine Pfütze stellen möchte.

Erste Einblicke ins Innenleben

Vier Monate vor dem Marktstart gewährte Mercedes jetzt erstmals tiefere Einblicke in das Innenleben des Business-Lasters, der in Deutschland gut 60 Prozent aller C-Klasse-Verkäufe stemmt. Der vordere Teil des T-Modells wurde von der Limousine übernommen. Die ab der B-Säule leicht abfallende Dachpartie mixt Eleganz mit einem gehörigen Schuss Sportlichkeit. Außerdem wirkt die durchgehende Fensterfront schmaler als sie ist und sorgt so für zumindest gefühlte Dynamik schon im Stand. In Summe lässt der Stuttgarter Debütant nicht nur seinen Vorgänger, sondern auch die Kombi-Rivalen vom 3er-BMW und dem Audi A 4 recht bieder aussehen.

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Das Motorenangebot des neuen T-Modells entspricht dem der Limousine. Fünf Diesel-Vierzylinder decken einen Bereich von 115 bis 204 PS ab. Die stärkste Variante ist auch als Hybridversion zu haben, bei der 27 zusätzliche PS eines Elektromotors beim Treibstoffsparen helfen. Mit einem Normverbrauch von 3,8 Litern auf 100 Kilometer ist der Hybrid das derzeit genügsamste T-Modell in der C-Klasse-Familie. Für die Fans von Benzinern bietet Mercedes die Wahl unter drei Vierzylindern und einem Sechszylinder (156 bis 333 PS). Später folgt ein Plug-In-Hybrid, dessen Batterie an der Steckdose aufgeladen werden kann. Er kombiniert einen 210 PS Benziner mit einem gut 70 PS starken Elektromotor. Entwicklungschef Thomas Weber wollte keine näheren Daten des Öko-Kombis nennen, versprach aber: „Mit diesem Auto werden wir alle überraschen“.

Rund 20 Prozent sparsamer

Unterm Strich wurde der Neuling heute schon um rund 20 Prozent sparsamer. Großen Anteil daran hat eine fast schon radikale Abspeckkur um gut 65 Kilogramm. So bestehen jetzt gut 49 Prozent der Fläche des T-Modells aus leichtem Aluminium. Bisher waren es gerademal neun Prozent. Mercedes hat errechnet, dass der C-Kombi jetzt die Hitliste der Leichtesten seiner Art anführt. Das wird Audi, bislang als Federgewichtsmeister gefeiert, mit sorgenvollem Argwohn registrieren. Zum Sparerfolg trägt dann noch die Verbesserung der Aerodynamik (cW 0,27) und das Start-Stopp-System für alle Motorversionen bei. Fest in alle T-Modelle ist das Notrufsystem E-Call eingebaut, das bei einem Unfall Hilfe rufen kann. Es springt zum Beispiel an, wenn die Airbags ausgelöst wurden.

Auf Wunsch gibt es eine Luftfederung oder Allradantrieb, fast alle bekannten Assistenzsysteme vom mitdenkenden „Abstandsradar“ bis hin zum serienmäßigen Notbremsen bei Aufprallgefahr oder auch ein Head-Up-Display. Alles schon von der Limousine her bekannt. Umgekehrt werden der Viertürer und andere Baureihen die erstmals im T-Modell erlebbare, „Auto-Telepathie“ übernehmen. Ab Ende des Jahres kann das „Connect me“ auch bedenklichen Verschleiß von wichtigen Aggregaten oder eine nötige Wartung an die Werkstatt melden. Möglich wird es auch sein, ein geographisches Gebiet festzulegen und umgehend eine automatische Meldung zu erhalten, wenn „mein Auto“ das Gebiet verlässt.

Die Preise will Mercedes noch nicht verraten, sie sollen aber gegenüber dem jetzigen Modell nur moderat steigen. Damit könnte der Stuttgarter Schönling recht deutlich unter der 40.000-Euro-Grenze bleiben.

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