Elektronikmesse CES: Neue Technik von Zulieferern und Herstellern

Auf der Elektronikshow in Las Vegas zeigen Autohersteller und Zulieferer, wie sie sich die Technik der Zukunft vorstellen. Ein Überblick.

Firmen zum Thema

Eines der Highlights auf der diesjährigen CES: Der Vision-S vom Elektronikhersteller Sony soll mit zwei 200 kW/272 PS starken E-Motoren in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen.
Eines der Highlights auf der diesjährigen CES: Der Vision-S vom Elektronikhersteller Sony soll mit zwei 200 kW/272 PS starken E-Motoren in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen.
(Bild: SP-X/Michael Gebhardt)

Wohin entwickelt sich die Mobilität und wie verändert sie die Fahrzeuge? Traditionell zu Jahresbeginn zeigen Automobilzulieferer und -hersteller auf der CES in Las Vegas ihre Ideen. Zwei Fahrzeuge dominierten die Gespräche auf der diesjährigen Elektronikshow: Daimlers Konzeptauto AVTR und Sonys Vision-S. Und dann ist da noch die 5-G-Technik: „Die Zulieferer rüsten sich für den Start der Mobilfunktechnik“, berichtet unser Reporter Sven Prawitz aus Las Vegas. Welche neue Technik die Zulieferer und Hersteller auf ihren Ausstellungsflächen präsentieren, haben wir zusammengefasst.

Bosch

Der Zulieferer aus Stuttgart zeigt in Las Vegas unter anderem eine transparente digitale Sonnenblende namens Virtual Visor. Dank eines transparenten LCD-Displays soll die Blende Autofahrern nur so viel vom Sichtfeld nehmen, wie nötig. Eine Kamera erfasst die Position der Augen des Fahrers, intelligente Algorithmen verdunkeln dann nur den Bereich, der den Fahrer blenden würde. Der Rest bleibt durchsichtig.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Im Messegepäck finden sich unter anderem auch Fernbereich-Lidars. Damit ergänzt Bosch sein Portfolio an Sensoren für hochautomatisiertes Fahren. Die Lidarsensoren will der Zulieferer in großen Stückzahlen fertig, sie sollen „die erste im Markt verfügbare automotive-taugliche Lösung sein“.

Continental und Sennheiser

Sennheiser hat für die lautsprecherlose Audioanlage „Ac2ated Sound“ von Continental ein System vorgestellt, mit dem sich dreidimensionaler Klang im Innenraum erzeugen lässt. Continentals System nutzt vorhandene Oberflächen, um die Schwingungen zu erzeugen, für die sonst Lautsprecher notwendig wären. Sennheisers „Ambeo 3D“ ermöglicht eine immersive Wiedergabe von Tönen, die Zuhörer werden also in eine virtuell erzeugte Klangwelt versetzt.

Die versprochenen Vorteile: raumfüllender, lebensechter Klang und zwischen 75 und 90 Prozent geringere Anforderungen an Gewicht und Bauraum. Ein beachtlicher Wert: Aktuelle Soundsysteme wiegen bis zu 40 Kilogramm. Für die dreidimensionale Wiedergabe benötigt Ambeo laut Hersteller keine spezifische 3-D-Audioquelle – der integrierte, patentierte Algorithmus wandelt Stereoquellen in 3-D-Audio um.

BMW

BMW gab mit seinem „i Interaction Ease“ einen Ausblick auf den Fahrzeuginnenraum in einer Zeit, „wenn autonomes Fahren alltäglich sein wird“. Dabei geht es vor allem um Komfort: Unterschiedliche Modi rücken zum Beispiel die Umgebung außerhalb des Fahrzeugs in den Mittelpunkt und legen passende Informationen dazu mittels augmentierter Realität auf ein großes Head-up-Display ins Sichtfeld. Oder sie blenden die Umgebung aus: für Entertainment oder um mittels Lichtinszenierung einen „Ort der Ruhe und Entspannung“ zu generieren. Interagieren sollen Passagier und Fahrzeug „intuitiv und fast menschlich“.

Das Highlight dabei: Mittels künstlicher Intelligenz erkennt Sensorik die Blicke der Insassen. Fixieren sie etwas jenseits der Fensterscheiben, bietet das System ihnen dazu entsprechende Informationen oder Interaktionsmöglichkeiten an.

Valeo

Das französische Unternehmen hat in Las Vegas einen autonomen und elektrischen Lieferdroiden namens „eDeliever4U“ vorgestellt. Valeo hat ihn zusammen mit dem chinesischen Plattformanbieter für E-Commerce, Meituan Dianping, entwickelt. Der Lieferroboter wird von einem 48-Volt-System angetrieben und kann sich dank Sensoren selbstständig fortbewegen. Das Fahrzeug mit einer Länge von 2,80 Metern soll zum Beispiel Mahlzeiten für einen Lebensmittelzustelldienst ausfahren. Etwa 17 Mahlzeiten könnte der Roboter mit etwa 12 km/h und einer Reichweite von 100 Kilometern zustellen.

Der Automobilzulieferer zeigt außerdem erstmals eine „Valeo Move Predict.ai“ genannte Technik, welche die Absichten von ungeschützten Verkehrsteilnehmern erkennen soll, zum Beispiel Fußgänger, Radfahrer oder Rollerfahrer. Die Technik fußt auf 360-Grad-Umweltwahrnehmung dank Sensoren wie Fischaugenkameras oder Lidar und künstlicher Intelligenz. Die Glaskugel-Technik soll detailliert analysieren, wie sich Fahrzeuge oder Verkehrsteilnehmer verhalten und könne den Fahrer laut Valeo auf ein „potenziell riskantes Verhalten“ hinweisen.

Benteler

Benteler und Sony gaben auf der CES ihre Zusammenarbeit bekannt. Sony hat ein Prototyp-Fahrzeug entwickelt, für das Benteler eigenen Angaben zufolge „die Schlüsselkomponenten“ liefert. Welche das sind, verriet der Zulieferer nicht. Daneben zeigt der Automobilzulieferer das „Electric Drive System“ auf dem Stand von Bosch. Bosch ist Entwicklungspartner im Bereich der Elektromobilität. In den vergangenen Monaten haben die Partner ihre Rolling-Chassis-Lösung weiterentwickelt.

Diese skalierbare Plattform für Elektrofahrzeuge soll viele Jahre Entwicklungs- und Testphasen für Autohersteller überflüssig machen. Sie beinhaltet mehrere Funktionen: Dazu gehören etwa ein integriertes Crashmanagement, ein flexibles und skalierbares Batteriespeichersystem sowie ein integriertes Thermomanagement.

Osram

Zum vierten Mal in Folge ist Osram Lichtpartner für das neue Konzeptfahrzeug von Rinspeed. Der „MetroSnap“ des Schweizer Automobilvisionärs beinhaltet Beleuchtungs- und Sensoriklösungen von Osram und feiert als Teil des Osram-Stands auf der diesjährigen CES in Las Vegas seine Weltpremiere. Im Außenbereich ist der MetroSnap mit zahlreichen Technologien des Zulieferers ausgestattet: Mit den ansteuerbaren LED „Eviyos“ können mit Hilfe tausender individuell adressierbarer Pixel Warnsymbole für Passagiere und Fußgänger auf die Straße projiziert werden.

Daneben sorgt die Lidar-Technologie mit Infrarotlasern für mehr Sicherheit auf der Straße. Sobald ein Lichtimpuls auf ein Objekt trifft, wird er von einem Sensor registriert. Das Fahrzeug berechnet dann den Abstand zum Objekt, um gegebenenfalls entsprechende Aktionen einzuleiten und zum Beispiel zu bremsen. Visualisierungslösungen an der Vorder- und Rückseite des Fahrzeugs sowie an den Seitenfenstern ermöglichen es, mit anderen Verkehrsteilnehmern zu kommunizieren. LED-Nummernschilder unterstützen die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Mensch.

Im Innenraum des Konzeptfahrzeugs arbeitet Osram mit einer 3-D-Gesichtserkennung und Systemen zur Handvenenerkennung, die sicherstellen, dass nur berechtigte Personen ins Fahrzeug einsteigen können. Das „Human Centric Lighting“ passt die Innenraumbeleuchtung zudem an die Stimmung der Fahrgäste an. Spezielle Leseleuchten sorgen zudem für eine optimale Ausleuchtung des Lesebereichs des Fahrzeugs. Beim „in-cabin-Monitoring“ scannt das System nach vergessenen Objekten im Fahrzeug und benachrichtigt die Fahrgäste.

Blackberry

Das kanadische Unternehmen Blackberry stellte ein anpassbares Konzept für Anwendungen im Bereich Fahrzeugsicherheit vor. Das System ermöglicht es, nur die gerade benötigten Funktionen zu aktivieren oder eigene Daten und vorgefertigte Modelle aus künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen (ML) zu verwenden – um eine Gesamtansicht des Fahrzeugzustands zu erhalten. Zudem lassen sich so Software-Patches automatisieren, Fahrer kontinuierlich authentifizieren – und die Betreiber können aktiv auf Cybersicherheitsbedrohungen reagieren, Stichwort: „Endpoint Protection“ und „Endpoint Detection and Response“, das Überwachen von Endgeräten auf verdächtige Aktionen und entsprechendes Handeln. Das Softwareunternehmen setzt hier erstmals die KI- und ML-Technologien seines Tochterunternehmens Cylance ein und integriert sie in sein Betriebssystem QNX, das mehrere Automobilhersteller in ihren Systemen verwenden.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Aptiv

In seinem Messepavillon zeigt Aptiv sein Portfolio an Hardware (Kabelsätze, Konnektoren, Prozessoren, Sensorik) und Software zur Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen. Die Smart Vehicle Architecture (SVA) beispielsweise vereint laut Hersteller hohe Rechenkapazitäten und Bandbreiten mit großer Skalierbarkeit und funktionaler Sicherheit. Ermöglichen sollen das zentrale Hochleistungsprozessoren, smarte Satellitendevices und Zonencontroller – sowie eine so genannten Ringtopologie. Sie verbindet alle Geräte im Netzwerk in Reihe, der Aufbau ist einfacher als bei der Sterntopologie. Ein grundlegender Baustein der SVA ist die sogenannte Satellitenarchitektur: Gemeinsam mit Audi hat Aptiv für den aktuellen Audi A8 das zentrale Fahrerassistenz-Steuergerät (zFAS) zur Serienreife entwickelt.

Es verfügt über genug Rechenleistung, um die Datenanalyse und Fahrtrajektorien-Berechnung für alle Fahrassistenzfunktionen zentral zu übernehmen. Dadurch können den Unternehmen zufolge einfachere, weniger intelligente periphere Sensoren eingesetzt werden – die kostengünstiger, kompakter und leichter in das Fahrzeug integrierbar sind.

EV Box

EV Box präsentiert seine schnelle Ladestation „EV Box Troniq 100“ sowie das Neudesign der ultraschnellen Ladestation Ultroniq. Mit den beiden Ladestationen sind Ladevorgänge mit bis zu 100 beziehungsweise 350 Kilowatt möglich. Durch modulare Konfigurationen verschiedener Einheiten sind die Stationen laut Hersteller kompatibel mit jedem Anwendungsfall weltweit. Beide Ladestationen sind mit einem verbesserten Kabelmanagement mit einziehbaren, strapazierfähigen Kabeln, bunten LED-Leuchten zur Benutzerführung und rollstuhlgerechtem Zugang ausgestattet. Die Troniq 100 soll bis zum 2. Quartal 2020 lieferbar sein, die Ultroniq bis zum 3. Quartal 2020.

(ID:46302429)