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Porsche Carrera GTS Charakterschulung auf vier Rädern

| Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Druckvolles Beschleunigen, brachialer Bremseinsatz und exzellentes Kurvenverhalten - bei der wilden Hatz durchs Kurvenkarussell der Nürburging Nordschleife stellt der neue Porsche Carrera GTS seine Stärken unter Beweis.

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Das Leben ist hart und es gibt Autos, die einen daran immer wieder erinnern. Der Porsche Carrera GTS, der bei uns zum Alltagstest antrat, gehört fraglos in diese Kategorie. Die erste Härte offeriert er gleich beim Einsteigen. Unser Auto kommt besonders sportlich daher. Neben einem festen Heckflügel ist er mit Sportschalensitzen ausgestattet. Lässt man sich einfach ins Auto fallen um hernach die Beine einzufädeln, macht sich die Schale mit ihrer deutlich spürbaren Kante sofort am unteren Ende des Rückens bemerkbar. Autsch, aber man lernt ja, und fädelt sich beim nächsten Mal vorsichtiger ins Auto.

Sportmaschine pur

Einmal drinnen, passt der Sitz wie angegossen. Das ist auch gut so, denn verstellen lässt er sich gar nicht und verschieben nur in der Länge. Weil man, anders als in den ebenfalls lieferbaren normalen Sitzen, die Lehne nicht klappen kann, ist dieser GTS ein echter Zweisitzer. Hinter den Sitz passt nur der Helm, den wir zur artgerechten Bewegung des Sportwagens auf dem Nürburgring eingepackt haben.

Also den Schalthebel des Porsche-Doppelkupplungsgetriebes (PDK) auf D und los. Der 3,8-Liter Boxer klingt gut. Das heißere Kreischen, das er in den oberen Drehzahlen ausstößt, bleibt auf dem Weg zum Ring ungehört. Die Automatik schaltet schon knapp über Stadttempo in den siebten Gang und hält somit Drehzahl und Verbrauch niedrig. Gelassen zügig rollen wir über Landstraßen und ein kurzes Stück Autobahn in die Eifel. Der Bordcomputer zeigt einen Durchschnittsverbrauch von 9,2 Litern an und unterbietet damit den Normwert um einen glatten Liter. Nicht schlecht für einen 3,8-Liter Sechszylinder mit 300 kW/408 PS.

Wie auf Schienen durch die Kurven

Die meisten Pferde im Stall und damit alle Regeln der Vernunft gelten zu lassen, gehört zu den härteren Prüfungen, die das Autofahrerleben bereithält. Extra für die letzte Edition der Baureihe 997 hat Porsche dem Elfer eine Leistungsspritze verpasst und die mag man natürlich auch nutzen, wenn man den GTS, diese Mischung aus sportlichen GT- und den zivilen S-Modellen ordert. Dazu bietet die Nordschleife reichlich Gelegenheit. Den Sprint am Start absolvieren wir mit Hilfe der Launchcontrol des Sportpakets. In 4,2 Sekunden ist die 100 km/h Marke durcheilt.

Die wilde Hatz durch das Kurvenkarussell der Eifel offenbart die Stärken aber auch die - nennen wir es Herausforderungen - die der GTS bereithält. Exaktes Einlenken, druckvolles Beschleunigen und Bremsen ohne jegliches Fading gehören zu den Stärken des Elfers. Ebenso die hohe Querbeschleunigung, die mehr Potenzial bietet, als wir in den ganz schnellen Ecken ausloten wollen. Entsprechend kommen wir auch nicht an die Rundenzeiten von unter acht Minuten heran, die der GTS durchaus ermöglicht und begnügen uns mit einer neun vor dem Komma.

Eindrucksvoller Regentanz

Nach zwei Runden fängt es an zu regnen und jetzt macht der GTS so richtig Laune. „Wenn der Reibwert sinkt, steigt der Fahrspaß“, hat Rallye-Weltmeister Walter Röhrl einmal gesagt und er hat durchaus Recht damit. Ein ums andere Mal schwenkt der Elfer mit dem Heck und es macht Spaß, in wieder einzufangen. Es macht aber auch Mühe und nicht jedem ist die Balance zwischen schnell und zu schnell gegeben.

Im Nassen hilft ein bisschen mehr Respekt vor den Grenzen der Technik deutlich weiter. Und weil der Autor nicht mehr zu den jungen Heißspornen gehört, bleibt das Auto auch nach etlichen Regenrunden noch in der Form, in der es ausgeliefert wurde. Übrigens genehmigt sich der GTS im Renntempo 25 Liter auf trockener und 17 auf nasser Fahrbahn, wenn man dem Bordcomputer Glauben schenkt. Weil diese Trinksitten nach sechs bis acht Eifelrunden die Fahrt zur Tankstelle nötig machen, verlassen wir die Rennstrecke und widmen uns dem Alltagstrott.

Preis 108.650 Euro - kein Auto für Normalos

Ab nach Hause, diesmal über ein trockene Autobahn. Um die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 304 km/h auszuprobieren, sind die Lücken im Verkehr zu klein. Wahrscheinlich genügt es dem GTS-Eigner zu wissen, dass man so schnell fahren könnte. Beeindruckender ist ohnehin der Wechsel aus Beschleunigen und Bremsen sowie die Souveränität, mit der dieser Elfer den Abstand zum Hintermann auf der linken Spur vergrößert.

Bei aller Sportlichkeit ist der GTS durchaus komfortabel und langstreckentauglich. Dann pendelt sich der Verbrauch bei Werten um 10,5 Liter ein, die Geräuschkulisse bleibt so, dass es sich lohnt, das serienmäßige Soundsystem einzuschalten und selbst Telefongespräche über die Bluetoothverbindung sind noch verständlich. Porsche hat den GTS zum preiswertesten Elfer gemacht – zumindest wenn man seine Serienausstattung berücksichtigt. Gegenüber einem Carrera S kostet er rund 10.000 Euro Aufpreis. Inklusive PDK kostet unser Testwagen 108.648 Euro. Viel Geld für jede Menge Fahrspaß - zu den Härten des Lebens gehört aber auch, dass nicht jedes Konto ausreichend gefüllt ist, um diese eindrucksvolle Sportmaschine bestellen zu können.

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