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Analyse China-Crash wäre für OEMs katastrophal

| Redakteur: Bernd Otterbach

Aufgrund des starken Marktwachstums erhöht sich die Abhängigkeit der deutschen OEMs vom chinesischen Markt, der mit hohen Risiken behaftet ist. Denn eine Analyse der Strategieberatung Berylls zeigt auf, dass im Reich der Mitte ein potenzieller Ergebniseinbruch von bis zu 70 Prozent droht.

Vor dem Hintergrund einer Immobilienblase, steigender Inflation und nicht fortsetzbarer chinesischer Konjunkturprogramme hat Berylls Strategy Advisors die Automobilindustrie einer Risikoprüfung „China-Crash“ unterzogen. Die Prüfung simuliert Szenarien eines Absatzeinbruchs des chinesischen PKW-Marktes in einer Größenordnung von minus 10 bis minus 50 Prozent und berücksichtigt Rückkopplungseffekte in die traditionellen Märkte für das Jahr 2013. Ein Absatzeinbruch insbesondere bei den großen, margenstarken Fahrzeugmodellen resultiert in einen Gewinneinbruch von bis zu minus 70 Prozent, so die Analyse.

In China wird zudem das Geld verdient, um notwendige Zukunftsinvestitionen zu finanzieren, beispielsweise zur CO2-Reduktion und für Elektromobilität sowie Konnektivität. „Fällt der chinesische Markt aus, bricht nicht nur der Gewinn ein, sondern auch die Innovations- und damit Zukunftsfähigkeit der Automobilhersteller wäre gefährdet“, so Dr. Jan Burgard, Partner bei Berylls Strategy Advisors. „Für uns stellt sich weniger die Frage, ob die Automobilhersteller in der akuten Krise gut aufgestellt wären - schließlich besitzen sie ein erprobtes Kriseninstrumentarium. Die Frage ist vielmehr, was vorausschauend unternommen werden kann“, so Burgard.

Risikomanagement erforderlich

Das Beispiel „China-Crash“ zeigt laut Berylls auch, dass die Automobilindustrie dem Thema Risikomanagement wesentlich mehr Aufmerksamkeit schenken muss. China seit und bleibe der wichtigste Automobilmarkt in den nächsten Jahren. So sollten die deutschen Automobilhersteller in Form eines „Stresstests“ die potenziellen Auswirkungen eines Einbruchs in China auf ihre Wertschöpfungskette besser verstehen, um sich gegen einen eventuellen „Crash“ zu wappnen. Je besser die Risiken verstanden würden, desto weniger sei der kurzfristige Einsatz von Task Forces erforderlich. Zudem sollten sie ihre Geschäftsmodelle stärker absichern, indem sie in China Kostenstrukturen flexibilisieren und ihre Positionierung in den traditionellen Märkten weiterentwickeln. Ein „Aktionsplan China“ sei dann auch in ein aktives Risikomanagement einzubetten.

Aktionsplan China

1. Stresstest als Ausgangspunkt: OEM-spezifische Identifikation der Schwachstellen, die von einem „Crash“ in China besonders betroffen wären

2. „Task Force China“: Dedizierte Mitarbeiter, die bereits jetzt Gegenmaßnahmen für die Schwachstellen definieren und umsetzen

3. Detaillierter Maßnahmenplan: Klares Vorgehen ab Tag 1 im Falle eines Abschwungs oder Einbruchs durch festgelegte Schritte und Verantwortlichkeiten

4. Zusätzlicher Profit als „Puffer“: Beispielsweise maximales Ausreizen der Erträge bei Sonderausstattungen

5. Konsequenz bei Kostenpotenzialen: Fortsetzung der Kostensenkungen (Materialkosten, Modularisierung) und Flexibilisierung in der Produktion

6. Risikomanagement: Kontinuierliches Risiko-Monitoring und Etablierung von Frühwarnsystemen

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