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Studie China hilft Zulieferern aus der Krise

| Redakteur: Bernd Otterbach

Die weltweiten Automobil-Zulieferindustrie erholt sich im Jahr 2010. Der Markterfolg in China wird dabei immer wichtiger. Dies prognostiziert das neue „Global Automotive Barometer“.

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Die weltweite Automobil-Zulieferindustrie blickt optimistischer als noch vor einigen Monaten in die Zukunft. Nach den starken Einbrüchen im letzten Jahr gehen nun mehr als 90 Prozent aller Zulieferer weltweit von einem verbesserten Wirtschaftsklima gegenüber dem Vorjahr aus. Drei Viertel erwarten sogar zweistellige Zuwächse und verweisen dabei auf eine deutliche Zunahme der Auftragseingänge. Das geht aus der aktuellen „Global Automotive Barometer“-Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney und SupplierBusiness hervor, zu der aktuell weltweit mehr als 200 leitende Manager von Automobilzulieferern befragt wurden.

China: Härterer Wettbewerb als in den Heimatmärkten

Die besten Wachstumschancen sehen die Zulieferer vor allem in China. So wird dem Aufbau von Kapazitäten nicht nur für die Produktion, sondern nun auch für die Produktentwicklung eine hohe Bedeutung beigemessen. Dabei sind sich die Zulieferer über die hohen Hürden eines Markteintritts durchaus bewusst: Der Wettbewerb wird als sehr viel intensiver als in den jeweiligen Heimatmärkten angesehen, während gleichzeitig ein signifikanter Anstieg der Arbeitskosten erwartet wird. Zudem beklagt die Mehrheit der befragten Zulieferer Probleme bei Infrastruktur und Rechtssicherheit.

„Nach eher verhaltenen Einschätzungen Ende letzten Jahres zur Entwicklung 2010 gewinnt mittlerweile bei der Mehrheit der Automobilzulieferer eine positive Einschätzung die Oberhand. Ein Großteil der befragten Zulieferer zeigt sich im Hinblick auf Geschäftsklima sowie auf Umsatz- und Ergebniserwartungen positiv. Eine deutliche Mehrheit der Zulieferer erwartet zweistellige Wachstumsraten in diesem Jahr. Das Geschäftsklima wird nur noch von rund 4 Prozent der befragten Zulieferer negativ beurteilt. Diese Einschätzung wird unterstützt durch die mehrheitliche Erwartung erhöhter Auftragseingänge“, sagt Martin Haubensak, Partner in der globalen A.T. Kearney Automotive Practice.

Insolvenzgefahr sinkt - Weichen auf Wachstum

Auch das Bild bezüglich erwarteter Zuliefererinsolvenzen scheint sich zu drehen: Hatten vor einem Jahr fast alle befragten Zulieferer einen Anstieg der Insolvenzen erwartet, sind dies aktuell nur noch ein Drittel. Mehr als ein Drittel erwartet einen Rückgang der Insolvenzgefahr. Die Haltung der Zulieferer zur Stabilität von Automobilherstellern bleibt jedoch unverändert skeptisch. Die meisten Zulieferer erwarten nach wie vor signifikante finanzielle Probleme von einzelnen Automobilherstellern in den nächsten drei Jahren.

„Es zeigt sich, dass die Zulieferer weltweit die Weichen wieder auf Wachstum stellen. Ein Großteil der befragten Zulieferer bestätigt, sich in neuen Geschäftsfeldern und Regionen engagieren zu wollen“, so Haubensak. Große Einkaufstouren wie noch vor der Krise stehen allerdings derzeit offenbar nicht auf der Agenda. So erwägen weniger als 20 Prozent der befragten Zulieferer Akquisitionen von Wettbewerbern.

Als Wermutstropfen bleibt, dass im Zuge dieser Erholung einige Zulieferer von einem schlechteren Zahlungsverhalten der Kunden berichten, während fast keiner verbesserte Zahlungsbedingungen angibt.

Konsolidierungswelle bei chinesischen Zulieferern

Der Motor des erwarteten Wachstums bleiben die Wachstumsmärkte in Asien. Zwei Drittel der befragten Zulieferer sehen eine noch weiter zunehmende Bedeutung des Standorts China. Für die Mehrheit der Zulieferer ist China nicht nur als lokaler Produktionsstandort und als Exportdrehscheibe von Bedeutung. Als zunehmend wichtig wird nun auch der lokale Aufbau von Kapazitäten zur Produkt-Neuentwicklung in China angesehen, nachdem die Applikationsentwicklung bei einer Vielzahl von Unternehmen bereits verlagert wurde.

„Die dynamische Entwicklung Chinas ist eine wesentliche Chance für die meisten Zulieferer, deren Tücken allerdings nicht zu unterschätzen sind“, so Haubensak. Bereits heute schon wird die Wettbewerbsintensität in China mehrheitlich intensiver als in den Heimatmärkten wahrgenommen. Bis 2015 wird erwartet, dass nicht internationale Zulieferer mit lokaler Präsenz, sondern lokale Zulieferer die Hauptwettbewerber sein werden. „Vor dem Hintergrund einer erwarteten Konsolidierungswelle bei chinesischen Zulieferern und daraus resultierend schlagkräftigeren Wettbewerbern ist bereits heute eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs abzusehen“, so Haubensak.

China: Mehr Chancen als Risiken

Letztlich sollten die Zulieferer die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genau verfolgen, um eine adäquate Marktstrategie für China entwickeln zu können. Laut Einschätzung der befragten Zulieferer sind dabei vor allem eine Zunahme von Arbeitskosten, Schwächen bei Infrastruktur, wie beispielsweise Energieversorgung und Verlässlichkeit der Transportwege, sowie Rechtsunsicherheiten zu berücksichtigen. Demgegenüber stehen jedoch Vorteile, wie die hohe Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die Vielzahl von höheren Bildungseinrichtungen und auch ein als besser eingeschätzter Zugang zu Rohstoffen.

„Unter dem Strich überwiegen auf dem chinesischen Markt ganz eindeutig die Chancen gegenüber den Risiken. Der Weg zum Erfolg will jedoch sorgsam gebaut sein“, so Haubensak.

Über die Studie „Global Automotive Barometer“

Die „Global Automotive Barometer“-Befragung von A.T. Kearney und SupplierBusiness verfolgt, wie Automobilzulieferer die aktuelle Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen einschätzen. Seit Mai 2009 werden regelmäßig Befragungen mit den Schwerpunkten Jahresrückblick 2009 und Ausblick 2010 durchgeführt. An der Befragung nehmen regelmäßig weltweit etwa 200 Manager von Automobil-Zulieferunternehmen teil. 83 Prozent der Befragten klassifizierten sich selbst als entweder Tier-1 oder Tier-2-Lieferanten. Die Befragung wird auf globaler Ebene mit besonderem Fokus auf Unternehmen in Europa, Nordamerika und Asien durchgeführt.

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