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China Market Insider Chinas Aufholjagd bei Spezial-Chips für Elektroautos beschleunigt sich

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Jens Scheiner

Nachdem China bereits Weltmarktführer für Autobatterien und E-Autos ist, will die chinesische Parteiführung nun den nächsten Markt erobern, der für die E-Mobilität eine entscheidende Rolle spielt: Die Halbleiterindustrie. Um das Ziel zu erreichen, setzt China auf ein bewährtes Muster.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
(Source: Deposit Photos )

Mit der energischen Förderung der Elektromobilität in China explodiert dort auch der Markt für spezielle Halbleiter. Chinas führender Hersteller BYD stellt sich darauf ein und hat im April in aller Stille ein neues Tochterunternehmen gegründet. Die „BYD Semiconductor Ltd.“ werde die Entwicklung und Produktion von Leistungshalbleitern und Sensoren vorantreiben und zu gegebener Zeit eine eigene Börsennotierung anstreben, berichtet die Zeitung „China Daily”.

Besonders bei IGBT-Chips für Elektroautos will die neue Konzerntochter künftig einen größeren Marktanteil erobern. Bipolartransistoren mit isolierter Gate-Elektrode (IGBT) sind eine Schlüsseltechnologie der Elektromobilität. Seit diese von Chinas Regierung aktiv gefördert wird, verzeichnet dort auch der Markt für spezielle Halbleiter ein exponentielles Wachstum.

Chinesische Staatsführung fördert den IGBT-Markt massiv

Im vergangenen Jahr wuchs Chinas IGBT-Markt einem Bericht des Fachmagazins „Gasgoo Auto News” zufolge auf 15,3 Milliarden Yuan, umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro. Das entsprach einem jährlichen Wachstum von knapp 20 Prozent. Bis 2025 werde der IGBT-Branche Jahr für Jahr eine Wachstumsrate von 19,11 Prozent vorausgesagt, schreibt Gasgoo Auto News, womit sich der Markt für die Chips innerhalb weniger Jahre bereits verdreifacht hätte.

Mit seinem Manöver wolle BYD „künftig die Chancen ergreifen, die sich aus dem Erstarken der chinesischen Halbleiterindustrie ergeben”, kommentiert die „China Daily”. „Halbleiter sind wichtige Hardware für die Produktion von Elektroautos”, zitiert die China Daily den Analysten Song Jin. BYD werde damit seine Halbleiterproduktion stärken können. Als Teil der Halbleiterindustrie zählt auch die IGBT-Produktion in China zu jenen heimischen Hochtechnologie-Branchen, die von der chinesischen Staats- und Parteiführung massiv subventioniert und regulatorisch begünstigt werden.

Ausländische Unternehmen beherrschen den Markt – Kommt Infineon unter Druck?

Nicht expliziert erwähnt wird in dem Bericht, dass es bei solchen Manövern auch darum geht, besser mit ausländischen Anbietern konkurrieren zu können. Führend ist auf dem chinesischen IGBT-Markt derzeit die deutsche Firma Infineon. Gemeinsam mit Mitsubishi, Fuji Electric, ON Semiconductor und ABB beherrschten die Ausländer im Jahr 2018 beinahe 70 Prozent des chinesischen IGBT-Marktes. Das wollen die Chinesen nun ändern.

Ähnlich wie seinerzeit Infineon, dass 1999 unabhängig von Siemens wurde, soll die BYD-Tochter nun mit genügend Kapital für eine Aufholjagd auf die internationalen Marktführer ausgestattet werden. Noch gibt es zwar ein erhebliches technologisches Gefälle. BYD Semiconductor sei derzeit technologisch „deutlich im Rückstand”, kommentierte Gasgoo Auto News vor wenigen Wochen. Beispielsweise sei international bereits die sechste Generation von IGBT-Halbleitern im Einsatz, BYD hingegen sei gerade erst bei „4.0” angelangt.

Doch die Chinesen haben in anderen Branchen mehrfach vorgemacht, wie langfristige Planung und aggressive staatliche Begünstigung den Ausgang solcher Aufholjagden zu ihren Gunsten entscheiden können. Bei Autobatterien und Elektroautos ist China schon jetzt Weltmarktführer. Die Zentralplaner in Peking mögen nun nicht länger dabei zusehen, wie 90 Prozent der Schlüsselkomponenten IGBT-Chips aus dem Ausland importiert werden müssen.

Wichtiger Markt für Elektromobilität

Die BYD-Umstrukturierung zeigt auch, dass man in China die Wertschöpfung in der Elektromobil-Industrie im Visier hat. In einem Fahrzeug mit reinem Elektroantrieb sind IGBT-Chips für etwa die Hälfte der Kosten für das Antriebssystem verantwortlich, welches wiederum bis zu zwanzig Prozent der Gesamtkosten für ein Elektroauto ausmacht.

IGBT-Chips sind nach den Batterien die zweitgrößte Kostenkomponente nach der Batterie. Kein Wunder, dass China diesen Markt in Zukunft dominieren möchte. Es geht darum, ein komplettes Ökosystem für Elektroautos zu etablieren. Nicht nur BYD, auch andere chinesische Halbleiterproduzenten wie Huawei versuchen deshalb gerade, sich als ernsthafte Konkurrenten von Infineon und Co. im Bereich Leistungshalbleiter zu etablieren.

Über den Autor

*Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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