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Neue Modelle Citroën C4 Cactus: Ein Schritt zurück in die Zukunft

| Autor / Redakteur: sp-x/cb / Andreas Wehner

Mit dem Cactus haben die Franzosen einen mutigen Schritt zurück gemacht. Das Auto steht in der Tradition des 2CV – mit einem pfiffigen Auftritt, intelligenten Ideen, aber auch ein paar Macken.

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Der neue Citroën C4 Cactus hat den Sexappeal eines SUV, ohne tatsächlich eines zu sein.
Der neue Citroën C4 Cactus hat den Sexappeal eines SUV, ohne tatsächlich eines zu sein.
(Foto: Citroën)

Es gibt Automarken, die man stets mit bestimmten Modellen zusammenbringt oder die ein fest im kollektiven Gedächtnis verankertes Image haben: VW = der Käfer, Porsche = der Elfer, Alfa = die Giulietta, Opel = der Kadett, Citroën = avantgardistisch, Volvo = Sicherheit stehen hier nur beispielhaft. Mit der Gegenwart, geprägt von Kostendruck, Gleichteilestrategie und Umweltauflagen haben diese Reminiszenzen überwiegend nicht viel zu tun. Umso stärker fiel der Applaus der Medien aus, als Citroën Anfang des Jahres den neuen Cactus vorstellte. Endlich wieder ein richtiger Citroën hieß es fast unisono, ein Fahrzeug in der Tradition der „Ente“ 2CV (deux chevaux) oder der DS (die „Göttin“). Aber sind solche Vergleiche tatsächlich gerechtfertigt?

Zumindest darf man festhalten, dass die Franzosen mit dem Cactus einen mutigen Schritt zurück und damit gleichzeitig auch nach vorne gehen. Mit seinem unaufgeregten, unaggressiven Design, der Mischung aus netten neuen Ideen und Großserientechnik sowie seiner Marktpositionierung steht das Fahrzeug zumindest im Moment ziemlich alleine da.

Citroën C4 Cactus: Zurück zu den Wurzeln
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Entsprechend zögerlich ist Citroën mit der Formulierung seiner Erwartungen. Von 500 Einheiten im Monat spricht die deutsche Tochter, 6.000 Stück sollen im ersten Jahr auf die Straße kommen. Er könne sich auch vorstellen, dass es am Ende 8.000 Neuzulassungen sind, sagt Citroën-Kommunikationschef Stephan Lützenkirchen auf Anfrage von »kfz-betrieb«.

Bei der ersten Begegnung mit dem Cactus fällt auf, dass der Franzose in die Kategorie charmanter Blender gehört. Denn er wirkt von außen größer, als er eigentlich ist. Mit seiner Länge von 4,16 Meter ordnet er sich etwa zwischen einem Polo und einem Golf ein. Er könnte also je nach Sichtweise als kleiner Kompakter oder großer Kleinwagen bezeichnet werden.

Der Auftritt ist eher rustikal als elegant, die kurzen Überhänge sorgen für einen stämmigen Stand auf der Straße. Ja und dann sind da natürlich noch diese sogenannten Airbumps, an Flanken und Schürzen des Fahrzeugs angebrachte, mit Luft gefüllte Plastikplanken. Sie stehen sinnbildlich für die Gesamtidee des Cactus: pfiffige, preiswerte Lösungen zu suchen, die im Alltag nützlich sind – in diesem Fall, Lackkratzer am eigenen oder fremden Auto etwa auf dem Parkplatz verhindern.

Wobei man unter Alltag auf jeden Fall den in der Stadt verstehen muss. Der Cactus ist weniger für die Landstraße und ganz bestimmt nicht für die Autobahn konzipiert, zumindest nicht für die deutsche BAB. Die breiten Sitze erinnern eher an Omas Sofa oder an die im nicht mehr erhältlichen Nissan Cube. Die Lenkung ist nicht ganz so unpräzise wie im 2CV, der Schalthebel wirkt luschig, die Verarbeitungsqualität teilweise nachlässig und die Motoren sind modern aber eher müde. All dies wurde in vielen Testberichten der letzten Monate immer wieder moniert, genauso wie die fehlende Tiefenverstellung des Lenkrads, oder die nur zum Ausstellen konzipierten hinteren Fenster.

Das alles ist wahr, man hätte es gerne anders und trotzdem geht diese Kritik am Kern des Fahrzeugs vorbei. Denn der Cactus ist trotzdem ein tolles Stadtauto. Wer sich überwiegend im urbanen Umfeld bewegt, dem sind hohe Motorkraft und absolute Lenkpräzision schon mal ziemlich egal. Die Antriebe bewegen das Auto ausreichend schnell, sind zudem recht sparsam und die Lenkung tut ihren Dienst. Die Sitze sind auf kurzen Strecken sogar ziemlich bequem, man muss den Cactus ja nicht gleich von Köln zum Comer See bewegen.

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