Jahresbilanz Conti macht wieder Gewinn

Quelle: dpa

Der Autozulieferer konnte im vergangenen Jahr deutlicher als erwartet bei Umsatz und Gewinn zulegen. Echte Feierstimmung bleibt in Hannover allerdings aus.

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(Bild: Marcus Prell/Continental)

Continental verdient nach zwei harten Verlustjahren in Folge wieder deutlich besser, stellt sich wegen des Krieges in der Ukraine und weiterer Risiken aber auf mögliche neue Probleme für die globale Autobranche ein. Der Zulieferer und Reifenhersteller aus Hannover erzielte im vergangenen Jahr unterm Strich einen Gewinn von 1,46 Milliarden Euro – davor hatten der Corona-Absatzeinbruch sowie der teure Konzernumbau das Dax-Unternehmen noch in den roten Zahlen gehalten.

Zuletzt gelang eine klare Stabilisierung – obwohl das Marktumfeld „anhaltend turbulent“ gewesen sei, wie am Mittwoch hieß. Vor allem Versorgungsengpässe bei Elektronikchips hatten die Auto- und Maschinenbauindustrie weltweit stark belastet. Aufträge konnten nicht abgearbeitet werden, die Beschaffungskosten stiegen.

Jetzt blickt die Branche mit großer Sorge nach Osteuropa. Angesichts der Invasion in die Ukraine beschloss auch Conti, seine Fertigung in und seinen Außenhandel mit Russland vorerst komplett zu stoppen.

Man prüfe alternative Standorte für die Belieferung aus Kaluga, wo der Konzern ein Werk für Reifen und Maschinenteile hat. Der Anteil des Umsatzes in der Russischen Föderation sei mit unter einem Prozent gering. Zumindest indirekt könnten sich jedoch Lieferprobleme von Autobauern bei Kabelbäumen aus der Ukraine auswirken.

Erhöhte Beschaffungs- und Logistikkosten

Noch geht man für 2022 von weiterhin anziehenden Geschäften aus. Das Management warnte jedoch: „Sollte die geopolitische Lage angespannt bleiben oder sich gar verschlechtern, kann dies eine nachhaltige Störung in Produktion, Lieferketten und Nachfrage verursachen.“ Auch die Aufwendungen für Material und Lieferungen dürften weiter steigen: Das Unternehmen rechnet mit erhöhten Beschaffungs- und Logistikkosten in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro.

Vorstandschef Nikolai Setzer bilanzierte schon im Rückblick auf 2021: „Das abgelaufene Geschäftsjahr hat uns erneut stark gefordert.“ Conti verpasste sich unter anderem eine neue Konzernstruktur, welche die Rolle von Software und des autonomen Fahrens aufwertet.

Sparkurs bleibt im Fokus

Gleichzeitig setzte die Führung ihren Sparkurs fort, in dessen Rahmen alte Jobs der klassischen Mechanik ab- und neue Tätigkeiten aufgebaut werden. Im Jahr zuvor hatten außerdem veränderte Bewertungen früherer Zukäufe wie Siemens-VDO als „Altlasten“ auf die Continental-Bilanz gedrückt.

Der Umsatz konnte nach einem 15-prozentigen Minus 2020 nun wieder um 6 Prozent auf 33,8 Milliarden Euro zulegen – stärker als von Experten gedacht. Dabei wurden nur die fortgeführten Geschäfte einbezogen, die Antriebssparte spaltete Conti in die unabhängige Firma Vitesco ab.

Für das laufende Jahr rechnet Conti mit 38 bis 40 Milliarden Euro Umsatz. Bei der um Sondereffekte bereinigten Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern plant das Management 5,5 bis 6,5 Prozent ein nach 5,6 Prozent im vergangenen Jahr. Analysten hatten sich hier mehr ausgerechnet. Im laufenden Betrieb soll auch die Autozuliefersparte wieder einen Gewinn schaffen – all dies unter dem Vorbehalt, dass sich politische Konflikte nicht noch verschärfen.

Die Conti-Aktie legte nach dem Handelsstart am Vormittag in einem starken Markt um 6,3 Prozent zu. Sie war in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten und von einem Zwischenhoch im November bei fast 112 Euro auf im Tief unter 60 Euro abgeschmiert. Jefferies-Analyst Sascha Gommel sprach von einem erwartet vorsichtigen Ausblick des Konzerns beim operativen Ergebnis. Die Umsatzprognose sei aber stark, schrieb JPMorgan-Experte Jose Asumendi.

Gute Auftragslage im Automotive-Bereich

Bei dem Autozulieferer lief das Kerngeschäft infolge der Halbleiterkrise 2021 schlechter als die profitablen Reifen- und Kunststofftechnikbereiche. Auch Erlös- und Ertragsziele weichen daher voneinander ab.

Reifen könnten unterdessen teurer werden. „Wir sehen weitere substanzielle Preiserhöhungen bei Rohstoffen, nicht nur bei Metallen, sondern auch bei ölbasierten, die für unser Reifengeschäft wichtig sind“, erklärte Conti-Chef Nikolai Setzer. Und Finanzchefin Katja Dürrfeld ergänzte: „Wir haben 2021 unsere Preise regelmäßig überprüft, haben das auch dieses Jahr vor. Was wir durchsetzen können, hängt aber von der Marktlage ab.“

Das Automotive-Geschäft hat nach Firmenangaben jedoch einen hohen Auftragseingang im Wert von derzeit 18,6 Milliarden Euro. So liefen etwa neue Display-Technologien oder Hochleistungsrechner für vernetzte Fahrzeuge gut. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sanken 2021 leicht auf 2,6 Milliarden Euro. Für Continental arbeiten weltweit in 58 Ländern nach der Viteso-Ausgliederung noch rund 190.000 Beschäftigte.

Der Konzern will seinen Aktionären wieder eine Dividende zahlen. Die Ausschüttung soll 2,20 Euro je Papier betragen – mehr, als Branchenbeobachter erwartet hatten.

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