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Wirtschaft Continental-Gewinn bricht um die Hälfte ein – Rote Zahlen erwartet

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Die Coronakrise hat den Hannoveraner Zulieferer Continental fest im Griff. Am Ende des ersten Quartals ist der Gewinn halbiert. Und es kommt wohl noch heftiger.

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Im zweiten Quartal rechnet Continental mit noch deutlicheren Corona-Auswirkungen.
Im zweiten Quartal rechnet Continental mit noch deutlicheren Corona-Auswirkungen.
(Bild: Continental )

Die Corona-Krise hat das Geschäft des Autozulieferers Continental im ersten Quartal schwer getroffen. Wie der Dax-Konzern aus Hannover am Donnerstag (7. Mai) berichtete, sank der Gewinn unterm Strich um fast die Hälfte auf 292,3 Millionen Euro. Für das zweite Quartal rechnet Conti sogar mit roten Zahlen.

Die Autoindustrie kämpft wegen der Pandemie mit eingebrochenen Verkäufen und Überkapazitäten, auch Lieferanten und Reifenhersteller bekommen das zu spüren. In jedem fünften der 249 Continental-Werke wird derzeit noch nicht wieder produziert, weltweit mussten etwa 60 Prozent der knapp 240.000 Beschäftigten ihre Arbeitszeit verringern. Der Umsatz ging von Januar bis März verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 10,9 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zurück.

Continental: Langfristige Folgen nicht absehbar

„Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie werden im zweiten Quartal noch deutlich spürbarer zu Buche schlagen“, warnte Vorstandschef Elmar Degenhart. Finanzchef Wolfgang Schäfer betonte, die Autoproduktion mache rund drei Viertel des Conti-Umsatzes aus. „Insofern würde ich davon ausgehen, dass wir im zweiten Quartal keine schwarzen Zahlen schreiben.“ Das laufende Jahresviertel dürfte 2020 das schwächste sein. Auch wenn das Betriebsergebnis um Abschreibungen oder Sondereffekte bereinigt wird, sackte Continental schon im ersten Quartal deutlich ab: Der Rückgang fiel mit minus 51,1 Prozent auf 431,9 Millionen Euro noch größer aus als beim Konzerngewinn.

In China laufe es wieder besser. Doch der vorläufige Fertigungsstopp im Ursprungsland des neuen Erregers hinterließ in der Branche tiefe Spuren. In der Volksrepublik - dem wichtigsten Automarkt der Welt - wurden zuletzt schätzungsweise nur halb so viele Pkw und leichte Nutzfahrzeuge hergestellt wie vor einem Jahr, in Europa 20 Prozent und in Nordamerika 10 Prozent weniger. Einen genaueren Ausblick auf die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf könne man „aufgrund der fortwährenden starken Dynamik“ noch nicht abgeben, hieß es. Umsatz und Gewinn dürften aber klar unter den Werten aus dem Jahr 2019 liegen.

Degenhart: „Wir stehen auf einer soliden Basis“

Auch bei den Investitionen ist Continental zurückhaltend. Für das laufende Geschäftsjahr soll mindestens 20 Prozent weniger ausgegeben werden als 2019. „Die Notwendigkeit aller Ausgaben und Investitionen zum jetzigen Zeitpunkt prüfen wir ganz genau“, sagte Schäfer. Im ersten Quartal waren beispielsweise bereits 26 Prozent weniger in Sachanlagen und Software geflossen als im Vorjahreszeitraum. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind hingegen um 1,1 Prozent auf 913 Millionen Euro leicht gestiegen.

Zum Stichtag 31. März 2020 verfügte Continental über flüssige Mittel von 2,5 Milliarden Euro sowie zugesagten, nicht ausgenutzten Kreditlinien von 4,3 Milliarden Euro. „Wir stehen auf einer soliden Basis, sind unabhängig und voll handlungsfähig, trotz der herausfordernden Situation weltweit“, sagte Degenhart.

In den Fabriken hat Conti den Schutz erhöht - etwa durch häufigere Reinigung, veränderte Schichtpläne oder Abtrennungen aus Plexiglas. Die rund eine Millionen Schutzmasken pro Woche für die Mitarbeiter stellt Continental selbst her. Der Vorstand beschloss, seinen zunächst auf einen Monat angelegten Verzicht auf zehn Prozent seines Festgehalts um drei weitere Monate bis Ende Juli zu verlängern.

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