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Interview

„Cupra wird Testlabor für künftige Seat-Modelle“

| Autor/ Redakteur: Wolfgang Gomoll/Press-inform / Andreas Grimm

Seat positioniert die sportlichen Cupra-Modelle künftig als eigenständige Marke. Im Interview erklärt Seat-Boss Luca de Meo, welches Kalkül hinter dem Schritt steckt und wie sich die neuen Modelle auf das gesamte Seat-Portfolio auswirken werden.

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Posing in Genf: Luca de Meo mit dem Cupra E-Racer.
Posing in Genf: Luca de Meo mit dem Cupra E-Racer.
(Bild: Gomoll / Pressinform)

In Genf hat Seat die sportliche Marke Cupra erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und dazu den Cupra Ateca gezeigt. Einige Folgen dieses Schrittes wurden bereits diskutiert, zu offenen Fragen nimmt Seat-Vorstandschef Luca de Meo im Interview Stellung.

Redaktion: Warum präsentiert Seat gerade jetzt die Submarke Cupra?

Luca de Meo: Ich mag den Ausdruck Submarke nicht so gerne, für mich ist Cupra eine eigenständige Marke. Ganz grundsätzlich wollen wir eine ganz besondere Kultur innerhalb von Seat kreieren, eine die vor allem von den Auto-Enthusiasten getragen wird. Und wir werden diese Kultur um die Motorsport-Division aufbauen, die das Herz des Ganzen sein wird.

Gut, der Motorsport ist das eine, aber was ist Ihr Ziel dahinter?

Ganz einfach, mit dieser Marke können wir Kunden gewinnen, die sonst keinen Seat kaufen würden.

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Hat denn Seat überhaupt ausreichendes Gewicht, um eine zusätzliche Marke zu tragen?

Da gibt es keine pauschalen Antworten, man muss wirklich jeden Markt einzeln betrachten. Es gibt Länder, in denen Seat keinen guten Ruf hat und dort kann ich das beste Auto der Welt bauen, aber die Menschen werden es nicht kaufen, weil es eben ein Seat ist. Aber vielleicht lassen sie sich dann von einem Cupra überzeugen. Natürlich arbeiten wir in diesen Märkten, damit Seat wächst. Jedoch brauchen wir für diesen Prozess mehr Zeit, als für die Einführung der Marke Cupra.

Eine recht optimistische Einschätzung …

Meine Erfahrung zeigt mir, dass man eine Marke, die eine große Geschichte hat, ziemlich einfach wiederbeleben kann. Oder man erschafft eine Marke komplett neu – und genau das haben wir mit Cupra vor.

Wie wollen Sie dann die Cupra-Marke positionieren?

Cupra soll die Marke Seat ergänzen und Kunden gewinnen. Außerdem wird die Arbeit des Cupra-Teams das ganze Seat-System in eine neue Richtung bewegen. Wenn die Cupra-Mannschaft etwas Cooles macht, wollen die anderen natürlich nachziehen. Trotzdem soll Cupra den anderen immer eine Runde voraus sein.

Der Cupra als Technologie-Schrittmacher?

Wir müssen in den nächsten Jahren viel Technologie in unsere Autos bringen und einen Plug-in-Hybriden in einen Ibiza für 15.000 Euro zu stecken, wird schwierig. In Autos, die 40.000 Euro kosten, ist das einfacher. Das gilt übrigens auch für die Konnektivität und die Fahrassistenzsysteme. In diesen Preisregionen, in denen wir uns mit Cupra bewegen, haben wir Kunden, die für diese Extras Geld ausgeben und später kann ich diese Technologie auf den Rest der Marke ausrollen.

Welche Argumente sprechen denn dafür, dass die Kunden die Marke Cupra annehmen werden?

Wir werden Cupra als eine sehr spezielle, exklusive Marke positionieren und die Menschen wollen sich vom Rest unterscheiden. Wir wollen mit Cupra keine Verkaufsrekorde brechen, sondern die Marke wird ein Testlabor für die Anwendungen sein, die wir in der Zukunft in allen Seat-Fahrzeugen bringen wollen. Deswegen wird es wohl bei Cupra immer nur limitierte Editionen geben. Außerdem können wir mit diesen Autos richtig Geld verdienen.

Es heißt, Edelmarken funktionieren in den USA, aber nicht in Europa. Und Seat ist bislang eher auf Europa fokussiert …

Das kann schon klappen. Wie Fiat Abarth und Audi Sport zeigen, funktionieren solche Marken auch in Europa. Während meiner Audi-Zeit hat Audi Sport die Verkäufe verdoppelt und zwar mit dem selben Produktportfolio. Mit Cupra setzen wir aber nicht nur auf Sport und möglichst viel „wrumm wrumm“, es geht auch um Individualisierung.

Apropos Verkauf: Wie wollen Sie das Cupra-Konzept beim Händler umsetzen?

Grundsätzlich kann jeder Händler Cupra-Autos verkaufen. Darüber hinaus werden wir 20 Prozent der Händler auf Cupra spezialisieren, was diejenigen zwischen 15.000 und 35.000 Euro kosten wird. Mit dem Geld soll ein eigener Verkaufsbereich geschaffen werden, wenn aber jemand einen eigenen Showroom in der Stadtmitte installieren will, ist das auch kein Problem. Da machen wir den Händlern keine Vorschriften.

Gibt es Besonderheiten in der Kundenansprache?

Für uns ist der persönliche Kontakt zum Kunden wichtig. Deswegen wird es einen sogenannten „Cupra-Master“ geben, eine Person, die über Jahre hinaus mit dem Kunden in Kontakt bleibt und dessen Wünsche kennt.

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