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Daimler im Abwärtssog – Källenius muss sparen

| Autor/ Redakteur: dpa/sg / Svenja Gelowicz

Die Sorge um den schwäbischen Autokonzern wächst: Für das zweite Quartal weist der Premiumhersteller einen Milliardenverlust aus. Vorstandschef Ola Källenius kündigte ein breites Sparpaket an, das er im Herbst vorstellen wird.

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Unter dem Strich verbuchte Daimler von April bis Ende Juni einen auf die Aktionäre entfallenden Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro..
Unter dem Strich verbuchte Daimler von April bis Ende Juni einen auf die Aktionäre entfallenden Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro..
( Bild: Daimler )

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius beginnt seine Zeit an der Spitze des Autobauers mit ungewohnt roten Zahlen. Schwächelnde Märkte weltweit und Anlaufschwierigkeiten mit neuen Modellen setzen dem Stuttgarter Konzern derzeit ebenso zu wie diverse teure Langzeit-Probleme – nicht nur mit dem Diesel. Im zweiten Quartal, für das Daimler am Mittwoch die Zahlen vorlegte, rissen milliardenschwere Rückstellungen die Stuttgarter in die roten Zahlen, Källenius hatte innerhalb weniger Wochen zwei Gewinnwarnungen aussprechen müssen.

Daimler verbuchte unter dem Strich von April bis Ende Juni einen auf die Aktionäre entfallenden Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch 1,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht. „Die Zahlen sind alles andere als zufriedenstellend“, sagte Källenius.

Källenius will die schlechte Bilanz des Konzerns mit einem Kraftakt im zweiten Halbjahr aufpolieren. „Wir wollen das Blatt wenden“, sagte der erst seit rund zwei Monaten amtierende Vorstandschef Ola Källenius in einer Telefonkonferenz am Mittwoch (24. Juli) vor allem mit Blick auf die Pkw-Sparte Mercedes-Benz.

Die Schwaben wollen sparen: Fokus auf Effizienz

Einiges soll in den nächsten Monaten anders laufen: Källenius erwartet eine bessere Fahrzeugverfügbarkeit und Impulse von einem Dutzend neuer oder überarbeiteter Fahrzeuge, zum Beispiel dem GLB. Während die Anlaufkurve durch hohe Nachfrage und „lieferantenbedingt“ bei den Modellen GLE und GLS unterhalb des Plans lag, soll die Situation nun durch verschiedene Maßnahmen verbessert werden. Die betreffen laut Källenius die Zulieferer und die Werke. Man haben ein „hohes Interesse“, die Produktion zu steigern.

Källenius will insgesamt alles noch mehr straffen, effizienter machen und womöglich auch Hand an die Modellpalette legen. Wo genau gespart werden soll, bleibt aber offen. Gerüchten zufolge will Daimler die erst im Jahr 2017 eingeführte X-Klasse streichen. Bei den Verbrennungsmotoren spricht Källenius von einer „Simplifizierung des Portfolios“. Klar ist nur, dass es keinen aktiven Personalabbau geben soll.

Sorgen um Daimlers Van-Sparte

Als Grund für die schwachen Ergebnisse hatte der Autohersteller zusätzliche Rückstellungen für den Dieselskandal und für Rückrufe wegen möglicher Airbag-Probleme genannt. Dazu kommen Anlaufschwierigkeiten mit neuen Modellen und Probleme in der Van-Sparte, die im zweiten Quartal ganz allein einen Milliardenverlust eingefahren hat. Insgesamt belasteten Sondereinflüsse das operative Ergebnis mit 4,2 Milliarden Euro, davon 2,6 Milliarden für die Dieselprobleme. Aus 2,6 Milliarden Gewinn vor Zinsen und Steuern vor einem Jahr wurden so wie bereits bekannt 1,6 Milliarden Euro operativer Verlust im zweiten Quartal.

Auch ohne die Sondereinflüsse machte die Pkw-Sparte Mercedes-Benz keine gute Figur, die operative Marge wäre aus dem laufenden Geschäft von 8,4 auf 5,2 Prozent gesunken. Absatzprobleme auch wegen teilweise nicht verfügbarer Modelle, Preisdruck und Wechselkurseffekte belasteten. Mercedes-Benz geht im Gesamtjahr nun nur noch von einem Umsatz auf Vorjahresniveau aus. Er erwarte im Pkw-Geschäft im zweiten Halbjahr eine Trendwende, sagte Källenius – insbesondere durch ein starkes viertes Quartal.

Sparbemühungen „auf breiter Front“

Daimler ist auch weit weg von der eigenen mittelfristigen Zielsetzung von acht bis zehn Prozent in der Sparte Pkw, die Källenius zwar aus strategischer Sicht bestätigte. Ob die Spanne aber wie bisher geplant 2021 wieder erreicht wird, wollte er zunächst nicht sagen und verwies auf eine Investorenveranstaltung Mitte November. Auch wollte er keine umfassenden Details zu den „auf breiter Front“ angestoßenen Sparbemühungen im Konzern nennen, kündigte aber für den Herbst ein komplettes Paket an strategischen Maßnahmen an. Der Umsatz lag im zweiten Quartal mit 43 Milliarden Euro dank der gut laufenden Lkw-Sparte um fünf Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

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