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Elektrifizierungs-Strategie Daimler investiert in grüne Antriebe

| Autor / Redakteur: SP-X/Michael Gebhardt / Christian Otto

Mehr als sieben Milliarden Euro will Daimler investieren, um neben den Verbrennungsmotoren vor allem die Plug-in-Hybrid-Technik, die reinen E-Fahrzeuge und die Brennstoffzelle zu optimieren. Mit dem GLC F-Cell soll 2017 das erste Wasserstoff-Auto von Mercedes-Benz in Serie gehen.

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Der Prototyp des Mercedes-Benz GLC-F-CELL zeigt die nächste Generation Brennstoffzellenfahrzeug von Mercedes-Benz und ist Teil der Elektrifizierungs-Strategie des Herstellers.
Der Prototyp des Mercedes-Benz GLC-F-CELL zeigt die nächste Generation Brennstoffzellenfahrzeug von Mercedes-Benz und ist Teil der Elektrifizierungs-Strategie des Herstellers.
(Bild: Daimler)

Ingenieure widmeten sich dem Elektroantrieb schon kurz nach der Erfindung des Automobils vor rund 130 Jahren. Allerdings setzte sich dann der Verbrennungsmotor durch, und verteidigte seine dominante Stellung ein gutes Jahrhundert lang. Ottomotoren wie Selbstzünder spielen weiterhin eine wichtige Rolle, doch stehen den Kunden immer mehr neue Antriebsoptionen zur Wahl. Fakt ist, dass heute rund 99 Prozent aller Mercedes-Fahrer mit einem Verbrennungsmotor unter der Haube unterwegs sind. Da sich diese Quote in absehbarer Zeit nicht drastisch ändern wird, wollen die Stuttgarter zumindest ihre Benziner und Diesel noch effizienter machen.

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Verbrenner weiter optimieren

Den Startschuss liefert der neue Vierzylinder-Diesel im E 220 d, dessen Normverbrauch bei 3,9 Liter liegen soll. Dieser Wert wurde, wie Daimler-Vorstand Ola Källenius bei der E-Klasse T-Modelle-Premiere betonte, auch bei realen Fahrtests nachgewiesen. Aus dem neuen Diesel soll eine komplette Motorenfamilie entstehen. Im nächsten Schritt plant Mercedes die weitergehende Elektrifizierung der Verbrenner. Das 48-Volt-Bordnetz ist hier ein wichtiger Schlüssel. In Verbindung mit neuen Starter-Generatoren sollen so auch herkömmliche Motoren ohne aufwändige und teurere Hybridtechnik Energie beim Bremsen zurückgewinnen, beim Beschleunigen einen kleinen Elektro-Boost nutzen und rein elektrisch anfahren können. Zusätzlich kommen die beim Diesel lange gängigen Partikelfilter schon ab dem Jahr 2017 auch beim Benziner zum Einsatz. Auch das reduziert Emissionen.

Plug-in-Hybride breiter ausgerollt

Noch weiter gehen die Plug-in-Hybride, die ihre Batterie an der Steckdose aufladen können und schon heute rund 30 Kilometer elektrische Reichweite erlauben. Mit der S-Klasse-Modellpflege im Jahr 2017 will Daimler die mögliche Stromer-Strecke auf 50 Kilometer anheben. In Kombination mit dem E-Antrieb für die Kurzstrecke kommt auch die neue Generation von Verbrennern zum Einsatz. Immer intelligentere Betriebsstrategien sollen zusätzlich helfen, die Emissionen zu reduzieren: Die Software versucht, zu jedem Zeitpunkt die bestmögliche Antriebskombination aus Stromer und Verbrenner zu finden. Aktuell hat Daimler schon C-, E und S-Klasse sowie GLC und GLE mit der Plug-in-Technik ausgestattet. Weitere Modelle sollen bald folgen.

Darüber hinaus soll es mehr Modelle geben, die auf den Benziner oder Diesel gänzlich verzichten. Noch dieses Jahr legt Mercedes die neue Generation des Elektro-Smarts auf – als Zweitürer und als Viertürer – und auf dem Pariser Autosalon im Herbst will der OEM die Studie eines komplett neuen Elektro-Modells zeigen. Basis dafür ist ein neuer Elektro-Baukasten, auf dem künftig viele weitere E-Modelle aufbauen. Die versprochene Reichweite: bis zu 500 Kilometer. Allerdings wird das Laden der Akkus auch künftig mehr Zeit beanspruchen, als das klassische Tanken. Aber komfortabler soll es sein: Mittels Induktion über im Boden eingelassene Spulen lassen sich darüber parkende Fahrzeuge mit Strom versorgen.

Brennstoffzelle im GLC

Auch das Thema Wasserstoff verfolgt Mercedes weiter: So sollen etwa 400 Wasserstoff-Tanksäulen entstehen. Das ist auch dringend nötig, denn das Thema Brennstoffzelle benötigt einen Schub. Seit 20 Jahren schon arbeitet Daimler an der Technik, die aus Wasserstoff Strom macht. Mit dem GLC F-Cell soll sie nun 2017 endgültig in Serie gehen. Doch das SUV kann noch mehr: Daimler plant, den GLC als Brennstoffzellen-Plug-in-Hybrid auszulegen. Auf der Kurzstrecke bezieht der Benz den zum Fahren benötigten Strom aus seiner 9-kWh-Batterie und lässt den Wasserstofftank unberührt. Der wird auf der Langstrecke gebraucht, und ließe sich bei Bedarf in rund drei Minuten wieder auffüllen.

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Doch die fortschreitende Elektrifizierung – sei es im 48-Volt-Bereich, in den Plug-in-Hybriden oder den reinen E-Autos – kostet Geld. Daimler will deshalb in den kommenden Jahren rund die Hälfte der geplanten Investitionen für die Fahrzeugentwicklung von 14,5 Milliarden Euro für grüne Technologien einsetzen. Das verkündeten die Verantwortlichen im Rahmen des „TecDay Road to the Future – Drive Train“. Davon gehen auch 500 Millionen Euro in das eigene Batteriewerk im sächsischen Kamenz.

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