Geschäftszahlen 2020 Daimler macht trotz Corona mehr Gewinn und setzt sich große Ziele

Autor / Redakteur: dpa / Tanja Schmitt

Lange hat Daimler die Erwartungen gebremst, doch das Geschäft lief 2020 deutlich besser als gedacht. Nun will der Autobauer schnell zurück in alte Renditezeiten.

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Die Stimmung in der Daimler-Zentrale in Stuttgart dürfte an diesem Tag hervorragend sein. Der Autobauer veröffentlichte seine Zahlen.
Die Stimmung in der Daimler-Zentrale in Stuttgart dürfte an diesem Tag hervorragend sein. Der Autobauer veröffentlichte seine Zahlen.
(Bild: Daimler)

Daimler hakt die Corona-Pandemie weitgehend ab und setzt sich wieder deutlich größere Ziele. Schon für das laufende Jahr stellte Vorstandschef Ola Källenius am Donnerstag (18. Februar) wieder die Renditen in Aussicht, die die Aktionäre des Auto- und Lastwagenbauers jahrelang gewohnt waren – bevor die hohen Kosten für den Einstieg in die Elektromobilität und vor allem auch die teuren Diesel-Altlasten noch vor Corona den Gewinn in den Keller trieben.

„Das Jahr 2020 war ein Stresstest für beinahe jedes Unternehmen in fast jeder Branche“, sagte Källenius. Aber trotz Pandemie habe man bewiesen, dass man die Transformation aus eigener Kraft vorantreiben könne, sagte Källenius. Der Konzern habe die Kosten reduziert und sei vor allem im zweiten Halbjahr deutlich profitabler geworden.

2020: 50 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr

2020 verbuchte Daimler unter dem Strich einen auf die Aktionäre entfallenden Gewinn von 3,6 Milliarden Euro. Das waren 1,2 Milliarden Euro oder 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ohne den sogenannten Abzug von Minderheitenanteilen blieben vier Milliarden Euro – ein Plus von 48 Prozent. Der Umsatz hingegen sank im Vergleich zu 2019 um elf Prozent auf 154 Milliarden Euro. Auch der Absatz lag mit 2,8 Millionen verkauften Fahrzeugen 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Mehr Dividende für die Aktionäre

Rund 1,4 Milliarden Euro will der Konzern als Dividende an die Aktionäre ausschütten. Das wären 1,35 Euro pro Aktie, 45 Cent mehr als im Vorjahr. Für 2021 stellte Källenius deutliche Sprünge sowohl bei Absatz und Umsatz, als auch beim operativen Ergebnis in Aussicht. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere positive Dynamik beibehalten können, wenn die Marktbedingungen so bleiben“, sagte er. Die Pkw- und Vans-Sparte Mercedes-Benz soll dadurch schon in diesem Jahr auf eine bereinigte Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent kommen.

Bei den zuletzt schwer gebeutelten Lastwagen und Bussen rechnen die Stuttgarter mit sechs bis sieben Prozent operativer Marge. Die Ziele entsprechen im Wesentlichen dem, was sich Daimler – damals noch in etwas anderer Konzernstruktur – in Normalzeiten vorgenommen hatte.

Neue Konzernstruktur: Mercedes-Benz und Daimler Truck

Seine jetzige Struktur hatte der Konzern erst 2019 bekommen. Nun soll sie schon wieder geändert werden. Das komplette Geschäft soll künftig auf nur noch zwei unabhängige börsennotierte Unternehmen verteilt werden – Mercedes-Benz für Pkws und Vans und Daimler Truck für Lastwagen und Busse. Die Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen, bisher noch eigenständig unter dem gemeinsamen Daimler-Dach, sollen in den anderen Bereichen aufgehen. Die Daimler AG wird langfristig verschwinden. Die beiden Unternehmen könnten sich damit besser auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren und mehr Potenzial entfalten, betonte Källenius am Donnerstag erneut.

Mit der Strategie im Autobereich sei man auf dem richtigen Weg, sagte Källenius. Der Absatz von Plug-in-Hybriden und komplett elektrischen Autos sei auf rund 160.000 verdreifacht worden, die CO2-Vorgaben der EU habe man eingehalten. „Das zeigt, dass wir in die richtige Richtung gehen“, sagte er. Dieses Jahr bringt Mercedes-Benz eine ganze Reihe neuer Elektromodelle auf den Markt und will doppelt so viele verkaufen wie 2020.

Die Kostenstruktur ist geblieben

Dass die gute Entwicklung Begehrlichkeiten weckt, ist geradezu zwangsläufig. Mit den Beschäftigten hatte der Konzern im Sommer eine Reihe von Einschnitten vereinbart, um die Folgen der Pandemie abzufedern – unter anderem die Senkung der Arbeitszeit. Davon müsse man nun schnell wieder weg, hat Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht dieser Tage schon gefordert. IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger schlug am Donnerstag im SWR in dieselbe Kerbe. Auch da winkt Källenius aber ab. Am grundsätzlichen Problem der Kostenstruktur habe sich nichts geändert, sagte er. Da müsse man über Jahre ran. „Das ist nichts, was man über Nacht löst.“

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