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Vernetzung Daimler Trucks: Vernetzt effizienter

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Daimler Trucks greift nach der Cloud. Der Nutzfahrzeugbereich des Stuttgarter Konzerns investiert eine halbe Milliarde Euro in die vollständige Vernetzung der Lkw mit den Transportbeteiligten.

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Daimler Trucks greift nach der Cloud: Der Nutzfahrzeugbereich investiert eine halbe Milliarde Euro in die vollständige Vernetzung der Lkw mit den Transportbeteiligten.
Daimler Trucks greift nach der Cloud: Der Nutzfahrzeugbereich investiert eine halbe Milliarde Euro in die vollständige Vernetzung der Lkw mit den Transportbeteiligten.
(Foto: Daimler)

Alle Aktivitäten um die Konnektivität von Lkw und Bussen von Daimler integriert der neu geschaffene Geschäftsbereich Digital Solutions & Services seit 1. April 2016. Das sind zwei Neuheiten, die Daimler auf seinem „Campus Connectivity“ in Düsseldorf präsentierte – und eine Weltpremiere: drei teilautonom fahrenden Mercedes-Benz Lkw, die sich über WLan zum Platoon mit Straßenzulassung vernetzten. Was heute fehlt, sind Echtzeitinformationen, und die kann der vernetzte Truck liefern, erklärte Dr. Wolfgang Bernhard, Chef des Unternehmensbereichs Trucks & Buses der Daimler AG, jetzt in Düsseldorf: „Der vernetzte Truck wird der zentrale Datenknotenpunkt des Logistiknetzwerks.“ Für Bernhard legt Daimler damit „den Grundstein für die dritte industrielle Revolution. In der Ära des Internets der Dinge werden alle Geräte und Maschinen über Sensoren verfügen, die jederzeit sekundenaktuelle Informationen liefern können. Dies wird die Art und Weise, wie wir wirtschaften, grundlegend verändern. Unsere Lkw vernetzen sich vollständig mit allen Transportbeteiligten, sie senden und empfangen permanent Informationen.“

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Fahrzeuge besser auslasten

Diese Echtzeitdaten können alle im Logistikprozess für ihre Bedarfe nutzen, so Bernhard. Damit lassen sich künftig beispielsweise Wartezeiten beim Be- und Entladen reduzieren, Verwaltungsaufwand verringern und Staus vermeiden. Durch technische Updates über Funk oder die automatische Übermittlung der Ankunftszeit des Lkw in der Werkstatt, lassen sich auch die Servicezeiten deutlich senken. „Damit steigern wir die Leistungsfähigkeit des gesamten Warentransports erheblich. Das ist eine Riesenchance, das wachsende Güteraufkommen intelligent zu bewältigen – und wir werden sie nutzen“, erklärte das Daimler-Vorstandsmitglied. Aus der Vielzahl von Daten, die ein Truck senden und empfangen kann, entstehen völlig neue Möglichkeiten für die gesamte Logistikbranche und die Gesellschaft. Durch neue Frachtbörsen auf Basis der Daten aus den vernetzten Lkw können Logistik-Unternehmen ihre Fahrzeuge künftig deutlich besser auslasten und damit Leerfahrten reduzieren. In Europa sind immerhin noch rund 25 Prozent aller gefahrenen Lkw-Kilometer Leerfahrten. Auch könnten durch Echtzeitinformationen Lkw mit intelligenten Sensoren künftig Auffahrunfälle vermeiden oder Staus umfahren. Allein in Deutschland wurden laut Daimler 2015 rund 568.000 Staus gezählt, die sich auf eine Gesamtlänge von rund 1,1 Millionen Kilometern summierten – erhöhter Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß inklusive.

Daten von der Straße zur Zentrale

Jetzt bringen die Stuttgarter den Truck ins Internet und haben sich darauf gut vorbereitet. Seit dem Jahr 2000 offerieren sie mit FleetBoard einen erfolgreichen Telematikdienst für Lkw. In dem Bereich weltweit führend sind derzeit bei etwa 6.000 Kunden damit rund 180.000 Fahrzeuge unterwegs. In den USA kommen mehr als 185.000 Fahrzeuge hinzu, die mit Detroit Connect flott gehalten werden. Diese Telematiklösung bietet Daimler gemeinsam mit Zonar seit 2011 in den USA und Kanada an. Zonar Systems Inc. ist einer der führenden Anbieter von Logistik-, Telematik- und Konnektivitäts-Lösungen in Nordamerika, mit dem Daimler in einer Minderheitsbeteiligung die Zusammenarbeit vertieft. FleetBoard gehört zu den innovativsten Anbietern in der Telematik. Die Daimler-Tochter sammelt viele Daten über Zustand, Tour und Position des Fahrzeugs und überträgt sie mittels Mobilfunk an die Zentrale. Sie dienen dem Kunden für Fuhrpark, Auftrags- und Fahrermanagement, wobei sich auch Fahrzeuge anderer Hersteller jederzeit mit der FleetBoard-Hardware ausrüsten lassen.

Bei Detroit Connect sendet beispielsweise das System „Virtual Technician“ als Teilkomponente bei aufleuchtender Warnanzeige eine Echtzeitaufnahme vom technischen Zustand des Motors an das Detroit Kundenservice Center. Von dort erhält der Betreiber minutenschnell eine Handlungsempfehlung via E-Mail, etwa ob das Fahrzeug direkt eine Werkstatt ansteuern muss oder der Wartungstermin auch nach Abschluss des Transportauftrags eingeplant werden kann. Mit einer weiteren Zonar-Software haben Fuhrparkbetreiber etwa Position, Geschwindigkeit, Benzinverbrauch eines Trucks oder der Flotte vor Augen. Als mobiles Endgerät wird das „Zonar’s 2020 Tablet“ eingesetzt. Es informiert den Fahrer mit Text- oder Sprachnachrichten, er kann Inspektionen vor und nach der Fahrt dokumentieren und das Tablet für eine professionelle Navigation nutzen. Mit den Beispielen will Daimler eines verdeutlichen: „Niemand hat auf diesem Gebiet mehr Erfahrung als Mercedes-Benz Lkw“, meint Stefan Buchner, Leiter des Bereichs. „Als im November 2007 das erste iPhone vorgestellt wurde, nutzten unsere Kunden schon sieben Jahre lang FleetBoard.“ Um auch in Zukunft an der Spitze der Entwicklung neuer digitaler Lösungen rund um den vernetzen Lkw zu stehen, sagt Buchner, nimmt ab 1. April 2016 die neue Einheit Digital Solutions & Services die Arbeit auf.

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