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Wirtschaft Daimler will nach Milliardenverlust noch mehr sparen

| Autor / Redakteur: dpa/sg / Svenja Gelowicz

Medienberichte, wonach Daimler bis zu 30.000 Stellen streichen könnte, will der Konzernchef Ola Källenius nicht kommentieren. Stattdessen schwört er auf den neuen Kurs „Luxus“ ein.

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Daimler-Chef Ola Källenius.
Daimler-Chef Ola Källenius.
(Bild: Daimler)

Die Coronakrise stürzt den Autobauer Daimler tief in die roten Zahlen. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern wie erwartet auch unter dem Strich ein dickes Minus ein. Der auf die Aktionäre entfallende Verlust lag bei rund zwei Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag (23. Juli) mitteilte. Er war damit sogar noch deutlich größer als vor einem Jahr, als Daimler wegen milliardenschwerer Rückstellungen für die Dieselaffäre und Airbag-Rückrufen vorübergehend in die Miesen rutschte. Auch der Umsatz ging deutlich um 29 Prozent auf 30 Milliarden Euro zurück.

„Aufgrund der beispiellosen Covid-19-Pandemie mussten wir ein herausforderndes Quartal durchstehen“, sagte Vorstandschef Ola Källenius. Insbesondere bei den Pkws gebe es jetzt aber erste Anzeichen einer Absatzerholung. Källenius betonte erneut, dass der Konzern seine Kosten dauerhaft senken müsse, zugleich aber an seinen strategischen Zielen in Sachen Digitalisierung und Elektrifizierung festhalte. Källenius will so die Gewinnschwelle erreichen. Die Coronavirus-Pandemie hat die Situation bei den Stuttgartern noch verschärft.

Spekulationen um Jobs bei Daimler: Wie viele Stellen sind in Gefahr?

Daimler will nach Worten von Vorstandschef Ola Källenius zwar mehr sparen als bisher angekündigt, aber noch keine konkreten Angaben dazu machen. „Es macht beim derzeitigen Stand keinen Sinn, eine Zahl dazu herauszugeben“, sagte Källenius am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren. Das ursprüngliche Ziel aus dem vergangenen November, bei den Personalkosten 1,4 Milliarden Euro bis Ende 2022 einsparen zu wollen, wolle Daimler aber erhöhen – und auch zeitlich ausdehnen. Källenius kündigte an, das solle bei Daimler auf „sozial verantwortungsvolle“ Weise geschehen.

Derzeit laufen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über Umfang und Ausmaß von Stellenstreichungen. Personalchef Wilfried Porth hatte bereits angekündigt, dass es mehr als zuletzt kolportierte 15.000 Stellen sein dürften, die von den konzernweit 300.000 wegfallen. Aus Konzernkreisen war zuletzt verlautet, es könnte um bis zu 20.000 Stellen gehen, das „Manager-Magazin“ hatte am Mittwoch (22. Juli) unter Berufung auf eigene Informationen über bis zu 30.000 Jobs gesprochen. Laut dem „Handelsblatt“ sollen die Personalkosten um rund zwei Milliarden sinken.

Details nennt Källenius auch nicht, wenn es um mögliche weitere Reduzierungen der Produktionskapazitäten in den Werken geht. Bekannt ist schon, dass Daimler sein Werk im französischen Hambach verkaufen will.

Mehr Luxus, mehr Marge

Man habe trotz Krise die Arbeit an den strategisch wichtigen Zukunftsthemen Digitalisierung und Elektrifizierung vorantreiben können, betonte der Daimler-Chef weiterhin. Trotzdem müsse die Gewinnschwelle auf lange Sicht sinken. „Es ist auch strategisch wichtig, das Unternehmen wetterfester zu machen“.

Källenius bekräftigte bei einer Telefonkonferenz am Donnerstagmorgen außerdem erneut, dass Daimler seinen Kern als „Hersteller von modernen Luxusfahrzeugen“ stärken wolle. Die Zukunft liege im oberen Segment, die neue S-Klasse und das E-Modell EQS, seien beispielhafte Schritte in diese Zukunft. Mehr über die Neuausrichtung wolle man in einigen Monaten kommunizieren.

Für das gesamte Jahr 2020 rechnet der Konzern trotz allem mit einem positiven Ergebnis im operativen Geschäft – vorausgesetzt, dass sich die wirtschaftliche Erholung fortsetze und es keine weiteren größeren Corona-Infektionswellen in den wichtigen Absatzmärkten gebe, hieß es. An den ohnehin schon schwachen Vorjahreswert von 4,3 Milliarden Euro wird das Ergebnis vor Zinsen und Steuern aber dennoch nicht heranreichen.

Auch beim wichtigen Mittelzufluss aus dem industriellen Geschäft – sprich ohne die Finanzdienstleistungen sowie ohne das Carsharing- und Mobilitätsgeschäft – rechnet Källenius nun mit einem positiven Wert, wenn auch unter dem Vorjahresniveau von 1,4 Milliarden Euro.

Absatzrückgang: Aufholjagd für laufendes Jahr wohl aussichtslos

Erste Zahlen zum zweiten Quartal hatte Daimler schon vor einer Woche veröffentlicht, weil sie trotz des Milliardenverlusts besser aussahen als allgemein befürchtet worden war. Das hatte der Aktie weiter auf die Beine geholfen, die sich schon ordentlich vom Corona-Crash im Februar und März erholt hatte. Mitte März war das Papier auf 21 Euro abgestürzt, zuletzt kostete es zum Handelsschluss am Mittwoch wieder gut 39 Euro.

In Folge des Stillstands in vielen Werken und Autohäusern hatte die Stammmarke Mercedes-Benz im zweiten Quartal mit insgesamt 458.000 Autos weltweit 20 Prozent weniger Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert als ein Jahr zuvor. Konzernweit schrumpfte der Absatz um 34 Prozent auf rund 541.800 Pkw und Nutzfahrzeuge.

Dass der Pandemie-bedingte Absatzrückgang bis zum Ende des Jahres noch aufgeholt werden kann, glaubt der Konzern allerdings nicht. Deshalb müssten die Effizienz- und Kapazitätsmaßnahmen intensiviert werden, hieß es.

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