Glänzende Bilanz Daimler will trotz Milliardengewinn weiter Personal abbauen

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Mehrere Milliarden Euro Reingewinn im ersten Halbjahr – und dennoch geht der in der Krise verschärfte Personalabbau weiter? Daimler sorgt damit für Aufsehen.

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Daimler-Chef Ola Källenius macht sich mit seinem Sparkurs intern nicht überall beliebt.
Daimler-Chef Ola Källenius macht sich mit seinem Sparkurs intern nicht überall beliebt.
(Bild: Daimler)

Trotz der andauernden Coronakrise und Lieferengpässen bei wichtigen elektronischen Bauteilen lief das erste Halbjahr für den Stuttgarter Konzern blendend. Bis Ende Juni verdiente das Unternehmen netto knapp acht Milliarden Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Verlust von 1,9 Milliarden angefallen war. Der Umsatz kletterte verglichen mit dem coronabedingt eingebrochenen Geschäft vor einem Jahr um 25 Prozent auf knapp 85 Milliarden Euro.

Betriebsrat geht auf Konfrontation

Dennoch will der Daimler-Vorstand an seinem Sparkurs festhalten. Früheren Berichten zufolge sollen allein über diesen Weg zwischen 20.000 und 30.000 Jobs wegfallen. „Weder können wir noch wollen wir das schwäbische Gen des Sparens aufgeben“, sagte Konzernchef Ola Källenius am Mittwoch (21. Juli) und ging auf Konfrontation zum Betriebsrat, dessen Chef Michael Brecht angesichts bestens laufender Geschäfte ein Einlenken gefordert hatte.

Daimler hatte vor rund einem Jahr zu Beginn der Pandemie wegen tiefroter Zahlen und einem Nachfrageeinbruch seinen Sparkurs nochmals verschärft. Vor allem über Abfindungsprogramme sollen Tausende Jobs abgebaut werden. Der Konzern äußert sich nicht zu Zahlen, bestätigt aber deutliche Einsparungen, die auch im Vergleich zu anderen Autobauern wie Volkswagen und BMW umfassender ausfallen dürften. BMW hatte in der Krise in einem ersten Schritt den Abbau von rund 6.000 Stellen bestätigt, VW in erster Linie über einen vorübergehenden Neueinstellungsstopp gespart.

Källenius verteidigt Sparprogramm

Källenius befand, trotz guter Geschäftszahlen müsse weiter an der Effizienz gearbeitet werden, zumal Daimler derzeit „erhebliche Milliardenbeträge“ für den angepeilten Umbau von Verbrennungs- hin zu Elektromotoren aufwende. Ein Ende des Sparens wäre schon deshalb „nicht die beste Strategie für die Bewältigung der Transformation“, urteilte Källenius und zog den Vergleich zu einem Ausnahmesportler.

Wenn er die Frage höre, ob man das Sparprogramm nicht abmildern könne, sei das so, als ob ein Topathlet sage: „Naja, jetzt trainiere ich ein bisschen weniger, ich bin ja schon schnell.“ Das sei die falsche Mentalität. Das Jahrzehnt der Transformation werde noch teuer. Man dürfe Kostensenkungen nicht wieder kassieren, nur weil „der Zwischenspurt finanziell gut“ aussehe.

Bereits 10.000 Stellen abgebaut

Weltweit hatte Daimler Ende 2019 rund 298.700 Beschäftigte, Mitte 2020 noch 293.700 und inzwischen 289.600. Die Zahl dürfte weiter zurückgehen – obwohl Daimler nicht nur Stellen abbaut, sondern vor allem im für die Elektromobilität mitentscheidenden Software-Segment auch Tausende neue Jobs schafft.

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