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OEM Daimler zielt auf Gewinnsteigerung

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm, Andree Stachowski

Noch hat der Kältemittelstreit keine Spuren in der Daimler-Bilanz hinterlassen. Der Konzern gibt sich angriffslustig, den Schwung des zweiten Quartals für steigende Gewinne zu nutzen. Die guten Zahlen verdankt Daimler aber vor allem den Verkauf von restlichen EADS-Anteilen.

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Nach dem guten Ergebnis im zweiten Quartal erwartet Daimler in den kommenden Monaten ein deutliches Gewinnplus.
Nach dem guten Ergebnis im zweiten Quartal erwartet Daimler in den kommenden Monaten ein deutliches Gewinnplus.
(Foto: Daimler)

Dank eines überraschend soliden zweiten Quartals traut sich der Autobauer Daimler wieder große Schritte zu. Nachdem der maßgebliche Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus fortgeführten Geschäften mit 2,1 Milliarden Euro nur noch knapp unter dem Vorjahreswert von 2,3 Milliarden lag, blies Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch zum Angriff: „Daimler geht es gut und es wird noch besser in diesem Halbjahr – und vor allem 2014“, sagte er bei der Bilanzvorlage. Vom nächsten Jahr an will der Konzern wieder steigende Gewinne quer durch seine Sparten vermelden können.

Nach dem desaströsen ersten Quartal mit einem Einbruch beim Ebit von mehr als der Hälfte und einer neuerlichen Gewinnwarnung sieht Konzernlenker Zetsche den Autobauer aber wieder auf Kurs. Bei den neuen Hoffnungsträgern der kompakten A- und B-Klasse sei die Entwicklung besser als erwartet. Gerade die A-Klasse macht den Stuttgartern Freude, weil jeder zweite Käufer von der Konkurrenz abgeworben wurde. Das sei ein „ungewöhnlich hoher Wert“, sagte Zetsche. Außerdem seien die neuen Käufer deutlich jünger als bei der Vorgängerbaureihe.

Kältemittel-Streit belastet

Doch ein Aspekt der A-Klasse bereitet dem Autobauer dennoch Kopfschmerzen: die Kältemittel-Diskussion. Im Streit um das möglicherweise hochgefährliche Kältemittel R1234yf für Autoklimaanlagen haben sich die Fronten verhärtet – und mögliche Folgen sind noch nicht absehbar. Zwar betonte Finanzchef Bodo Uebber, dass Daimler keinen Grund sehe, Rückstellungen für mögliche Konsequenzen vorzunehmen. Doch seit Frankreich sich weigert, einige Mercedes-Modelle mit dem alten – und zum Teil verbotenen – Kältemittel zuzulassen, spürt Daimler den Streit auch im Geldbeutel.

Denn die Stuttgarter müssen ihren Kunden unter anderem Ersatzautos bereitstellen. „Das ist natürlich mit Kosten verbunden“, bekannte Zetsche, ohne Zahlen zu nennen. Daimler sieht sich zwar im Recht. Der Konzern hat vom Kraftfahrtbundesamt eine nachträgliche Zulassung für die Modelle mit dem alten Kältemittel bekommen, die eigentlich in der gesamten EU gelten müsste. Aber laut Zetsche wartet das Unternehmen nach wie vor auf eine offizielle Begründung, warum sich Paris querstellt.

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In der Zwischenzeit blickt die Konzernführung nach vorn. Im zweiten Halbjahr soll die neue S-Klasse mit bislang 20.000 Vorbestellungen den Gewinn der Stuttgarter beflügeln. Auch von der im Frühjahr aufgefrischten E-Klasse erwartet Daimler viel. Zwar geht das Management trotz angepeilter Bestmarken bei Absatz und Umsatz weiterhin davon aus, dass das Ebit aus fortgeführten Geschäften unter den 8,1 Milliarden Euro von 2012 bleiben wird – aber das zweite Halbjahr soll „deutlich besser“ werden als die ersten sechs Monate. Das ist auch bitter nötig, denn zur Jahreshälfte liegt der Wert mit 3,1 Milliarden Euro noch fast ein Drittel unter dem Vorjahr.

EADS-Verkauf schönt die Zahlen

Dass trotzdem der Nettogewinn und das Konzern-EBIT weit über den Vorjahreswerten rangieren, liegt einzig am milliardenschweren Verkauf von Daimlers restlichen EADS-Anteilen. Dieser spülte reichlich frisches Geld in die Kassen: Zur Jahreshälfte lag die Nettoliquidität des Industriegeschäfts mit 11,3 Milliarden Euro rund 1,3 Milliarden höher als zum Ende des ersten Quartals – und das, obwohl Daimler in dieser Zeit gut 2,3 Milliarden Euro an Dividenden ausschüttete.

Mit der neuen Generation der C-Klasse sowie dem GLA, einem Kompakt-SUV, stehen Anfang 2014 dann zwei weitere Hoffnungsträger in den Startlöchern. Gute Voraussetzungen also, um im Wettrennen mit den Oberklasse-Rivalen BMW und der Volkswagen-Tochter Audi endlich Boden gut zu machen.

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