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Bosch Der Diesel auf Wachstumskurs

| Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy / Thomas Günnel

Dieselmotoren haben in den nächsten Jahren gute Chancen, weltweit ihren Marktanteil zu steigern – glaubt jedenfalls die Robert Bosch GmbH. Der Dieselspezialist hat mehrere Trends identifiziert, die dem Selbstzünder in die Karten spielen könnten.

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Dieselmotoren sind auf dem Vormarsch – und das weltweit. So sieht es jedenfalls die Robert Bosch GmbH. Der Dieselspezialist hat nach eigenen Anbagen mehrere Trends identifiziert, die das belegen.
Dieselmotoren sind auf dem Vormarsch – und das weltweit. So sieht es jedenfalls die Robert Bosch GmbH. Der Dieselspezialist hat nach eigenen Anbagen mehrere Trends identifiziert, die das belegen.
(Grafik: Bosch)

Hochburg des Diesels ist und bleibt weiterhin Europa. Jeder zweite weltweit neu zugelassene Pkw oder Truck mit Dieselmotor wurde in Europa registriert. In Deutschland wurden 2012 mehr als 48 Prozent aller neuen Pkw mit Dieselmotor zugelassen. Dieser Wert hat sich in den ersten drei Quartalen des aktuellen Jahres allerdings um einen Prozentpunkt verringert, da viele neue aufgeladene Ottomotoren allmählich dieselähnliche Leistungs-, Drehmoment- und Verbrauchswerte bieten.

Das Problem: Die Stickoxid-Werte

Der Wind bläst dem Dieselmotor auch noch aus anderen Ecken ins Gesicht. So bemängelte die EU-Kommission im Frühjahr, dass in vielen deutschen Ballungsräumen die Schadstoffbelastung der Luft immer noch zu hoch sei. Im Visier der EU-Bürokraten: Die zu hohen Stickoxid-Werte, für die man hauptsächlich die Dieselfahrzeuge verantwortlich macht. Sollten die Verantwortlichen in Deutschland nicht dagegen vorgehen, droht Brüssel mit Strafzahlungen. In die gleiche Kerbe schlägt auch Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des „Center of Automotive Research“ (CAR) der Universität Duisburg-Essen. In einer Studie bemängelt er, dass die aktuelle Kraftstoffbesteuerung in Deutschland den Diesel immer noch bevorzuge und andere Lösungen wie Hybridantriebe mit Ottomotor ausbremse. Die deutsche Automobilindustrie sei weiterhin „zu diesellastig“ und setze beispielsweise massiv auf SUV, die in der Regel mit Dieselmotoren ausgestattet seien.

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„Der Diesel bewegt heute die Welt“

„Der Diesel bewegt heute die Welt und wird das auch noch in den nächsten Jahrzehnten tun“, hält Dr. Markus Heyn, Vorsitzender des Bereichsvorstands Diesel Systems bei Bosch, entgegen. Für ihn ist der Dieselmotor ein Schlüsselfaktor, um beispielsweise das Pkw-Flottenziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Jahr 2020 zu erreichen. Durch höhere Einspritzdrücke und eine Optimierung der Einspritzung sowie der innermotorischen Reibung und die Einführung der Niederdruck-Abgasrückführung will man bis dahin den Verbrauch um weitere 15 Prozent drücken. Auch darüber hinaus sieht Heyn noch genügend Möglichkeiten für Verbrauchsreduzierungen. Besonders interessant ist für Bosch der Plug-in-Dieselhybrid. Oder der flächendeckende Einbau von DeNOx-Systemen, der aus seiner Sicht zur Erfüllung der EU6-Grenzwerte unumgänglich sein dürfte. Bosch hält dafür zwei Systeme bereit: eines mit Ad Blue und SCR-Technik für große Pkw und Nutzfahrzeuge sowie – vor allem für kleinere Pkw – die kostengünstigere NOx-Speichertechnik.

Dual-Fuel-Motoren und Mild-Hybride

Ebenfalls für sehr viel versprechend hält Bosch Dual-Fuel-Motoren, die sich mit Diesel und Erdgas betreiben lassen. Diese Kombination wäre besonders für Lkw interessant, die dann auch ohne ein engmaschiges Erdgas-Tankstellennetz auskommen könnten. Allerdings benötigt dieser bivalente Motor – anders als beim Ottomotor – zwei komplett getrennte Einspritzsysteme und ist somit auf der Kostenseite bisher alles andere als optimal. Sollte die 48 Volt-Bordspannung salonfähig werden, sieht Bosch zwei weitere Trümpfe für den Dieselmotor. Erstens die „milde Hybridisierung“ mit einem zusätzlichen Elektromotor, der den Diesel beim Starten und Segeln sowie durch Boosten und Rekuperieren unterstützt. Zweites As wäre ein elektrisch angetriebener Lader, der mit 48 Volt Bordnetzspannung sehr effektiv das Turboloch des Abgas-Turboladers „stopfen“ könnte. Für diese Technik sieht Heyn jetzt den „richtigen Zeitpunkt, sie genauer anzuschauen“. Er weist aber auch darauf hin, dass der 48-Volt-Hybrid und der elektrische Lader in einem Wettbewerbsverhältnis stehen.

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