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Nissan Der Hochdruck-Dreizylinder

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Nissan hat nicht nur Elektrofahrzeuge im Kopf. Obwohl die Entwicklung des Leaf sicher große Ressourcen gebunden hat, fanden die japanischen Ingenieure noch die Zeit, den herkömmlichen Verbrennungsmotor weiter zu verbessern. Der technisch interessante Dreizylindermotor soll den neuen Micra zu einem der sparsamsten Autos überhaupt machen.

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Mit dem Dreizylinder für den neuen Nissan Micra haben sie ein besonders interessantes Exemplar der Gattung Ottomotor geschaffen. Die Bezeichnung DIG-S (Direct Injection Gasoline Supercharger) steht für ein Technikpaket, das es in dieser Zusammenstellung noch nicht gegeben hat – erst recht nicht in der Kleinwagenklasse.

Das 1,2 Liter große High-tech-Aggregat soll im Micra lediglich 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen und stellt damit die bisherige Bestmarke für nicht elektrisch unterstützte Benzinmotoren ein, die der Fiat 500 mit seinem Twinair-Zweizylinder gehalten hat.

Kompressor statt Turbo

Dabei haben sich die Nissan-Ingenieure gegen jenes extreme Downsizing entschieden, wie es Fiat mit dem Twinair praktiziert: Für eine Leistung von 72 kW/98 PS und das maximales Drehmoment von 142 Newtonmetern klingt der Hubraumwert von 1.198 cm3 vergleichsweise konventionell.

Außerdem gilt der mechanisch angetriebene Kompressor, den die Japaner anstelle des üblichen Turboladers einsetzen, in puncto Wirkungsgrad nicht als ideal – schließlich wird er direkt von der Kurbelwelle angetrieben. Das kostet Kraft, die nicht mehr für den Vortrieb zur Verfügung steht.

Motor muss sich weniger anstrengen

Für den großen Spareffekt sind andere Konstruktionsdetails verantwortlich. Nissan betreibt den Dreizylinder im Miller-Verbrennungszyklus – hierbei bleiben die Einlassventile im Verdichtungstakt länger offen als üblich – und verringert damit die Verdichtungsarbeit. Das heißt, der Motor muss sich bei der Verdichtung der Ansaugluft weniger anstrengen.

Den Füllungsverlust gleicht der Kompressor aus, was den traditionellen Nachteil von Miller-Motoren – das schwache Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen – vermeidet. Außerdem senkt dieses Verfahren die Temperatur der verdichteten Ansaugluft, was zusammen mit der Benzindirekteinspritzung das außerordentlich hohe Verdichtungsverhältnis von 13:1 möglich macht. Die hohe Verdichtung sorgt dafür, dass der Motor den Kraftstoff besonders effizient verbrennt.

Viel Detailarbeit gegen Reibung und Pumpverluste, ein Start-Stopp-System und die verbrauchsgerechte Steuerung des Generators bringen weitere Prozentpunkte beim Verbrauch. Zwar ist die Homologation laut Nissan noch nicht abgeschlossen, doch das Unternehmen stellt für die Einstiegsversion mit Fünfganggetriebe lediglich 4,1 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern in Aussicht. Damit muss sich der Ottomotor nicht einmal vor den besten Dieseln verstecken.

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